Lörrach Notfall-Plan für Wasser: Basel könnte Lörrach helfen

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 Foto: Stadt /Kornela Schiller

Die Stadt Lörrach will sich für die Trinkwasser-Notversorgung breiter aufstellen und passend rüsten. Gespräche mit Basel haben zu diesem Thema stattgefunden und werden fortgeführt.

Lörrach (ov/mcf). Sollte eines der beiden Wassergewinnungsgebiete „Grütt“ oder „Wilde Brunnen“ ausfallen, so kann der andere Bereich die Versorgung komplett übernehmen, schildern die Experten. Zudem bestehen noch die Brunnenanlagen „Parkbad I+II“, die für die Notversorgung der Stadt hinzugezogen werden können.

Die Trinkwasserversorgung Lörrachs beruht auf dem Grundwasserleiter der Wiese. Aufgrund von Dürren, Hochwassern oder Verseuchungen des Flusses könnte die Wasserversorgung Lörrachs gefährdet sein, weiß die Stadt. „Für die zukünftige Notversorgung muss deshalb der Blick in alle Himmelsrichtungen gehen.“ Basel bilde die „sinnvollste und effektivste Lösung für eine potenzielle Notversorgungsmöglichkeit“, heißt es in der Einschätzung. Zu diesem Aspekt haben bereits mehrere Gespräche mit der Stadt Basel stattgefunden und werden weiter fortgeführt. Es wurden technisch machbare Optionen ausgearbeitet, die den Aufbau einer Notversorgung mit der Stadt Basel beziehungsweise den Industriellen Werken Basel (IWB) ermöglichen. Hier gibt es laut Lörracher Kommunalverwaltung eine Vorzugsvariante. „Zeitnah soll es weitere Gespräche geben“, schilderte die Stadt im Rahmen der Jahresmedienkonferenz.

Rund um Lörrach

Zugleich erfolgt der Blick auch rundherum: Steinen, Maulburg und Schopfheim greifen wie Lörrach auf die Wiese als Grundwasserleiter zurück. Rheinfelden ist Mitglied des Wasserversorgungsverbands Dinkelberg, welcher über keine Reserven bei der Gewinnung verfügt. Inzlingen bezieht in den Sommermonaten bereits Trinkwasser aus den Lörracher Versorgungsgebieten, da deren eigenes Angebot nicht ausreicht.

Weil am Rhein unterhält eine eigene Versorgung in Rheinnähe. Diese reiche jedoch nicht aus, um Lörrach und Weil zu versorgen. Zudem erschwere der Tüllinger Berg die Verbindung der beiden Trinkwassernetze.

Wasser für mehr Bürger

Die Dimension lässt sich für Lörrach auch in Zahlen fassen: Fast 50 000 Menschen werden im Betrachtungsgebiet der Wasserversorgung Lörrach mit Trinkwasser versorgt – das sind etwa 9500 Haushalte und Unternehmen. Doch Lörrach wächst seit Jahren stetig an. Bis zum Jahr 2040 wird die Bevölkerungszahl laut Prognose auf etwa 54 500 bis maximal 56 000 Menschen anwachsen. 2020 verbrauchten die Nutzer schon ungefähr 3,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Wegen des Einwohnerzuwachses ist laut Verwaltung auch von einem Anstieg des absoluten Trinkwasserverbrauchs auszugehen.

Jedoch deuten wassersparende Technologien und ein gesteigertes Umweltbewusstsein der Bürger darauf hin, dass sich der Pro-Kopf-Verbrauch nicht weiter erhöhen wird. Die Klimaveränderungen in Europa seien bei der Prognose nicht berücksichtigt. „Es ist davon auszugehen, dass sich das erst nach 2040 bemerkbar machen wird.“ Eine Überprüfung der Verbrauchsentwicklung alle fünf Jahre sei aber angestrebt.

Tiefbrunnen und das Klima

Aus sieben Tiefbrunnen sprudelt das Wasser. Vier befinden sich im Gewinnungsgebiet „Grütt“ und drei im Gewinnungsgebiet „Wilde Brunnen“. Die Entnahme aus den Tiefbrunnen ist vorerst bis zum Mitte 2036 befristet. Für beide Gewinnungsgebiete zusammen liegt die maximale genehmigte Jahresfördermenge bei 4,2 Millionen Kubikmetern. „Es ist davon auszugehen, dass die Tiefbrunnen bis zum Jahr 2040 den Wasserbedarf Lörrachs decken können“, heißt es weiter. Die Brunnen liegen im Tal der Wiese, welche von zahlreichen kleinen Seitenbächen gespeist wird.

Hier ergaben sich zuletzt deutliche Veränderungen: Im Jahr 2018 sank der Grundwasserspiegel von Januar bis Dezember deutlich im Schnitt um circa eineinhalb Meter. Im darauffolgenden Jahr erholte sich der Grundwasserstand nur geringfügig und blieb 2020 insgesamt auf niedrigem Niveau. Erst nach den niederschlagsreichen Monaten im Januar/Februar 2021 wurde ein signifikanter Anstieg und eine Erholung der Grundwasserstände beobachtet.

Engpässe im Blick

Die Hochrechnungen ergeben, dass für die Deckung des Tagespitzenbedarfs im Jahr 2040 die Notreserve aus dem Gewinnungsgebiet „Wilde Brunnen“ hinzugezogen werden muss. Auf das ganze Jahr betrachtet, bestehen hingegen ausreichende Reserven. Einwohnerentwicklung und Wasserverbrauch sollen laut Verwaltung in den nächsten zehn Jahren beobachtet, um mögliche Engpässe frühzeitig erkennen und angehen zu können.

Lörrach. Das Lörracher Trinkwasser wird laut städtischen Angaben jährlich etwa 400 Wasserproben und vier chemischen Analysen unterzogen. Die Untersuchungen zeigen demnach: die Wasserqualität ist hervorragend. Auch in Zukunft seien keine Änderungen der Qualität anzunehmen.

Das geologisch bedingte hohe Level an freier aggressiver Kohlensäure im Grundwasser würde jedoch innerhalb weniger Jahre alle metallischen Leitungen unbrauchbar machen – Kohlensäure führt zu Korrosion, heißt es weiter. Deshalb wird das Trinkwasser im Wasserwerk Grütt entsäuert.

Besondere Bestimmungen Um die hohe Qualität des Lörracher Trinkwassers zu sichern, sind die Trinkwasserschutzgebiete um die Gewinnungsbereiche und die Trinkwasseranlagen von großer Bedeutung, führt die Stadt zum Thema Trinkwasserqualität aus. Dort gelten besondere Bestimmungen: Beispielsweise für die Düngung landwirtschaftlicher Flächen oder die Durchführung von Veranstaltungen. Sehr sensible Bereiche (Schutzzone 1) sind eingezäunt und der Zutritt ist ausschließlich befugten Personen erlaubt.

Geschützt sind auch alle Trinkwasseranlagen – Objektschutz mit Alarmmeldesystemen, Sicherheitstüren sowie weitere Vorrichtungen und Maßnahmen achten auf die Anlagen.

Das Lörracher Trinkwassernetz besteht aus insgesamt 230 Kilometern Hauptleitungen und 115 Kilometern Hausanschlussleitungen. Pro Jahr werden etwa 1,8 bis 3,5 Kilometer der Hauptleitung erneuert. Das bedeutet, dass einmal in hundert Jahren das komplette Leitungsnetz ausgetauscht wird – man spricht von einer Erneuerungsrate von einem Prozent. In Zukunft werden sich die Investitionssummen erhöhen müssen, um das Netz in einem guten Zustand zu halten, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung.

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