Lörrach Rock-Dinos endlich in Lörrach

Adrian Steineck
 Foto: Ben Wolf

Von Adrian Steineck

Lörrach. Vorfreude, Hoffen, Bangen und schlussendlich - im Idealfall - Glück und Erleichterung: Wenn mit Deep Purple eine der langlebigsten Rockbands der Musikgeschichte am Sonntag, 24. Juli, die Bühne des Stimmen-Festivals betritt, gehen damit nicht nur die Marktplatzkonzerte für dieses Jahr zu Ende. Der Auftritt bildet zugleich nach mehr als zweieinhalb Jahren den Schlusspunkt einer emotionalen Achterbahnfahrt für die Anhänger der ruhmreichen Formation.

Emotionale Achterbahnfahrt für die Fans der Band

Vorfreude kam bei Rockmusik-Freunden auf, als im Oktober 2019 das Programm für das Stimmen-Festival 2020 verkündet wurde: Deep Purple würden nach Lörrach kommen. Die im Jahr 1968 gegründete Formation, die der Rockmusik Klassiker wie „Child in Time“, „Highway Star“ und natürlich „Smoke on the Water“ mit seinem markanten Gitarrenriff beschert hat, hatte sich ungewohnt rar gemacht und im Jahr 2019 im österreichischen Klagenfurt den einzigen – und überwältigend guten - Auftritt im deutschsprachigen Raum bestritten. Aber 2020 sollte es wieder auf große Tour gehen, mit Open-Air-Auftritten im Sommer und Hallenkonzerten im Herbst. Was konnte angesichts der bestechenden Form, in der die Band sich live nach wie vor präsentierte, schon schief gehen?

Corona: Konzert war lange ungewiss

Dann kam die Corona-Pandemie und machte alle geplanten Großveranstaltungen von einem Tag auf den anderen obsolet. Festivals wie „Stimmen“ wurden auf 2021 verschoben. Schlagzeuger Ian Paice, einziges verbliebenes Gründungsmitglied von Deep Purple, gab sich im Interview mit dem Rock-Magazin „Eclipsed“ auf die Frage, ob Deep Purple 2020 überhaupt noch einmal live zu erleben sein werden, aber noch optimistisch für die geplanten Hallenkonzerte im Oktober. Es kam anders.

Mit der Verschiebung auf das Jahr 2021 keimte bei vielen Fans die Frage auf, ob sie die Band überhaupt noch einmal sehen würden. Befanden sich Deep Purple nicht ohnehin seit 2018 auf der „The Long Goodbye“ betitelten Abschiedstour, wenngleich die Bandmitglieder in Interviews immer wieder das Wort „long“ betonten?

Drängender wurden die Unkenrufe noch, als die Pandemie nicht abebbte und sich der Turnus des Vorjahres wiederholte: zuerst die Festival-Auftritte, dann die Hallen-Gigs wurden von 2021 auf 2022 verschoben. Ob Deep Purple jemals nach Lörrach kommen würden, schien zunehmend ungewiss. Denn nicht zu vergessen: Die Bandmitglieder bewegen sich alle schon jenseits der 65. Sänger Ian Gillan, der der Band mit einigen Unterbrechungen seit 1969 angehört, Bassist Roger Glover, Schlagzeuger Ian Paice, als einziges Bandmitglied bisher an jedem Album beteiligt, und Keyboarder Don Airey, der seit 2002 den mittlerweile verstorbenen Jon Lord an der Hammond-Orgel ersetzt, haben die 70 bereits überschritten. Der jüngste in der Band, Gitarrist Steve Morse, wird im Juli 68. Ihm gebührt das Verdienst, die Gruppe personell nach dem Ausstieg von Gitarrist Ritchie Blackmore wieder in ruhigere Fahrwasser gelenkt zu haben.

Gitarrist Steve Morse fehlt in Lörrach

Wenn nun am Sonntag tatsächlich Deep Purple auf der Bühne stehen, dann wird ausgerechnet Steve Morse fehlen. Ende März gab der Musiker bekannt, dass er die Band bei den anstehenden Sommer-Konzerten nicht begleiten wird. Er wolle seiner Frau Janine bei ihrem Kampf gegen eine Krebs-Erkrankung beistehen und hoffe, dass er wieder zur Band stoßen könne, sobald es seiner Ehepartnerin besser gehe. Ersetzen wird ihn der nordirische Gitarrist Simon McBride, der zuvor unter anderem mit den Deep-Purple-Mitgliedern Don Airey und Ian Gillan zusammengearbeitet hat. In den einschlägigen Fan-Foren im Internet wird McBride nach seinen ersten Auftritten mit der Band bereits regelrecht gefeiert. Der 43-Jährige versuche nicht, Morse zu ersetzen, sondern bringe seine eigene Note in die Band ein.

Die Band hat gleich zwei neue Alben im Gepäck

Was also erwartet die Besucher des längst ausverkauften Deep-Purple-Konzerts in Lörrach? Die Band hat gleich zwei neue Alben im Gepäck. Neben dem 2020 veröffentlichten Werk „Whoosh!“, dessen Erscheinen ursprünglich von der jetzt anstehenden Tour flankiert werden sollte, haben Deep Purple die Lockdown-Zeit genutzt, um räumlich getrennt voneinander das aus Coverversionen unter anderem von Ray Charles und Cream bestehende Album „Turning to Crime“ aufzunehmen. Beide Alben werden sich wohl in der Setlist wiederfinden, die ansonsten aus Klassikern wie „Highway Star“, „Lazy“ oder „Perfect Strangers“ besteht. Dass Ian Gillan die Hymne „Child in Time“, die ein Stimmregister von drei Oktaven umfasst, live seit Jahren nicht mehr singen kann und will, dürfte keine Überraschung mehr sein. Ob Gastmusiker auf die Bühne kommen – wie etwa 2019 in Klagenfurt die österreichische Geigerin Lidia Baich – bleibt abzuwarten. Ob Ian Gillan den Krieg Russlands gegen die Ukraine erwähnt (die stets unpolitisch auftretende Band erntete jüngst mit einer Stellungnahme zu dem Konflikt viel Beifall), wird man sehen. Eines aber steht fest: Am Ende werden die Rock-Dinosaurier von Deep Purple frenetischen Beifall ernten für ihren energiegeladenen Auftritt – und manch ein Fan wird glücklich und erleichtert darüber sein, dass die Band mit zwei Jahren Verzögerung doch noch das Stimmen-Festival gerockt hat.

 Deep Purple spielen am Sonntag, 24. Juli, ab 20 Uhr auf dem Marktplatz in Lörrach. Als Vorband tritt der Singer-Songwriter Andrea Bignasca auf. Das Konzert ist ausverkauft.

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