Lörrach „Oft half nur noch schieben“

Lörrach. Angela Friedel und Philipp Porsche erkunden die Welt gerne auf dem Fahrrad. Vor drei Jahren verbrachten die beiden Lörracher bereits 21 000 Kilometer im Sattel, um vom Dreiländereck bis nach Panama zu strampeln. Seit Juli sind sie wieder auf großer Tour. Derzeit sind sie im Südosten Kanadas unterwegs. Kristoff Meller hat mit den beiden Weltenbummlern Kontakt aufgenommen.

Lörrach, Lissabon, Montreal - Seit dem 28. Juni habt Ihr beinahe 4000 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt. Könnt Ihr eure bisherige Route kurz zusammenfassen?

Am 1. Juli ging es erst mal mit dem Zug nach Paris, einen Freund besuchen, den wir auf unserer letzten Reise in Mexiko kennengelernt haben, und mit dem wir drei Wochen gemeinsam die Baja California runter geradelt sind. Von Paris aus fuhren wir noch mal mit dem Zug bis zur spanischen Grenze. Eigentlich war geplant, alles mit dem Rad zu fahren, aber ein Kreuzbandanriss (Angela) Ende März verzögerte die Abfahrt um einen Monat. In Spanien und Portugal teilten wir die Straße mit einer weiteren Radbekanntschaft unserer ersten Reise. Wir fuhren durch Berge im Baskenland, Agrarwüsten in Zentralspanien, vorbei an Korkeichen und Stränden in Portugal. Von Lissabon aus ging der Flug nach Toronto und von dort, wieder zu Zweit immer Richtung Osten.

Wo seid Ihr nun gerade und was ist das nächste größere Ziel?

Wir sind nun in Halifax und werden mit einem VW Bully Cape Breton besuchen. Beim letzten Einkauf trafen wir zwei Deutsche, die uns mit nach Norden nehmen. Mit dem Fahrrad wäre Cape Breton nicht auf unserem Plan gewesen, da es langsam kalt wird, und wir vor dem Winter nach Süden davonfahren wollen.

Bis wohin soll die Reise gehen und wann geht es wieder zurück in die Heimat?

Das nächste Land sind die USA, welche wir voraussichtlich der Ostküste folgend erkunden werden. Von Miami fliegen wir nach Kolumbien, um dort weiter zu fahren, wo unsere letzte große Reise geendet hat. Zurück in die Heimat geht es, wenn alles soweit klappt, nachdem wir den südlichsten Punkt Amerikas erreicht haben, im Winter 2015. Dann ist in Feuerland Sommer und das ist die beste Zeit, um  sich durch Wind und Kälte nach Ushuaia zu kämpfen.

Was war unterwegs bislang die größte Herausforderung?

Der Anfang! Untrainiert durchquerten wir die Ausläufer der Pyrenäen. Auf den steilen Schotterpisten half oft nur noch schieben, was für Angelas Knie teilweise unmöglich war! Zum Glück war Erik mit dabei, so konnten wir zu zweit die steilsten Stellen das beinahe 50 Kilogramm schwere Rad schieben.

Und das skurrilste Erlebnis?

In Städten versuchen wir meist bei Warmshowers.org, einer Internetplattform für Radreisende, Gastgeber zu finden oder günstige Jugendherbergen. Doch als wir in Quebec ankamen, schienen alle Leute über das lange Wochenende verreist zu sein und alle Hotels waren online ausgebucht. Da bekamen wir eine Nachricht über Warmshowers von Sylvain, er war über das Wochenende verreist, hatte uns die Schlüssel im Briefkasten hinterlassen mit der Nachricht wir sollen uns wie zu Hause fühlen; P.S.: Bier ist im Kühlschrank!

Aber das war sicher nicht  das allerschönste Erlebnis, oder?

Die schönsten Erlebnisse sind schon immer wieder die Begegnungen mit den Menschen. Spontane Einladungen im Garten zu campen oder sogar im Gästezimmer zu übernachten, gemeinsame Mahlzeiten und Geschichten vom Reisen auszutauschen. Besonders schön ist es auch, wenn man andere Reisende trifft, die in die selbe Richtung fahren.

Und mit wie vielen Platten und Pannen hattet Ihr auf der Strecke zu kämpfen?

Dank den guten Schwalbe-Reifen sind Platten ziemlich selten. Doch Philipp ist zweimal in etwa 4 Zentimeter lange Nägel gefahren, da helfen nicht mal die besten Reifen.

Wie finanziert Ihr Eure Touren und was macht Ihr beruflich, um so lange Auszeiten nehmen zu können?

Während der Reise arbeiten wir nicht und leben von unserem Ersparten. Angela arbeitet in einem Kindergarten und ich bin Elektriker. Wir beide haben unsere Jobs gekündigt, da wir unsere Rückkehr offen halten wollten. Planen ist gut, aber auf einer Reise ist Flexibilität und Spontanität wichtig und schön.

Von Mai 2011 bis Juni 2012 seid Ihr bereits von Lörrach bis Panama gefahren. Mehr als 21 000 km durch 21 Länder. Was ist Eurer Antrieb, um so viele Kilometer auf dem Fahrrad zurückzulegen?

Das Fahrrad ist ein ideales Mittel Land und Leute zu erkunden und kennenzulernen. Man steckt nicht hinter einer Scheibe, sondern man bekommt ungefiltert mit, wie das Leben unterwegs ist. Nicht nur angenehm, wenn man an Regen, Kälte, Müll und viele überfahrene Tiere auf der Straße denkt. Wichtig ist uns auch aus eigenem Antrieb vorwärts zu kommen, und unser einziger Energiebedarf ist viel Essen, sehr viel Essen! Besonders wenn man auf Straßen mit viel Verkehr unterwegs ist, sind wir froh ohne Motor unterwegs zu sein – ein Auto weniger!

Im Blog kann man die Strecke und die Erlebnisse der beiden Radler mitverfolgen - www.undwirfahrnweiter.blogspot.de

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