„Henri Rowienski verlässt KBC Fashion auf eigenen Wunsch. Er hat seinen Geschäftsführervertrag mit Imprima gekündigt“: Dies teilte der KBC-Betriebsratsvorsitzende  Wolfgang Fuhl am Dienstag mit. Die Belegschaft wurde am Nachmittag in einer außerordentlichen  Betriebsversammlung informiert.

Von Bernhard Konrad

Lörrach. „Schockiert“ habe der Betriebsausschuss des KBC-Betriebsrats am Freitag in Verhandlungen über einen Interessenausgleich mit Vertretern der neuen KBC-Eigentümerin „Imprima“ die Nachricht zur Kenntnis genommen. Imprima suche nach eigenen Angaben schon einen Nachfolger, so Fuhl.

Ein Teil der Mitarbeiter habe sich gestern über die Neuigkeit ebenfalls schockiert gezeigt, etliche seien aber auch wütend über Rowienskis Abgang gewesen, sagte Fuhl. Der Geschäftsführer habe auf Oktober 2019 gekündigt, so Fuhl im Gespräch mit unserer Zeitung. Rowienski habe die Kündigung mit dem Umstand begründet, dass die Produktion als Kernelement der KBC von Lörrach nach Italien verlagert werde. Am Standort verbleiben lediglich ein Rest des Inkjet-Drucks für die Musterung sowie die Sparten „Segeltuch“, „Warenkontrolle“, „Kreation“ und „Verkauf“.

Lörracher Belegschaft wird von 380 auf 120 abgebaut
 
Wie berichtet, soll die KBC-Belegschaft noch in diesem Jahr von 380 auf 120 Mitarbeiter abgebaut werden. Mitte April sagte der Lörracher IG Metall-Geschäftsführer Thomas Bittner, dass unter anderem die Rotation nach Norditalien in den Raum Como verlegt werden soll.

Eine Investorengruppe hatte zwischenzeitlich Interesse an der Übernahme des Stoffdruckunternehmens signalisiert. Offenbar sollte nach deren Willen der Betrieb in Lörrach mit 200 Mitarbeitern weiterführt werden, sagte Fuhl Anfang Mai auf Anfrage unserer Zeitung.

Dieses Angebot war auch an den KBC-Betriebsrat gegangen. Nun bestätigte Fuhl, dass Imprima dieses Angebot abgelehnt habe. Die KBC-Eigentümerin benötige offenbar das Produktionsvolumen des Lörracher Traditionsunternehmens am Standort in Italien. Die preislichen Vorstellungen der Investoren und Imprima klafften zudem so weit auseinander, dass Fuhl eher nicht von einem weiteren Angebot ausgeht.

Mietvertrag der KBC läuft im Oktober 2019 aus

Verunsicherung ergebe sich derzeit auch durch den Umstand, dass der Mietvertrag der KBC im Oktober 2019 auslaufe. Bislang sei noch kein neuer Vertrag unterschrieben. Gleichwohl gehe er davon aus, dass es Imprima mit dem Verbleib der 120 Arbeitsplätze in Lörrach ernst meine, sagte Fuhl.

In seinem Schreiben skizziert Fuhl den Werdegang Rowienskis bei der KBC: „Er übernahm 2001, in einer Phase großer Instabilität mit permanenten Wechseln in der Geschäftsführung das immer noch schwankende Schiff der KBC. Unter seiner Leitung wurde KBC wieder zu einem ’Global Player’ in der Textildruckindustrie.

Mit der Einführung der digitalen Drucktechnologie Inkjet und der personellen Verstärkung mit internationalen Kreationsmitarbeitern, führte in der Modewelt an KBC kein Weg vorbei. Die Wirtschaftskrise 2008/2009 hinterließ nur wenig Spuren.

Henri Rowienski verstand es wie kein Zweiter produktionstechnische Herausforderungen und kaufmännische Anforderungen symbiotisch zum Erfolg zu führen, für soziale Belange hatte er immer ein offenes Ohr. Mit Henri Rowienski verlässt ein Anker der Stabilität die KBC Fashion. Fast die Hälfte der Belegschaft wurde nach seinem Kommen eingestellt.“

Der Betriebsrat der KBC Fashion gebe seiner Hoffnung Ausdruck, dass „Imprima“ als Nachfolger nur eine Person auswählt, deren Vita ein entsprechendes Know-How in kaufmännischen, produktionstechnischen und sozialen Fragen ausweist, „damit die ’neue’ KBC Fashion  zur der Stabilität zurückfinden kann, die wir in den letzten 17 Jahren erfahren habe.“

Die Verhandlungen mit „Imprima“ gehen am 3. und 10. Juli weiter. Bislang liegen sie  im Zeitplan und sollen noch vor den Sommerferien  abgeschlossen werden.
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