Lörrach Plädoyer fürs Nichtstun

Das Glück neu entdecken: Der Basler Autor Dan Shambicco (rechts) stellte im Dreiländermuseum im Gespräch mit Roger Thiriet sein Buch „Draußen spielt ein Leben“ vor. Foto: Jürgen Scharf Foto: Jürgen Scharf

Lörrach - Der Buchtitel ist eigentlich ein Rausschmeißer für eine solche Lesung: „Draußen spielt ein Leben“. Vielleicht waren deshalb am Dienstag bei schönstem Sonnenschein die Vorhänge im Hebelsaal des Dreiländermuseums zugezogen. Mutmaßte jedenfalls Roger Thiriet, Basler Medienschaffender und Fernsehmoderator.

Thiriet ist auf dem Podium für Johannes Czwalina eingesprungen, den Co-Autor des jungen, in Riehen lebenden schweizerisch-jüdischen Autors Dan Shambicco, der sein gerade erschienenes Buch in Lörrach vorstellte. Auf dem Cover blickt einen ein kleines Mädchen in einem rosa Kleidchen beim Seifenblasen an. Das trifft schon mal die Kernaussage des Buches im Innersten, das Glück durch Kinderaugen wieder zu entdecken.

„Wie Kinder muss man sehen“

„Wie Kinder muss man sehen“, ist die Schlussfolgerung dieses Buches für Menschen, die noch nicht entschleunigt leben, aber doch einen Gang herunterschalten sollten. Es ist die Antwort auf den Irrsinn der gegenwärtigen Zeit, das Hektische, Schnelllebige, den Konsum, das Zeit-ist-Geld-Denken, die ständige Erreichbarkeit rund um die Uhr, die Ablenkung und Überreizung durch Elektronik und Social Media.

„Wer gönnt sich heute noch ein Nickerchen auf einer Wiese, lässt die Zeit still stehen?“, fragt Shambicco in seinem leisen Appell an das Nichtstun. Wo muss man also dieses kleine, 112 Seiten schmale Büchlein einordnen? Das war eine der Fragen, der Thiriet im Gespräch mit Shambicco nachging.

Poesieband? Lyrik? Philosophie? Ratgeber? Wohl von allem etwas. Im Grunde eine Art von Lebensberatung mit einer deutlichen „Message“. Zwar nicht angelegt als klassischer Glücksratgeber, vermittelt das Buch doch ein Lebensgefühl, ist durchaus spirituell angehaucht, und liest sich in einer schönen Mischung aus Prosa und Poesie.

Von Liebe, der Sehnsucht nach Sinn, vom einfachen Glück

Von Shambicco stammen die Gedichte, die mit einer gewissen Leichtigkeit verfasst sind und den Moment, die Wahrnehmung mit einfachen Worten ausdrücken. Sie handeln von Liebe, der Sehnsucht nach Sinn, vom einfachen Glück. Auch in den Prosa-Beiträgen geht es um Sinnerfahrung und Lebensauffassung.

Man kann die Texte aber auch vor einem persönlichen Schicksal als Sinnfrage deuten. Zwei Jahre war der knapp 30-jährige Shambicco durch Krankheit ans Bett gefesselt, in dieser „Auszeit“ entwickelt er seine Gedanken über das Leben, die Zeit, den Glauben und das „neue Leben“, das er als ein Geschenk erfahren hat. Eine Leidensgeschichte wollte er nicht schreiben.

Man kann die einzelnen Kapitel, von denen eines „Poesie des Herzens“ überschrieben ist, auch ohne diesen persönlichen Hintergrund lesen. Denn die beiden Autoren, die in der Gedenkstätte Riehen aktiv sind und im vergangenen Jahr durch ihre gemeinsam herausgegebene Publikation über Vergangenheit und Flucht im Grenzgebiet des Dreiländerecks viel Beachtung gefunden haben, geben für jede Situation im Leben einen Text zur Hand.   „Draußen spielt ein Leben“ von Dan Shambicco und Johannes Czwalina, erschienen im Basler Riverfield-Verlag

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