Lörrach Neugier auf Spracheund Kulturen

Die Oberbadische, 12.07.2016 20:54 Uhr

Lörrach. Seit über neun Jahren bereits setzt der Kindergarten St. Bonifatius nun schon sein breitgefächertes Sprachförderkonzept um, und hat es seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.

Knapp ein Viertel der unter 20-Jährigen in Baden-Württemberg haben einen Migrationshintergrund. Bei den unter Fünfjährigen macht der Anteil sogar etwa ein Drittel aus. Oftmals kommen die Kinder erst mit dem Eintritt in Kinderkrippe oder Kindergarten mit der deutschen Sprache direkt in Kontakt. Was bedeutet, dass den Kindern bis zur Einschulung nur wenig Zeit bleibt, und die pädagogischen Fachkräfte gefordert sind, die wenigen Jahre mit den Kindern effektiv zu nutzen.

Vielfältiges Konzept

Sprachförderung für Kinder, die eine neue Sprache erlernen müssen und mitunter Schwierigkeiten beim Erwerb haben, beinhaltet nicht bloß die Vermittlung von deutschen Begriffen und Wörtern – Sprachförderung ist vielmehr ein vielfältiges Konzept interkultureller Arbeit, das alle das Kind betreffenden Lebenswelten miteinbeziehen sollte.

Neben den Sprachförderstunden für die Kinder in den unterschiedlichen Altersgruppen, beinhaltet das Angebot im Kindergarten St. Bonifatius eine Vielzahl von Aktivitäten für die Kinder und ihre Eltern. Die Pflege der eigenen Muttersprache ist ebenfalls sehr wichtig, denn nur wer die eigene Sprache gut spricht, kann eine zweite adäquat erlernen. Daher wird auch in verschiedenen Sprachen vorgelesen, eine Lesepatin von der Schubert-Durand-Stiftung liest zum Beispiel wöchentlich auf Türkisch vor. Hinzu kommt die zweisprachige Bücherausstellung im Haus, die einmal jährlich stattfindet und den Kindern und Eltern Bücher in ihrer Muttersprache und auf Deutsch anbietet. Für Mütter gibt es seit Jahren einen niederschwelligen Deutschkurs, und regelmäßig wird mit den Kindern international gekocht.

Möglich ist dieses umfangreiche Angebot, welches hauptsächlich von externen Sprachförderkräften geleistet wird, vor allem durch die finanzielle Unterstützung der Dr. Heinrich-Schuy-Stiftung, die seit Jahren einen erheblichen Anteil der Kosten trägt, und ohne diese erfolgreiche Sprachförderarbeit nicht möglich wäre.

Über all die Angebote und Aktivitäten für Kinder und Eltern hinaus, ist der St. Bonifatius-Kindergarten aber auch Multiplikator, der seine Arbeit dokumentiert und transparent macht, um die Erfahrungen und Fortschritte an andere Einrichtungen und Fachkräfte weitervermitteln zu können. So fand in diesem Frühjahr bereits im neunten Jahr in Folge der „Workshop Sprache“ für Schüler der Mathilde-Planck-Schule, der Fachschule für Sozialpädagogik statt. Auch in diesem Jahr konnten zwei Fachklassen mit angehenden Erziehern einen Einblick in die pädagogische Arbeit der Sprachförderkräfte des Bonifatius-Kindergartens erhalten.

Für die Sprachförderkräfte, wie auch für die Erzieher im Bonifatius-Kindergarten bedeutet ihre Arbeit ein gesellschaftlicher Auftrag: Eine Verantwortung sowohl dem eigenen Berufsstand gegenüber, das pädagogische Fachpersonal laufend fortzubilden, wie auch eine Verantwortung der Gesellschaft selbst gegenüber. Nur wer die Sprache beherrscht, kann am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Wie andere Kindergärten in Lörrach auch, wird der St. Bonifatius-Kindergarten in diesem Sommer eine mit einer weiteren, zusätzlichen Fachkraft verstärkte „Sprach-Kita“. Das vom Bund geförderte Programm wird noch mehr Möglichkeiten geben, den Kindern schon früh die besten Chancen zu geben, positiv mit der deutschen Sprache umgehen zu können.