Lörrach Neue Heimat für den Wolf?

Die Oberbadische, 18.05.2018 04:05 Uhr

Immer wieder stehen Wölfe in der öffentlichen Diskussion. Ende April wurden in Bad Wildbad im Nordschwarzwald 44 Schafe getötet – der Gen-Analyse nach von einem einzigen Wolf. Erst vor wenigen Tagen gab es in Niedersachsen Proteste gegen die Tiere: Die Agrarministerin sprach sich sogar für deren Abschuss aus.

Von Susann Jekle

Lörrach. Am Mittwoch hielt Hans Mehlin aus Bad Säckingen im Gemeinschaftsraum der Seniorenresidenz am Engelplatz einen informativen Vortrag über Wölfe und deren Lebensweise. Der Forstdirektor im Ruhestand und Naturschutzbeauftragte des Landkreises Waldshut kam auf Einladung von Ute Hammler, der Leiterin der Seniorenresidenz am Engelplatz, bereits zum wiederholten Male für einen Vortrag nach Lörrach.

Nachdem sie vor knapp 200 Jahren ausgerottet wurden, wandern Wölfe nun wieder in unsere Heimat ein. Mit der Ausrottung wurde bereits im Mittelalter begonnen. In seiner Präsentation unter dem Titel „Heimkehr der Wölfe?“ zeigte Mehlin die Lebensweise und Herkunft dieser Wölfe auf. Noch ist es fraglich, ob den Wölfen die Besiedelung bei uns gelingt. Denn: Der starke Straßenverkehr und die zahlreichen Siedlungsgebiete machen es den Tieren schwer.

In vielen Teilen der Welt und auch in Deutschland sind Wölfe geschützt. Derzeit leben in Deutschland etwa 60 Wolfsrudel – nahezu jeder Wolf ist heutzutage in einer Datenbank erfasst.

Mehlin zeigte die Verbreitung der Wölfe in Europa auf: Besonders im Baltikum, dem Balkan und den Karpaten gibt es sehr viele Wölfe – dort waren sie auch nie ausgestorben. Nur mit viel Geschick halten sich die Wölfe überhaupt am Leben: Die Tiere brauchen ein großes Revier.

Der geeignete Lebensraum für Wölfe ist der Wald, in dem sich noch kein Konkurrent angesiedelt hat, und wo es ein Beuterevier für sie gibt. In dieser Hinsicht könnte der Landkreis Lörrach in Richtung Feldberg einem Wolfsrudel Platz bieten, im Landkreis Waldshut-Tiengen wäre Platz für zwei Rudel, wie der ehemalige Forstdirektor meinte.

Zum Fall mit den 44 Schafen aus Bad Wildbad stellen sich Mehlin noch einige Fragen. „Kaum vorstellbar, dass das ein einzelner Wolf gemacht hat“, meinte er.

Auch vom Wesen des Wolfs berichtete der Referent. „Viele Menschen sind durch Märchen über Wölfe geprägt“, erklärte Mehlin. Der böse Wolf beim Rotkäppchen oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“ hinterlassen eine Furcht vor dem Tier: Man stelle sie sich als gefährliche Menschenfresser vor. Tatsächlich aber sei das Unsinn. „Wölfe fliehen vor dem Menschen“, erklärte er.

 
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