Lörrach Reise  in  den  Sprachen-Kosmos

Die Oberbadische, 17.05.2018 21:41 Uhr

In der Trinationalen Schreibwerkstatt des Theaters Tempus fugit und der Stadtbibliothek Lörrach beschäftigten sich Jugendliche aus Saint Louis, Basel, Weil am Rhein und Lörrach mit dem Thema „Das Andere“. Gestern präsentierten sie ihre Geschichten in vielseitigen Szenen von der ruhigen Lesung bis hin zum provozierenden Rap.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. Die Teenager entführten auf fremde Planeten, zu den Cyborgs und in andere Welten, aber auch mitten hinein in den Alltag, zu dem auch Menschen verschiedener Sprachen und Temperamente gehören.

Drei Tage lang feilten die Acht- und Neuntklässler aus dem Collège René Schickele/Saint Louis, der Sekundarschule De Wette/Basel, dem Oberrheingymnasium/Weil und der FES Lörrach in gemischten Gruppen an ihren Geschichten. Vier erfahrene Autoren gaben ihnen Anregungen: die Lörracher Hörspielautorin Claudia Gabler, der Lyriker Tim Holland, außerdem Stefan Mesch, der vor allem Prosa schreibt, und Magdalena Schrefel, Autorin szenischer Texte. Angehende Schauspieler aus der „Multiplikatorenausbildung“ von Tempus fugit halfen ihnen, die Texte in Szene zu setzen.

Mit viel Kreativität setzen sie das Thema „Das Andere“ – übrigens das Motto der aktuellen Spielsaison von Tempus fugit“ – um. Da verlas ein Junge in der Rolle eines Weltraumforschers und mit monotoner Stimme, was er auf einem anderen Planeten entdeckt hatte: Gesteine, Atmosphäre, kein Leben. Sein Kollege warf begeistert die Arme in die Luft – schwärmte von der Schönheit des Planeten, floh dann aber entsetzt vor ungenießbaren Substanzen und Lebewesen, die er nicht verstand.

Drei Jugendliche priesen wie Marktschreier – so schien es – Lola, die Maschinenfrau mit ihren acht Armen. Im Stakkato aus Französisch, Baseldytsch und Hochdeutsch verdeutlichten sie das Tempo, in dem diese Cyborg-Frau alles tut, und fragten, wie weit heute eigentlich schon Mensch und Maschine verschmolzen sind. In weiteren Szenen prallten gegensätzliche Gefühle und Menschen aufeinander, Aliens blickten auf die Erde.

Es gab wütende Plädoyers gegen die Benachteiligung von Frauen und gegen Rassismus, aber auch Szenen über die Vielfalt der Menschen, die einfach Spaß machten. Sicher ein Dutzend Jugendlicher strömte plötzlich auf die Bühne und begann zu reden – auf Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch und in anderen Sprachen. Doch dann bekannte die Hälfte von ihnen, dass sie alle Nutella mögen. Sie spielten unbekümmert mit Worten und auch das rhythmische Trommeln eines Jungen auf seinem Körper klang wie der Rhythmus einer fremden Sprache.