Lörrach Rückbesinnung auf Urchristentum

Die Oberbadische, 04.12.2017 18:05 Uhr

Von Ursula König

Lörrach. Welchen Stellenwert hat das Gebet in der heutigen Zeit? Und wie lassen sich die Räumlichkeiten, die zu einer Stadtkirche gehören, intensiver nutzen? Die evangelische Pfarrerin Gudrun Mauvais von der Matthäusgemeinde und Damaris Tschirner von der Stadtmission machten sich auf die Suche nach einer Antwort: „Gebet für dich“ ist ein neues Projekt, das am kommenden Donnerstag startet.

Eine Anlaufstelle für die Menschen bieten

Vorgesehen sind bis zum Juli monatliche Begegnungen, jeweils am ersten Donnerstag des Monats. Der Markttag wurde bewusst gewählt, wie die beiden Initiatorinnen während eines Mediengesprächs erklärten. Sie möchten Menschen eine Anlaufstelle bieten, um Anliegen „gemeinsam vor Gott zu bringen“. Dabei spielt es keine Rolle, ob Interessierte getauft sind, auf der Suche sind oder zweifeln.

Mauvais und Tschirner sind überzeugt davon, dass solch ein Angebot in Lörrach fehle; etwas das zum Urchristentum zurückreiche und ganz nahe an den Menschen sei. Deshalb habe man sich im Jubiläumsjahr der Reformation darauf besonnen, was Jesus in seiner Zeit den Menschen mitgegeben habe – nicht fernab der Zivilisation, sondern mitten unter ihnen. Der Austausch zweier Gruppen der Gemeinden führte zum Wunsch, Menschen im Herzen der Stadt eine Möglichkeit zu bieten, sich dem Gebet zu widmen.

Der Ablauf könnte folgendermaßen aussehen: Interessierte, die das Angebot wahrnehmen möchten, werden zunächst in der Alten Feuerwache bei Kaffee und Kuchen empfangen. Hier können Fragen beantwortet und Hemmschwellen überwunden werden.

Gebet im geschützten Raum der Turmkapelle

Das Gebet selbst findet in persönlichem Rahmen in der Turmkapelle statt, unter Begleitung von zwei Mitarbeitern der Gemeinde. Ein Schwerpunkt ist die Möglichkeit, für sich beten zu lassen, nach dem Motto „Hat schon mal jemand für dich gebetet?“ Der geschützte Raum der Turmkapelle und die Schweigepflicht, der die Gemeindemitglieder sich verpflichtet haben, soll dazu ermutigen, sich anzuvertrauen und bei Bedarf auch seelsorgerische Angebote annehmen zu können. Die abgeschirmte Kapelle biete so eine Rückzugsmöglichkeit mitten in der Stadt, wie Mauvais erklärte.

Der persönliche Kontakt stehe ebenso im Vordergrund wie der Kontakt zu Gott, das Gebet. Die Sehnsucht nach Gott, nach Orientierung, so erlebt es die Pfarrerin im Alltag, sei sehr groß. Tschirner führt das Beispiel des gelähmten Mannes an. Freunde helfen ihm, um ihn näher zu Jesus zu bringen. Heute seien die Menschen mehr innerlich gelähmt und fänden keine Worte mehr. „Wir wollen mit diesem Angebot die Freunde sein, die Menschen zu Jesus bringen.“ Beide sind gespannt darauf, wie dieser „Testballon“ angenommen werde.   Das erste „Gebet für dich“ findet am Donnerstag, 7. November, von 9.30 bis 11.30 Uhr statt.