Lörrach Neue Blicke auf einen großen Maler

„Junge Frau und altes Paar“: Ein Werkbeispiel aus der neuen Themenausstellung „Mensch und Landschaft bei Paul Ibenthaler.“ Foto: Jürgen Scharf

Lörrach - Immer wieder gibt es im Ibenthaler-Haus wechselnde Themenausstellungen, die jedes Mal ein neues Seherlebnis schaffen. Dieses Mal zeigt das Privatmuseum unter dem Titel „Umgebungen: Mensch und Landschaft bei Paul Ibenthaler“ einige noch nie ausgestellte Arbeiten, die einen Zeitraum von 40 Jahren umfassen.

Da kann man wieder neue Aspekte in dem umfangreichen Oeuvre des Lörracher Malers entdecken. Darunter Bilder, die man nicht sofort als ein Werk von Ibenthaler erkennen würde. Sehr erstaunt steht man etwa vor dem seltsam modern wirkenden Bild „Haltestelle bei Nacht“ mit Leuten im Regen, in Mänteln unter Regenschirmen, für Ibenthaler ein ganz untypischer Stil.

Fanden sich schon in der Vorgängerausstellung mit Gemälden von Ibenthaler und Alfred Haller geometrische Formen, so entdeckt man erneut wieder einige streng komponierte Bilder, etwa das „Mädchen auf dem Balkon“ mit kubistischer Einteilung von Horizontale und Vertikale.

Überhaupt fasziniert in dieser Auswahl der oft sehr freie Bildaufbau und eine perfekt im goldenen Schnitt gegliederte Aufteilung. Vor allem in Szenen mit Menschen in der Landschaft, die der Maler in Rückenansicht festgehalten hat. Das geht bis zu einem sehr starken Rückenporträt.

Ein in dieser Schau und im Gesamtwerk von Ibenthaler wiederkehrendes Thema sind Jugend und Alter, einzigartig vom Motiv her. Einen kubistischen Ansatz hat in diesem Genre „Junges Mädchen und drei Alte“. Im Vordergrund sieht man eine junge Frau, im Hintergrund die älteren Herrschaften auf einer Parkbank. Auch „Alte Frau und Mädchen“ variiert die Idee von Spaziergängerinnen in der Natur. Also ein generationenübergreifendes Sujet. Stilistisch an den französischen Impressionismus und Toulouse-Lautrec erinnert „Junge Frau und altes Paar“ mit einer Dame und einem Mann mit Zylinder in parkähnlicher Umgebung, in dem ein Automobil etwas unwirklich erscheint.

Dem Expressionismus nahestehend und anonym im Menschentypus ist die Ansicht „Altersheim“ mit Figuren auf violett-orangefarbenen Wegen. Wieder andere Arbeiten zeigen den Menschen im urbanen und städtischen Milieu und im bäuerlich-ländlichen Umfeld.

Bei letzterem gibt es Bildnisse, die von wuchtigen, einfachen Formen bestimmt sind, wie etwa die Barlach-ähnlichen gebeugten Rübenhackerinnen auf dem Dinkelberg. Oft zeigt Ibenthaler den bäuerlichen Menschen in farbglühenden Landschaften, manche in mutigen, fast neonfarbigen Tönen wie das „Pferdefuhrwerk im Markgräflerland“ mit technisch hervorragend gesetzten Strichen.

Grazien am Fluss, Badende, Mann in der Abendsonne, Blumenpflückerinnen, Kartoffelernte: alles sinnliche Wahrnehmungen der menschlichen Figur in der Landschaft. Etwas aus dem Rahmen dieser Werkschau fällt das großformatige Bildnis des ehemaligen Lörracher Oberbürgermeisters Egon Hugenschmidt mit Blick über die Stadt – eine Schenkung aus Privatbesitz an die Ibenthaler-Stiftung.

Kuratiert hat diese Ausstellung, bei der alles sehr schön zusammenpasst, Martin Leccese, der die Arbeiten in einer Kombination von Hell, Schwarz-Weiß und Farbe platziert, so dass jedes Einzelbild verstärkt in Erscheinung treten kann.

So etwa auch das „Paar in der Stadt“ oder das Symbolbild „Paar im Garten“ mit einer umarmenden Geste des Mannes und verführerischen Äpfeln als Anspielung auf Adam und Eva im Paradies. Solche Arbeiten zeigen, dass der Mensch in der Landschaft bei Ibenthaler doch oft metaphorisch gemeint ist.  Bis 29. September, So 15-17 Uhr

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