Lörrach Premiere mit Nachhall

Die Oberbadische
.Foto: Beatrice Ehrlich Foto: Die Oberbadische

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Vom ersten Augenblick an spannend ist das neue Programm des Jazzchors Freiburg, das am Samstag im Burghof zum ersten Mal vor großem Publikum präsentiert wurde. Der Name „Infusion“ stellt Bezüge her zum gleichnamigen Jazz-Stil aus den 70ern, in denen einige der neu arrangierten Standards ihre Wurzeln haben. Er kann aber auch im Sinne einer überaus inspirierten Schaffensperiode des Chors verstanden werden.

Dadurch, dass immer wieder Sänger kommen und gehen, wandelt der Chor sein Gesicht. Seinen höchst eigenen Stil, geprägt vor allem durch die Figur des Chorleiters Bertrand Gröger, entwickelt er stetig weiter. Ihren spezifischen Charakter gewinnen die neuen Songs durch ausgeklügelte Arrangements Grögers und anderer Chormitglieder. Vielfach mussten die rein instrumentalen Stücke auch noch kreativ mit einem Text versehen werden.

Bekannte Klassiker völlig neu und mitreißend interpretiert

Bekannte Klassiker wie der vierte Satz aus Keith Jarrets legendärer Aufnahme „The Koeln Concert“, Björks „Emotional Landscape“ oder „Cantaloop Island“ von Herbie Hancock werden vom Chor auf völlig neue, mitreißende Weise interpretiert.

Frucht einer anregenden Begegnung Grögers mit dem kolumbianischen Jazz-Pianisten Hector Martignon ist der großartige spanisch-englische Latin-Titel „Con Ojos de Niño“, in dem der Chor und das herausragende Solisten-Duett momentweise gegeneinander anzusingen scheinen. Die aufwallenden Emotionen zweier Verliebter perfekt in Musik umgesetzt. Wiederrum völlig andere Farben und Facetten bringen Eigenkompositionen ins Spiel, allen voran der fabelhafte Song „Like Sand in my Hands“ von Neele Pfleiderer.

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, gewissermaßen das Herz dieses außergewöhnlichen Klangkörpers, ist der Chorleiter, der stets mit vollem Körpereinsatz im Konzert förmlich eins zu werden scheint mit seinem Chor. Mit höchster Konzentration, flexibel und in jeder Hinsicht verlässlich zugleich, reagieren Sänger und Sängerinnen auf jeden seiner Impulse.

Lockerheit und Spaß am Singen

Die präzisen Einsätze, das sichere Halten „schräger“ Akkorde und das fast spielerische Aufgreifen selbst ungewöhnlicher Rhythmen, Lockerheit und Spaß am Singen zugleich, machen die Qualität dieses Chors, der sich aus ambitionierten Laien mit viel Chorerfahrung und einigen Berufsmusikern zusammensetzt, aus. Hinzu kommt das typische, in Wellen gesteigerte dynamische Auf und Ab, das oft in einem vielstimmig brausenden Finale endet.

Bis auf die wenigen A-Capella-Stücke, etwa der versiert mit Beatbox versehene fröhliche (afrikanische) Rundgesang in der Zugabe, ist der Chor auf ein instrumentales Gegenüber angewiesen. Für die Herbsttour, die den Chor unter anderem nach Hannover, Bremen und Frankfurt führt, hat Gröger dafür eine hervorragende Band mit den Basler Musikern Simone Bollini (Piano), Roberto Koch (Bass) und Michael Heidepriem (Schlagzeug) gewinnen können, die mit ausgesprochener Feinfühligkeit den Chor ins richtige Licht rückt und ganz wenige, aber wirkungsvolle eigene Akzente setzt.

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