Lörrach Pantomime voller Poesie

Gabriele Hauger
Einer von vielen Hinguckern Foto: Mummenschanz Stiftung/Noe Flum

Von Gabriele Hauger

Lörrach. Man muss sie alle lieb haben: den wählerischen Frosch, die verliebten Streichinstrumente oder die aufgeblasenen Michelin-Männchen, die sich einen Zweikampf in Zeitlupe liefern. Mummenschanz fasziniert seit fünf Jahrzehnten mit pantomimischer Poesie. Derzeit zieht die Truppe mit einer Tour d’horizon durch die Lande und sorgte am Mittwochabend im Burghof für Begeisterung.

Geboten bekommen die Zuschauer 90 pralle Minuten an grandiosem Einfallsreichtum, originellen Kostümen und Objekten samt verblüffender Wandlungen. Keine Musik – sehen wir mal von ein paar gezupften Geigensaiten und einem getrommelten Rhythmus ab – keine Worte: Mummenschanz ist Theaterkunst pur.

Mitbegründerin noch dabei

Anfang der 1970er-Jahre lernten die beiden Schweizer Andreas Bosshard und Bernie Schürch in Rom die Amerikanerin Floriana Frassetto kennen. Alle drei waren in der Kunst der Pantomime ausgebildet, wollten und wagten es, Neues auszuprobieren. Das Trio gab sich den Namen Mummenschanz.

Mitgründerin Floriana Frassetto ist immer noch dabei, hat zum 50-jährigen Bestehen ein Programm zusammengestellt und inszeniert, präsentiert so mit den Performern Tess Burla, Christa Barrett, David Labanca und Manuel Schunter die schönsten Mummenschanz-Momente. Eine Art Best-of, keine Minute langweilig, sondern ein Augenschmaus an Masken und Objekten, die sich in Sekundenschnelle umformen, ihren Charakter wechseln, Aha-Erlebnisse und Heiterkeit auslösen. Was für ein Ideenreichtum!

Fantasievolle und skurrile Geschichten werden erzählt

Mummenschanz erzählen kleine, fantasievolle, oft skurrile und hintergründige Geschichten, mal in nur wenigen Sekunden, mal in einigen Minuten. Stets sind diese von großer menschlicher Wärme und werden mit einem Augenzwinkern inszeniert. Häufig geht es um zwischenmenschliche Gefühle, gerne um Zuneigung, Konkurrenz oder Eifersucht. Auch Objekte haben hier eine Seele. Da sind zwei Rohre, die Ball spielen und mit wenigen Bewegungen die ganze menschliche Gefühlsskala von beleidigt bis begeistert durchspielen. Da ist der Stecker und die Steckdose, die zusammenfinden und es ganz schön krachen, vielmehr leuchten lassen. Überdimensionale Plastikhüllen werden auf geheimnisvolle Weise von innen so zusammengeknautscht, dass ein bekümmertes Gesicht entsteht. Riesige Hände treten miteinander, aber auch mit dem Publikum in Kontakt. Letzteres wird immer mal wieder unaufdringlich eingebunden, darf einen Ballon auf die Bühne stupsen oder einem gesichtslosen Kästchen mittels aufgeklebter Augen, Nase und Haaren Leben einhauchen. Wunderbar die schillernde Unterwasserwelt mit ihren schwebenden Bewohnern, mit der uralten Geschichte vom Fressen und Gefressenwerden. Oder die überraschend turbulente HipHop-Nummer, die die Handy-Hörigkeit aufs Korn nimmt.

Grenzenlose Fantasie

Für diese Kunst der grenzenlosen Fantasie, in der sich simple Holzlatten zu Strichmännchen, Schlangen und Herzen formen oder Knetmasse durch geschwinde Umformung menschliche Fehlbarkeit zeigt – dafür wurde Mummenschanz nicht nur in ganz Europa sowie am Broadway gefeiert. Auch nach 50 Jahren mit inzwischen personeller Erneuerung ist die Truppe ein Unikat. Stille Magie, bei der der Zuschauer so gebannt ist, dass er glatt die Frage vergisst: Wie machen die das bloß?

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