Es ist früher Abend, die zwei Mitarbeiter des SIP-Teams stehen auf der Dachterrasse des Rathauses. Sie tragen weinrote T-Shirts mit dem Logo der Stadt Lörrach und der Aufschrift „SIP Lörrach“. Während die meisten Mitarbeiter im Rathaus so langsam in den Feierabend gehen, fängt ihre Arbeit jetzt erst an.

Von Nina Ricca

Lörrach. SIP steht für „Sicherheit, Intervention, Prävention“. Ihr abendlicher Auftrag ist ein Kooperationsprojekt der Stadt Lörrach und der Dieter-Kaltenbach-Stiftung, um mit Lörracher Jugendlichen an öffentlichen Orten stressfrei in Kontakt zu kommen. „Wir fahren zu den typischen Plätzen, an denen abends Jugendliche Zeit verbringen. Dann fangen wir ganz einfach nur einen Dialog an, ohne Hintergedanken oder Zurechtweisung. Das Projekt hat einen präventiven, pädagogischen Gedanken.“, erklärt Jan Funke, Leiter des Fachbereichs Jugend in der Kaltenbach-Stiftung. Sein Teampartner heute ist Thomas Wick vom städtischen Gemeindevollzugsdienst.

Insgesamt gibt es zwei Mitarbeiter der Stadt und vier Mitarbeiter der Kaltenbach-Stiftung, die sich die Monate Mai bis Oktober aufteilen, und in Zweierteams von Donnerstag bis Samstag von 18 bis 1 Uhr in den öffentlichen Parks, Spielplätzen und Treffpunkten unterwegs sind.

„Wir treffen uns erst hier im Rathaus und besprechen kurz, ob es zum Beispiel Meldungen von Anwohnern oder der Polizei gab. Dann fahren wir los, in den Grüttpark oder nach Brombach, Haagen, Hauingen, und besuchen die Jugendlichen dort“, beschreibt Funke einen typischen Abendablauf.

Die Jugendkultur hat sich mit dem Internet deutlich verändert

Das SIP-Team gibt es bereits seit 2010, viele der Jugendlichen kennen die Mitarbeiter und freuen sich, wenn sie kommen. Einer der Vorteile der Kooperation mit der Kaltenbach-Stiftung ist der potenzielle Übergang zur mobilen Jugendarbeit: „Wenn wir mitbekommen, dass jemand häufiger auffällig ist, können wir durch unsere Jugendarbeit auch Hilfe anbieten. Wir kommen dahin, wo die Jugendlichen sind und lernen sie ohne Druck kennen. Sie bestimmen, was sie wollen und was nicht.“

Man hört Funke an, dass er Jugendliche da respektiert und annimmt, wo sie eben gerade stehen. Der Sozialarbeiter hat seinen Weg von der südlichen Ortenau über Lahr nach Lörrach gefunden, und hat schon so einige Fortbildungen zur sozialpädagogischen Arbeit hinter sich. „Das ist auch wichtig, die Jugendkultur verändert sich ständig. Es gibt zum Beispiel keine thematischen Gruppierungen mehr, wie damals Punker oder Metaller. Anfangs hatten wir noch kleinere Gruppen von fünf bis 15 Jugendlichen, jetzt kommt es dank sozialer Netzwerke häufig vor, dass wir 60 und mehr Teenager antreffen. Die Grundsätze der Jugendarbeit bleiben gleich, aber man muss sich weiterentwickeln.“ Funke sieht auch durch die verkürzte Schulzeit des G8 einen stärkeren Hang der Gymnasiasten dazu, am Wochenende Party zu machen, sich zu betrinken oder eben „die Sau rauszulassen“.

Zusammenarbeit öffnet beiden Seiten manchmal die Augen

Gerade die Zusammenarbeit der Jugendarbeit mit dem Ordnungsamt öffnet beiden Seiten manchmal die Augen zu einem neuen Verständnis dieser Zielgruppe. Mal verstehen Jugendarbeiter und Jugendliche Regeln besser, weil sie auf der Beziehungsebene freundlich erklärt werden, und mal hat ein Ordnungsbeamter die Gelegenheit, sich länger mit einem „Unruhestifter“ zu unterhalten und lernt seine Beweggründe kennen.

Beide Seiten schätzen die Teamarbeit: „Unsere Arbeit beim Gemeindevollzugsdienst hat viel mit Strafen zu tun.“, sagt Thomas Wick. „Ich schätze den Kontakt mit den Jugendlichen sehr, da kann man viel sensibler verbal einwirken.“

Die Zusammenarbeit verkürzt manchmal auch die Wege zu städtischen Anträgen. „Wir haben zum Beispiel erreichen können, dass die Beleuchtung im Grüttpark die ganze Nacht geschaltet ist und angeregt, dass dort geeignete Mülleimer platziert werden“, freut sich Funke. Dabei hilft die Nähe des SIP-Teams zu den jeweiligen Entscheidungsträgern. „Für die Jugendlichen ist es positiv, dass Erwachsene in ihre Welt kommen und sie urteilsfrei kennenlernen. Wir helfen, wo wir können, ob ein Handy im Teich gelandet ist oder eine andere Partygang jemand mobben will, wir stellen uns an ihre Seite.“