Lörrach Nachverdichtung in die Höhe

Lörrach -88 neue Wohneinheiten sollen nach der Überarbeitung der Pläne im Quartier „Nördlich Engelplatz“ entstehen. Außerdem wird eine Aufwertung des Platzes angestrebt, indem öffentliche Stellplätze in eine Tiefgarage verlegt werden. Am Donnerstag wurde der aktuelle Stand im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT)­ präsentiert, wo es vor allem zu den Plänen für ein Hochhaus kritische Fragen gab.

„Sei mutig“, hatte Gerd Haasis, Fachbereichsleitung Stadtentwicklung und Stadtplanung, dem Architekten Martin Bächle (Büro bächlemeid) nach der zweiten Stufe des Wettbewerbs für die Überarbeitung mit auf den Weg gegeben, nachdem sich der Gestaltungsbeirat der Stadt und die Wettbewerbsjury für eine stärkere Nachverdichtung ausgesprochen hatten. Das Ergebnis ist ein 14-stöckiges Gebäude mit rund 40 bis 50 Metern Höhe direkt am Engelplatz. Zum Vergleich: das „Weitblick“ in Stetten ist 57 Meter hoch. „Am Fuße der Topografie geht das gut und vielleicht gibt es dem Engelplatz einen neuen Impuls“, sagte Bächle.

Die weitere Wohnbebauung orientiert sich am Bestand und sieht drei- und viergeschossige Häuser vor, so dass auf den insgesamt 5000 Quadratmeter großen Grundstücken der Firma Vucovic 60 Wohneinheiten entstehen könnten (wir berichteten). „Wir wollen hochwertige, stadtbildprägende Häuser bauen“, machte Bächle in seiner Präsentation deutlich.

Für das nördlichste Grundstück im Quartier, das der Brauerei Lasser gehört, hat das beauftragte Architekturbüro Geisel in Begleitung des Gestaltungsbeirates und in Abstimmung mit dem Büro „bächlemeid“ die Planung ebenfalls überarbeitet und in das Gesamtprojekt integriert. Mit nunmehr 28 Wohneinheiten „ein deutlicher Zugewinn“, so Haasis. Für die Neubaupläne sollen das Haus Bergstraße 20 und die Gebäude auf dem Lasser-Grundstück abgerissen werden.

Reaktionen des Rates
„Ich bin froh, dass wir ein so gutes Wettbewerbsergebnis bekommen haben“, kommentierte Margarete Kurfeß (Grüne) die Präsentation. Die Hochhaus-Pläne müssten noch in der Fraktion diskutiert werden, sie bezeichnete die Idee für den Platz als „gute Zäsur“.

Fraktionskollege Fritz Böhler kritisierte hingegen: „Hier wird für ein gehobenes Publikum gebaut und nicht für das Klientel, das in Lörrach dringend Wohnungen braucht.“ Auch das Hochhaus biete „keine Chance auf bezahlbaren Wohnraum“.

Die kritischen Nachfragen zum Hochhaus konzentrierten sich vor allem auf die Verschattung der Bestandsgebäude. Natürlich müsse man sich über die Konsequenzen eines solchen Hochpunktes für die Umgebung im Klaren sein, sagte Haasis, der auf die Steigerung der Wohneinheiten von 41 auf 60 hinwies – „maßgeblich durch das Hochhaus“.

„Der Platz bietet das Potenzial dafür,“ sagte der Fachbereichsleiter. Er bezeichnete die Planung als „markantes Signal“, das den Engelplatz als Stadteingang sichtbarer mache. Natürlich füge sich das Hochhaus aber nicht in die umgebende Bebauung ein, wie Christa Rufer (SPD) beklagte, weshalb es eine klare Begründung – beispielsweise Wohnraummangel – für die Ausnahme nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches benötige.

Fritz Böhler bezeichnete die Verschattung als „massiven Eingriff in die Wohnqualität der Anlieger“ und schlug wenigstens eine Ausführung in Holzbauweise vor, um das massive Neubauvorhaben mit einer „zukunftsweisenden Bausubstanz zu rechtfertigen“.

Christa Rufer (SPD) beklagte die „nichtssagenden Grafiken“ zur Verschattung in der Vorlage. Sie forderte „mehr genauere Informationen, um zu wissen, was wir damit auslösen würden“.

Auch Matthias Koesler (FDP) hatte seine „Probleme mit dem Hochhaus“, während er die übrigen Baupläne als „sehr schön gelöst“ bezeichnete.

Parken und Tiefgarage
Um in einem zweiten Schritt die Aufwertung des Engelplatzes voranzutreiben, will die Stadt zunächst die Option, öffentliche Stellplätze in der Tiefgarage des Vukovic-Projekts zu verlegen, nutzen. Im Gegenzug sollen oberirdische Parkflächen entfallen. „Wir brauchen Platz, um Aufenthaltsqualität zu schaffen“, erklärte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic.

Die neuen Häuser sollen oberirdisch nur über einen Fußweg erschlossen werden, der jedoch breit genug für Rettungsfahrzeuge sei. Die erforderlichen Stellplätze werden in der Tiefgarage untergebracht, die unter dem gesamten Bereich verläuft. Im vorderen Teil sind 24 öffentliche Plätze vorgesehen, der private Bereich wird laut Bächle mit einer Schranke abgetrennt.

Für die Aufwertungspläne sprachen sich alle Fraktionen aus: „Es kann nur besser werden“, sagte beispielsweise Thomas Denzer (Freie Wähler). Ihm missfiel jedoch, dass mehr oberirdische Plätze wegfallen sollen, als unterirdisch neu angelegt werden. Bernhard Escher (CDU) kritisierte die Ein- und Ausfahrt über die Wallbrunnstraße.

Weiteres Vorgehen
Der AUT nahm den Sachstandsbericht und die überarbeiteten Planungen bei vier Enthaltungen zur Kenntnis. Die Planungen sollen nun die Grundlage für einen Bebauungsplan bilden. Auf Grundlage des städtebaulichen Vertrages wurde das Büro fsp. Freiburg mit der Ausarbeitung beauftragt. Das Verfahren soll laut Haasis mit dem Aufstellungsbeschluss durch den Gemeinderat im Herbst eingeleitet werden.

Die Verwaltung wurde außerdem bei einer Enthaltung beauftragt, mit den Stadtwerken und der Firma Vucovic die Verhandlungen für die öffentlichen Stellplätze in der Quartierstiefgarage aufzunehmen.

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