Lörrach Orgel ins beste Licht gerückt

Jürgen Scharf
Andreas Mölder, Johannes Menke, Dieter Lämmlin, Birgit und Willi Tittel (von links) rückten die Lörracher Jann-Orgel in der Bonifatiuskirche klanglich ins beste Licht. Foto: Jürgen Scharf

Schwaden von Weihrauch vom Patrozinium hingen noch in der Luft zu Beginn der Orgelnacht in der St. Bonifatius-Kirche. Das passte programmatisch gut zur Messe zum Gebrauch in Klöstern von François Couperin, mit der Johannes Menke den langen Abend in der Con Boni-Reihe eröffnete.

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Menke spielte Auszüge aus dieser Orgelmesse und konnte deutlich machen, wie wichtig es ist, dass man dieses Repertoire pflegt. Als Beispiele für die Registrierungen setzte er bunte Klangfarben ein, etwa im Dialog mit der Trompete oder im Krummhorn-Solo. Der Musikwissenschaftler, der an der Basler Schola Cantorum Basiliensis historische Satzlehre unterrichtet und zum ersten Mal mitwirkte, wusste den Klang dieser verspielten, leichten französischen Sakralmusik mit behutsam-rhetorischem Spiel abwechslungsreich darzustellen: vom „Plein jeu“ (Organo pleno) bis zur Terzregistrierung im Tenor. Als kleine Zugabe des ersten Teils führte Menke mit der reich verzierten „Verliebten Nachtigall“ vor, wie Couperin Cembalomusik durch Titel literarisiert hat.

Universell nutzbare Orgel

Auch in den weiteren Beiträgen zeigte sich, dass die farbkräftige Jann-Orgel kein Kompromiss-Instrument für das deutsche und französische Repertoire ist, sondern eine universell nutzbare Orgel. Dass sie über schöne französische Register verfügt, machten gleich zwei Organisten deutlich, die die 200. Wiederkehr von César Francks Geburtsjahr im Programm berücksichtigten.

Dieter Lämmlin wies in „Prière“ auf die fortschrittliche Harmonik dieses introvertierten innigen „Gebets“ hin und konnte dabei das Schwellwerk für die Dynamik und Lautstärke benutzen. Diese dynamischen Steigerungen und Übergänge sind auf der eher an der Romantik als an der alten Musik orientierten Jann-Orgel gut zu realisieren.

Dass sich das Lörracher Instrument in der Tat stark am Cavaillé-Coll-Typ orientiert, dem Instrument, an dem Franck einst in Paris saß, machte auch Willi Tittel hörbar. Tittel ist ein ausgewiesener Franck-Fan. Der dunkle französische Orgelklang faszinierte in der relativ großen Fantasie A-Dur (aus den „Trois Pièces pour Grand Orgue“).

Aber auch Bach lässt sich adäquat darstellen, wie man mehrfach an dem Abend feststellen konnte. Schon bei Willi Tittel in einem stark verzierten Choralvorspiel, danach von Birgit Tittel in Präludium und Fuge BWV 547, das die ehemalige Lörracher Bezirkskantorin mit viel Lebendigkeit interpretierte. Drei kleine galante und empfindsame Flötenuhrstücke von Carl Philipp Emanuel Bach machten den Unterschied zwischen Vater und Sohn hörbar.

Bach, Liszt und Mendelssohn-Bartholdy

Bach war wieder die Nummer eins, aber auch Mendelssohn-Bartholdy (schön Birgit Tittels in sich ruhendes Spiel in der dritten Mendelssohn-Sonate) und Liszt gehörten zu den Favoriten. Dieter Lämmlin ging Liszts Durch-Nacht-zum-Licht-Kom- position über die Sixtinische Kapelle mit Gespür für die Farben und Hell-Dunkel-Kontraste an.

Andreas Mölder setzte den hymnischen Schlusspunkt mit Liszts grandiosem Präludium und Fuge über B-A-C-H und inszenierte wirkungsvoll die dramatischen Werte der Jann-Orgel mit Pedaleinsatz bis hin ins volle Werk des Plenum. In diesem letzten Teil war die monumentale Klangsprache angesagt, aber auch eine mit Schwung gespielte Fantasie und Fuge von Bach.

Alle fünf Organisten haben die Lörracher Orgel ins beste Licht gerückt. Dies bleibt als Höreindruck nach der vierstündigen Orgelnacht, bei der es als Neuerung zwei größere Pausen zwischen den Recitals gab und etliche Zuhörer sogar bis zum Ende durchhielten. Nach dem Orgel-Marathon waren die Interpreten zum guten Schluss noch auf der Empore zu ein paar launigen Zugaben aufgelegt.

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