Lörrach Reisen mit dem Auto „huckepack“

Das BTE-Team um Matthias Wolf, Melanie Hill (Produktmanagement und Vermarktung), Knut Sonnenschein (Projektleitung und Produktmanagement), Tobias Schiedermeier und Eduard Wesner (Standortleitung Hamburg) (v. l.) freut sich auf „viele Jahre Autoreisezug“. Foto: Silvia Waßmer Foto: Die Oberbadische

„Wir haben es geschafft“, freut sich Matthias Wolf, kaufmännischer Geschäftsführer des Nürnberger Eisenbahnverkehrsunternehmens BahnTouristikExpress (BTE), über den gelungenen und termingerechten Start des ersten BTE-Autoreisezuges von Hamburg nach Lörrach. Dieser hatte die Lerchenstadt pünktlich am frühen Samstagmorgen erreicht und fuhr am Abend zurück Richtung Norden.

Lörrach. Bereits zuvor erhielten Interessierte die Möglichkeit, sich am Nachmittag den Premierenzug auf dem Areal des Lörracher Güterbahnhofs genauer anzuschauen. Dafür standen alle fünf Liegewagen sowie Schlaf- und Speisewagen zur Besichtigung offen.

„Wir haben schon immer gesagt, der Autoreisezug wäre was für uns“, erklärte Wolf im Rahmen eines Pressegesprächs. Allerdings seien auch sie von der Entscheidung der Deutschen Bahn (DB), die Autoreisezüge bereits Ende Oktober diesen Jahres einzustellen, überrascht worden. Deshalb blieben für die Vorbereitung nur wenige Monate. „Das war für uns eine Herkulesaufgabe“, erzählt der Geschäftsführer. Sei es doch etwas anderes, Autos als Gepäck mitzunehmen. So musste das Unternehmen entsprechende Wagen kaufen, die Zahl der Mitarbeiter erhöhen, Prozesse anpassen, ein Buchungssystem entwickeln und ein Call-Center aufbauen. „All das haben wir angenommen und geschafft“, freut sich Wolf. Er sieht die BTE nicht als Wettbewerber zur DB, sondern möchte Projekte bedienen, die diese aufgibt. Zum Autoreisezug erklärte er: „Wir haben es durchgerechnet und gesehen, wir können hier schwarze Zahlen schreiben.“ Habe das Angebot doch viele Fans. Und bereits heute gebe es – wie Geschäftsführer Tobias Schiedermeier erläuterte – für das kommende Jahr schon über 1500 Vorbuchungen, obwohl die Online-Buchung noch nicht offen sei. In spätestens vier Wochen soll diese aber freigeschaltet werden, so dass dann auch Reisende ohne PKW im Autoreisezug mitfahren können.

Insgesamt möchte das Unternehmen die Reisenden dabei aber nicht nur von A nach B bewegen, sondern diese auch emotional ansprechen und ihnen ein Reiseerlebnis und Erholung bieten. Bewusst enthalte deshalb jeder Zug einen Speisewagen und ein Bordbistro. Außerdem sei die Fahrzeit um zwei Stunden verlängert worden, damit Reisende ihre Fahrt schon am frühen Abend und nicht erst in den Nachtstunden beginnen können.

Mit dem ersten BTE- Autoreisezug starteten am Samstag rund 100 Reisende mit 35 PKWs in Richtung Hamburg. Viele von ihnen sind froh, dass es wieder eine Autoreisezugverbindung von Süden nach Norden gibt. „Ich hasse es, Auto zu fahren. Das ist vergeudete Zeit“, sagte etwa Joe Dierid, der mit seiner Familie regelmäßig alle zwei Monate mit dem Autoreisezug von Genf nach Hamburg fährt. Und Elisabeth Streich – sie war mit ihrer Tochter und ihren Enkeln auf dem Weg nach Schweden – erklärte: „Wir sind glücklich, dass der Autoreisezug wieder fährt.“ Sei er doch eine wunderbare Einrichtung und viel bequemer als eine lange Autofahrt.

Über das neue Angebot der BTE freut sich auch der Fahrgastverband Pro Schiene Dreiland um seinen Vorsitzenden Karl Argast. Hatten sich die Mitglieder doch seit gut zwei Jahren für den Erhalt der Autoreisezugverbindungen eingesetzt. „Wir freuen uns, dass nach dem Ende der DB-Autozüge nun ein privater Anbieter die Strecke Lörrach – Hamburg weiter fährt“, hob der zweite Vorsitzende Jost Noller hervor. Zur Begrüßung des ersten BTE-Autozuges hatte der Fahrgastverband für die Reisenden eine kleine Überraschung vorbereitet und verteilte Gratis-Glühwein.

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