Lörrach „Persönlich verunglimpft“: Vogelbach-Eigentümer ist schockiert

Marco Fraune

Eigentlich herrschte nach außen hin zwischen der Stadtverwaltung und dem Eigentümer des Vogelbachareals wieder eine bessere Stimmung. Damit scheint es erst einmal vorbei zu sein. Anlass ist die beantragte Ansiedlung eines Biomarkts.

Von Marco Fraune

Lörrach. Eigentümer Christian Zschocke zeigt sich in Frankfurt am Main am Schreibtisch sitzend im Telefongespräch mit unserer Zeitung extrem negativ überrascht über das, was im Lörracher Rathaus aktuell vor sich geht. Seine Bewertungen von Gesprächen mit Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic fallen anders aus als das, was am Donnerstagabend im Ausschuss für Umwelt und Technik öffentlich gemacht wurde.

"Schockiert": Die erste Reaktion

Frage: Der Politik ist im Ausschuss die Hutschnur geplatzt, als sie von der Stadtverwaltung erfahren hat, Sie wollen zusätzlich zum Rewe-Markt nun noch einen Biomarkt realisieren. Wie ist es Ihnen bei der Lektüre unseres Berichts über die Sitzung am Samstag ergangen?

Zschocke: Wir waren schockiert. Ich fühlte mich persönlich verunglimpft. Die Stadtverwaltung hat offenbar ihre Information unzutreffend mit dem Gemeinderat geteilt. Dieser würde bei vollständiger Kenntnis der Sachlage unseren Vorhaben positiv gegenüber stehen

.

Frage: Eine unendliche Geschichte findet irgendwie eine Fortsetzung: Sie wollten schon verschiedene Projekte wie Neubauten umsetzen und sind bislang immer gescheitert. Warum?

Zschocke: Das verstehen wir auch nicht. Das Vogelbach-Areal ist ein seit bald 200 Jahren gewerblich geprägtes Areal. Wir wollen diesen historischen städtebaulichen Charakter als Mischnutzung zusammen mit Wohnungen bewahren. Hierzu gehören auch Freizeitbetätigungen wie eine Eventhalle mit einer Größe, die mit der Stadt vereinbart werden kann und somit verträglich für das Quartier ist.

Frage: Die Stadt ist Ihnen aber bei der Sanierung des Rewe-Markts mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche entgegengekommen. Der gute Wille ist also da, oder?

Zschocke: Die Stadt hat die Sanierung des Rewe-Markts nur im Bestand genehmigt. Sie hat alle Erweiterungswünsche der Rewe abgelehnt. Ursprünglich sollten 2000 Quadratmeter mit einem Vollsortiment realisiert werden.

Alnatura auf 799 Quadratmetern

Frage: Und nun sollte es ein Alnatura auf 799 Quadratmetern werden. Hätten Sie sich nicht denken können, dass das nichts wird, da die Stadt gemeinsam mit Ihnen das Wandelareal als Ganzes in die Zukunft führen will?

Zschocke: Wir hatten aufgrund der Vorgespräche mit Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic mit einer Genehmigung im Rahmen des Planungsrechts gerechnet. Der Alnatura passt perfekt in die geplante städtebauliche Ordnung unter Berücksichtigung des Krankenhausareales und der Bedürfnisse der Bevölkerung. Der Alnatura ist ein kleiner Markt, der der Nahversorgung des umliegenden Wohngebiets dient und mit seinem Bio-Sortiment das Angebot des Rewe ergänzt.

Frage: Ganz konkret: Was hat Ihnen die Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic zugesichert?

Zschocke: Wir haben den Bauantrag für den Alnatura erst nach Erhalt eines klaren Signals der Zustimmung und Unterstützung durch die Bürgermeisterin eingereicht.

Frage: Klar ist aber auch, dass das Märkte- und Zentrenkonzept gegen eine Ansiedlung eines solch großen Einzelhandelsstandorts spricht. Daran führt doch kein Weg vorbei, oder sehen Sie das anders?

Zschocke: Sie beziehen sich auf ein Jahrzehnte-altes Dokument, dessen Festlegungen für das Vogelbach-Areal bereits damals nicht nachzuvollziehen waren, und jedenfalls aufgrund des seitdem eingetretenen urbanen Wandels des Nachfrageverhaltens – zum Beispiel home office – überholt sind. Wie gesagt, es geht vorliegend um einen Nahversorger mit Bio-Produkten, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden kann. Ein solches Angebot reflektiert das heutige Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger der umgebenden Wohnviertel. Wir haben einhelligen Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten.

Discounter statt Biomarkt?

Frage: Im Ausschuss wurde von Seiten der Stadtplanung klar gesagt: Über den Bebauungsplan kann nur das Sortiment festgelegt werden, nicht aber ob es von einem Discounter oder einem Biomarkt stammt. Wie wollen Sie diese Sorge zerstreuen?

Zschocke: Die Stadtverwaltung hat dies mit uns nicht besprochen. Man fragt sich, wieso eigentlich nicht. Es gibt klare rechtliche Möglichkeiten, entsprechende Festlegungen zu vereinbaren, wozu wir bereit sind. Konkret in Form eines schriftlichen Vertrages mit der Stadt.

Frage: Die Stadt und Sie als Eigentümer sind durchaus aufeinander angewiesen: Sie haben zwar das Grundstück, doch im Rathaus herrscht die Planungshoheit. Finden Sie noch zueinander?

Zschocke: Das bleibt zu hoffen. Wir sehen solche Themen langfristig. Unser Familienunternehmen ist seit dem Jahr 1848 in Lörrach ansässig. Eine Einigung setzt aber voraus, dass die Stadtverwaltung die Interessen beider Seiten angemessen berücksichtigt und respektiert.

Frage: Was passiert, wenn Sie sich nicht einigen?

Zschocke: Die Stadt ist an Recht und Gesetz gebunden; die Unternehmen haben einen Anspruch auf Einhaltung dieser Vorschriften. Dies lässt sich gegebenenfalls im Rechtswege feststellen.

Zum neuen Rewe-Markt

Frage: Im Ausschuss wurde übrigens noch infrage gestellt, ob der Rewe-Markt tatsächlich im Mai/Juni eröffnen wird. Haben sich die Bürger zu früh gefreut?

Zschocke: Die Bürgerinnen und Bürger in Lörrach können sich auf eine Wiedereröffnung des Rewe im Mai/Juni dieses Jahres freuen. Die Bauarbeiten schreiten inzwischen trotz Corona zügig voran. Das Gesamtbudget von Vogelbach und Rewe beträgt über fünf Millionen Euro.

Frage: Und was wird den neuen Rewe-Markt auszeichnen?

Zschocke: Der neue Rewe-Markt wird ein ökologisches Highlight: Er wird mit Hilfe der energetisch sanierten Shed-Dächer über Tageslicht verfügen und mit dem Strom aus unserer Wasserkraft und Photovoltaik betrieben. Er verspricht ein neues, einzigartiges Einkaufserlebnis für Lörrach. Der geplante Alnatura Bio-Supermarkt stellt dazu eine perfekte Ergänzung dar.

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