Gleich zwei runde Geburtstage kann Rot-Weiß Lörrach (RWL)  in diesem Jahr feiern: Im November ist es 50 Jahre her, dass die RWL-Sportanlage im Grütt eingeweiht wurde und morgen vor 70 Jahren, am 2. Juni 1946,  wurde der Mehrspartensportverein gegründet. Bis dahin war allerdings viel Überzeugungsarbeit bei den Besatzern nötig.

Von Kristoff Meller
Lörrach. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges  hatten die Menschen in Lörrach zunächst andere Sorgen, als sich um Sport Gedanken zu machen – zumal die französischen Besatzer ohnehin alle Vereine aufgelöst hatten. Doch bereits im Herbst 1945 versuchten die ersten Lörracher den Sport wieder zum Leben zu erwecken. Clemens Fabrizio schildert in der RWL-Chronik  seinen „allerersten Versuch“ beim „Gouvernement Militaire“ in der Villa Aichele die Erlaubnis für eine Sportveranstaltung zu erhalten: „Ich wurde ausgelacht. Aber ich ging immer wieder zum Sportoffizier Capitain Leber, mit dem ich bald ein gutes Verhältnis hatte.“ Auch die Versuche von Emil Benz, Walter Krauss und Albert Sütterlin scheiterten zunächst: „Unzählige Stunden verbrachten Emil, Walter und ich in den Vorzimmern des  Gouvernement Militaire“, erinnert sich Fabrizio.

 Am 24. Januar 1946 wurde die Hartnäckigkeit schließlich belohnt: der erste Antrag  Fabrizios für ein Handballspiel auf dem Platz an der Brombacher Straße wurde genehmigt:    „Der 3. Februar 1946 war für uns ein Freudentag, der Sport hatte gesiegt, allen anfänglichen Widrigkeiten zum Trotz.“ Die Lörracher Mannschaft gewann damals mit 7:3 gegen die  Brombacher Auswahl.

Im März 1946 wurde auch die Leichtathletik wieder zugelassen, und am 1. Juni 1946  kam erstmals eine Abordnung Schweizer Sportler auf Einladung Fabrizios nach Lörrach zu einem Sportfest. Neben Leichtathletik und Faustball wurde auch ein  Handballspiel  durchgeführt, bei dem der  Ball von einem Schweizer Sportflieger abgeworfen wurde.

Doch nicht nur bei den Aktiven  ging es  voran: Am 21. Mai 1946 wurde  die Genehmigung für die  Gründung eines Allsportvereins erteilt, daraufhin trafen sich  „zahlreiche Sportkameraden aus der Vorkriegszeit“ für Gründungsvorgespräche, wie Klaus Mordhorst, RWL-Vorsitzender von 1992 bis 1996, für einen Artikel in der aktuellen Vereinszeitung recherchiert hat. „Bei einem Treffen erinnerten sich Willy Joos, Häbbi Wagner und Clemens Fabrizio daran, dass die Aktiven des TV Lörrach 1862 weiße Leibchen mit einem roten Brustring getragen haben“, schreibt Mordhorst. Der Vereinsname war gefunden.

Am 2. Juni 1946 fanden sich im Stadttheater an der Rainstraße laut Mordhorst 302 Personen ein und erledigten innerhalb von 90 Minuten „sämtliche Formalitäten“. Erster RWL-Präsident wurde Walter Krauss, Vorsitzender Wilhelm Sinz. Der Name „Sportclub Rot Weiß Lörrach“ wurde bei einer späteren Sitzung in „Sportverein“ abgeändert.

Aber was ist ein  Sportverein ohne Sportplatz? Am 22. Juni 1946 stellte RWL bei der Stadt den Antrag „auf Rückgabe und Instandsetzung“ des Sportplatzes an der Haagener Straße. Es sollte fünf Jahre und einen Tag dauern, bis  dieser Wunsch Wirklichkeit wurde und die städtische Anlage wieder zur Verfügung stand.

Eine 312 Meter lange Laufbahn mit Zelten der französischen Besatzer

  Der RWL-Platz an der Brombacher Straße war hingegen sofort verfügbar, aber alles andere als  optimal: Die Laufbahn war nur 312 Meter lang, und die französischen Militärs nutzten das Stadion als Lagerplatz. Zeitweise standen laut Mordhorst sogar Zelte auf der Aschenbahn. Doch nach und nach habe sich der „Sport seinen Platz“ zurückerobert.

Am 13. September 1962  teilte die Stadtverwaltung dem RWL dann  mit, dass der Verein einen sechs Meter breiten Streifen seines Stadions an der Brombacher Straße für den Straßenbau abgeben müsse. Die Verschiebung des Sportplatzes  wurde schnell verworfen und stattdessen ein Neubau im Grüttpark angeregt (siehe Kurzinfo am Ende).

Zunächst waren aus Kostengründen lediglich vier Bahnen vorgesehen, doch einige Sportler sprachen sich für sechs aus, um auch internationale Wettkämpfe durchführen zu können. Des weiteren wurden ein zusätzlicher Trainingsplatz, eine kleine Gymnastikhalle mit Umkleide- und Duschbereich sowie ein Wirtschaftstrakt mit Kegelbahn angedacht und umgesetzt. Dabei wurde der Finanzrahmen von 2,2 Millionen D-Mark eingehalten, und da der Verein parallel sein Stadion an der Brombacher Straße  verkaufte,  entstanden  auch keine Schulden.

 Rund 20 Jahre später sah es finanziell  hingegen nicht mehr so gut aus. Die  Belastung durch ein eigenes Stadion wurde immer größer, so dass der  Verein das  sanierungsbedürftige  Rot-Weiß-Stadion   an die Stadt verkaufte und der Name in Grüttparkstadion geändert wurde.

Stadionneubau im Grütt:
8. Februar 1963: Auf Initiative des Vorsitzenden Fritz Gisy wird eine grobe Planstudie für den Umzug ins Grütt  in Auftrag gegeben. Nach Vorgesprächen stimmt Oberbürgermeister Egon Hugenschmidt zu.
1963: Erste Verkaufsgespräche mit der Firma Ennsle Heilbronn wegen dem  Verkauf des Platzes an der Brombacher Straße
24. Januar 1964: Erörterung des Vorhabens im Gesamtvorstand. Es wird eine kleine Baukommission gegründet, der es im Juli 1964 gelingt, die drei restlichen Grundstücke, die sich nicht in städtischem Eigentum befinden, zu erwerben.
21. August 1964: In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gibt es eine große Mehrheit für die Pläne im Grütt
30. September 1964: Spatenstich im Grütt
27. August 1965: Baubeginn der Hochbauten
24. Juni 1966: Aufrichtungsfeier
5. November 1966: Einweihung des Rot-Weiß-Stadions
Quelle: RWL-Chronik

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