Lörrach Reiss-Mühle stellt Produktion ein

Lörrach-Brombach - Die Reiss-Mühle in Brombach wird im April ihre Mehl-Produktion einstellen. In einer Medienmitteilung wurde am Donnerstagnachmittag öffentlich, dass Lörrachs ältester Produktionsbetrieb nach 237-jähriger Müller-Tradition seine Vermahlung stilllegt.

„Schweren Herzens müssen wir die planvolle Stilllegung der Mühle im Brombacher Ortskern bekannt geben. Emotional fällt uns dies sehr schwer – wirtschaftlich betrachtet ist es leider unabwendbar“, so Jürgen Reiss.

Die Ursachen

Nach einer umfassenden Analyse seien Pächter – eine große deutsche Mühlengruppe – und Verpächter zum Ergebnis gekommen, dass der Standort Lörrach keine ausreichenden Zukunftsperspektiven mehr für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb biete und somit die baldige Stilllegung angesichts in Kürze notwendig werdender Investitionen in Millionenhöhe unvermeidlich sei.

Zum einen sei die Lage mitten im Ort – mit bis zu 3000 LKW-Bewegungen pro Jahr – abseits der klassischen Weizenanbaugebiete von Nachteil. Und das verstärkte Wegfallen der Handwerks-Bäckereien, verbunden mit einer immer stärkeren Konzentration auf wenige Großabnehmer berge für eine Mühle dieser Größenklasse „ein nicht mehr hinnehmbares unternehmerisches Risiko“.

Innerhalb der Müllerei-Branche habe sich ein rasanter Strukturwandel vollzogen: „Gab es 1950 noch rund 19 000 Mühlen in Deutschland, so waren es 2017/18 nur noch 196. Die 60 größten Mühlenbetriebe erreichen inzwischen rund 90 Prozent der Vermahlung“, zitiert Reiss Daten des Verbands Deutscher Mühlen.

Die Perspektiven

Die Produktion werde auf Partnerbetriebe aus dem Raum Stuttgart und Karlsruhe verlagert, so dass eine übergangslose Weiterbelieferung der Kundschaft gewährleistet sei.

Die Produkte der Reiss-Mühle seien in erster Linie im Regierungsbezirk Freiburg und im Elsass verkauft worden, sagte Jürgen Reiss gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Für die Zukunft des Betriebsgeländes im Ortskern von Brombach liegen noch keine konkreten Pläne vor. Hierzu möchte die Firma J.F. Reiss – hinter der die Familie Reiss stehe – in Ruhe und in möglichst breitem Konsens ein Konzept für die weiteren Jahre entwickeln, erläuterte Reiss.

Von der Schließung seien 18 Mitarbeiter betroffen. Die Hälfte habe bereits eine berufliche Perspektive, so werden etwa einige innerhalb der Gruppe einen Arbeitsplatz erhalten. Andere wiederum gehen in den Vorruhestand. Für die verbleibende Belegschaft werde an Lösungen gearbeitet.

Die Geschichte des Unternehmens

Wie das Unternehmen auf seiner Homepage informiert, wurde die erstmals 1573 urkundlich erwähnte Mühle zu Brombach 1782 von der Familie Reiss übernommen.

„Durch bewegte Zeiten und über Generationen hinweg gelang es der Reiss-Mühle, sich inzwischen als größte Weichweizen-Mühle im Regierungsbezirk Freiburg zu etablieren“, so der Text. Und weiter: „In der zuletzt 2014 modernisierten Mühle wurden Tag für Tag rund um die Uhr mit Hilfe aufwändiger Technik und modernster Steuerung annähernd 150 Tonnen Weizen zu Qualitäts-Mehlen vermahlen.“

Im April endet nun die Geschichte dieses Traditionshauses in Brombach.

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