Lörrach - Welche Fähigkeiten brauche ich für den Beruf? Was kann ich verdienen? Wie sind die Arbeitszeiten im Unternehmen und wie werde ich dort gefördert? Mit diesen Fragen haben die Neumattschüler der achten bis zehnten Klasse am Azubibotschaftertag die Auszubildenden lokaler Unternehmen gelöchert.

Wichtiger Baustein im Berufsbegleitungsprozess

„Unser Azubibotschaftertag ist ein wichtiger Baustein in unserem Berufsbegleitungsprozess“, betont Karin Henninger, Leiterin der Neumattschule, im Gespräch mit unserer Zeitung. An diesem Tag sprechen die Schüler direkt mit den Auszubildenden von lokalen Firmen und Einrichtungen. Vertreter von Berufen aus dem Einzelhandel, dem kaufmännischen, dem handwerklichen sowie dem sozial-pädagogischen Bereich repräsentieren die gesamte Breite an regionalen Branchen. Anhand eines Fragenkatalogs können sich die zukünftigen Berufseinsteiger ein Bild vom Arbeitsalltag, dem Gehalt und den beruflichen Anforderungen in den Unternehmen machen. „Die Schüler sollen in der achten und neunten Jahrgangsstufe zwei berufsorientierende Praktika absolvieren, bevor sie nach der zehnten in ein Ausbildungsverhältnis treten“, erläutert Henninger die Bedeutung des heutigen Tages.

„Ich würde gerne Techniker bei Milka werden, weil es mir Spaß macht, Dinge zu reparieren und anderen zu helfen“, nennt Luca Nawrath, Schüler der achten Klasse, seinen Berufswunsch und läuft im Obergeschoss der Mensa von Zimmer zu Zimmer, um sich mit den Azubis über ein mögliches Praktikum zu unterhalten.

Erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln

Während der Praktika können die Neumattschüler erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln und ihre praktischen Fähigkeiten anwenden, meint Henninger. Dabei werden sie von ihren Klassenlehrern betreut und auch am Arbeitsplatz besucht. Unterstützung erhalten die Schüler zudem von Beratern der Arbeitsagentur und von der gemeinnützigen Einrichtung HBL (Hilfe für Beruf und Leben). Die HBL hilft benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, ihre Schwierigkeiten während eines Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses zu bewältigen, ansprechende Bewerbungen zu schreiben und eine realistische Vorstellung vom eigenen Karriereweg zu bekommen. Christiane Wagener von der HBL Lörrach erklärt: „Viele Schüler leben noch in einem Wolkenkuckucksheim. Sie träumen von einem geradlinigen Weg zum Erfolg und gutem Gehalt. Oftmals decken sich die Vorstellungen nicht mit der Realität, und wir bemühen uns dann, ihnen das ganze Spektrum an Möglichkeiten, beruflich erfolgreich zu sein, aufzuzeigen.“

Marco Jäckermann, Auszubildender im ersten Jahr bei Mondelez, teilt gerne seine positiven Erfahrungen mit den Schülern: „Man merkt, wie motiviert und interessiert sie sind. Neben den üblichen Fragen nach Gehalt und Arbeitszeit wollen sie vor allem Informationen über die Aufstiegsmöglichkeiten im Betrieb. Viele haben schon eine recht gute Vorstellung von dem Aufgabenbereich eines Süßwarentechnologen.“

Ein gutes Vorwissen über ihre Tätigkeit kann Sabrina Kreider von der AOK nicht feststellen: „Ich bin im dritten Ausbildungsjahr zur Sozialversicherungsfachangestellten. Mir ist es wichtig, Schüler für einen weniger „sexy“ erscheinenden Ausbildungsberuf zu begeistern. Viele meinen, ich sitze den ganzen Tag vor dem PC und beschäftige mich nur mit Paragraphen aus dem Gesetzeskatalog. Ich erkläre dann, dass ich vor allem Kunden in schwierigen Lebenslagen berate. Am Ende eines Gespräches verstehen sie dann, dass man nicht nur als Arzt Menschen helfen kann.“