Lörrach Pionier der klassischen Moderne

Von Gabriele Hauger

Lörrach. Markgräflerinnen in Tracht, Kartoffelleserinnen, Landarbeiter – viele Menschen verbinden das künstlerische Schaffen des Malers Adolf Riedlin ausschließlich mit diesen Motiven. Wie bemerkenswert vielschichtig in Stil, Konzeption und Thematik das Werk dieses als Winzersohn in Laufen bei Müllheim geborenen Malers war, zeigt ab 14. Dezember eine umfangreiche Retrospektive zu dessen 125. Geburtstag im Dreiländermuseum.

  Es ist die erste große Riedlin-Schau im Museum seit 25 Jahren. Und Kuratorin Dina Schneberger ist es gelungen, den Facettenreichtum Riedlins teils chronologisch, teils thematisch gegliedert zu würdigen.

Auf 400 Quadratmetern werden rund 120 Werke aus allen Schaffensperioden gezeigt, die alle aus der Sammlung des Museums stammen. Letzteres hat in seinem Fundus satte 4000 Arbeiten Riedlins, aus denen Schneberger eine sorgfältige Auswahl getroffen hat.

Museumsleiter Markus Moehring zeigte sich bei der Pressevorbesichtigung erfreut darüber, dass sich das Haus mit dieser Ausstellung wieder einmal auch als Kunstmuseum präsentieren kann. Schließlich besitzt die Einrichtung über 10 000 Werke badischer Kunst – darunter bedeutende Exponate von Laeuger oder Babberger. Er ist zudem überzeugt, dass Adolf Riedlin einen höheren Bekanntheitsgrad verdient. Darum auch der durchaus anspruchsvolle Untertitel der Ausstellung „Pionier der klassischen Moderne in Baden“.

Der Fokus der Ausstellung liegt auf dem avantgardistischen Kunstschaffen Riedlins zwischen 1919 und 1933. Riedlin war einer der ersten badischen Künstler, die sich in dieser Zeit der abstrakten Malerei öffneten. Riedlin, der 1969 in Freiburg starb, pendelte Zeit seines Lebens stilistisch zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, was sich beim Besuch der Ausstellung deutlich nachvollziehen lässt. Bis auf sein Spätwerk, ist Riedlins Abstraktions-Verständnis jedoch so ausgelegt, dass es eher die Reduzierung der Darstellung auf das Wesentliche bedeutet, als die völlige Negierung eines Gegenstandbezugs. Erst gegen Ende seines Schaffens werden seine Bilder stark kompositorisch, wird die Farbe frei verteilt, spielt die Farbsymbolik eine Rolle.

Zwei Selbstporträts Riedlins, die ihn im Alter von 36 beziehungsweise 47 Jahren zeigen, mögen als guter Einstieg in die Werkschau dienen. Schräg gegenüber ein erstes Frühwerk, ein Stillleben, das Riedlin noch als stark gegenständlich malenden Künstler ausweist. Kontrastierend dazu Bilder und Grafiken aus den 20er Jahren mit zunehmend abstrakten Elementen. Prägend für Riedlin war hier sein Studium an der Stuttgarter Kunstakademie als Schüler Adolf Hölzels.

Zentral positioniert ist eines der berühmtesten Riedlin-Bilder mit den fünf Markgräflerinnen in Tracht, das bei seiner Präsentation 1925 auf große Ablehnung stieß. So expressiv dynamisch dargestellt hatte man heimatverbundene Tracht noch nie gesehen!

Riedlin war stark geprägt durch die Erfahrungen als Soldat in beiden Weltkriegen. 1914 wurde er verwundet, war aber bis 1918 als Soldat im Einsatz. Eine Auswahl düsterer, teils großformatiger Bilder greift diese, ihn offensichtlich traumatisierende Erfahrungen auf, zu sehen in Werken aus den 20er Jahren mit futuristisch, kubistischen Elementen.

Ein Aufenthalt in Paris in den 30er Jahren beeinflusste und inspirierte Riedlin stark. Danach entstanden einige der ebenfalls ausgestellten eindrucksvollen Porträts.

Riedlins Stand als Künstler während des Nationalsozialismus ist ein weiteres spannendes Kapitel der Werkschau: So galten Bilder von ihm als entartet, andererseits erhielt er parallel Auftragsarbeiten zu Wandmalereien.

Die Ausstellung wird vielen Besuchern Riedlins Werk in neuem Licht erscheinen lassen. Beitragen werden dazu besondere Führungen und Veranstaltungen sowie ein inklusiver Ausstellungsführer, der leicht lesbare Saaltexte mit Bebilderung enthält. n  Vernissage: Mittwoch, 14. Dezember, 18 Uhr, anschließend Möglichkeit zum Besuch der Riedlin/Ibenthaler-Ausstellung im Ibenthallerhaus.

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