Lörrach Ruhet in Frieden

Die Oberbadische, 14.05.2018 17:50 Uhr

Schon die Ankündigung der Stadtverwaltung, dass künftig nicht mehr auf allen Lörracher Friedhöfen Erdbestattungen möglich sei sollen, hat einen Sturm der Entrüstung entfacht (wir berichteten). Jetzt hat die Verwaltung ihre Strategie laut Oberbürgermeister Jörg Lutz überarbeitet. Am Donnerstag befasst sich der Gemeinderat damit.

Von Guido Neidinger

Lörrach. „Wir bekommen das Problem mit Augenmaß gelöst.“ Mit diesen Worten möchte Lutz die Gemüter beruhigen, denn er weiß: Das Thema Bestattungen ist besonders sensibel.

Ein Fachgutachten hat ergeben, dass die besondere Situation Lörrachs mit Grundwasserströmungen und Lehmschichten zunehmend dazu führt, dass Leichen nach der vorgeschriebenen Mindestruhezeit von 20 Jahren bei Weitem nicht vollständig verwest sind. Dies gilt insbesondere für den Friedhof in Brombach.

Ein weiteres Problem ist die Erreichbarkeit der Grabstellen mit dem Friedhofsbagger in Stetten und in Tüllingen.

Drei Prüfaufträge will Lutz sich vom Gemeinderat am Donnerstag genehmigen lassen: 1. Es soll ermittelt werden, wie künftig in Brombach mit Erdbesttattungen zu verfahren ist. Denkbar ist laut Lutz, dass Verstorbene, die noch nicht lange in Brombach gewohnt haben, möglichst mit dem Einverständnis der Hinterbliebenen auf dem Hauptfriedhof bestattet werden. 2. Die Verwaltung will die zusätzlichen Kosten für die Handschachtung von Grabstellen in Tüllingen ermitteln. 3. Für den Friedhof Stetten, bei dem im oberen Hanglagenbereich nur Handschachtungen möglich sind, will die Verwaltung die Kosten für den Bau einer Rampe für den Friedhofsbagger ermitteln.

Wenn alle Prüfergebnisse vorliegen, soll der Gemeinderat entscheiden, ob es an den Friedhöfen in Brombach, Stetten und Tüllingen weiter Erdbestattungen geben wird. Zudem kündigte der Oberbürgermeister zu diesem Thema eine Informationsveranstaltung an. Den Bürgern sollen die Maßnahmen und deren Auswirkungen für die einzelnen Friedhöfe vorgestellt werden. Damit will Lutz für Verständnis und Akzeptanz werben.

Zu den Maßnahmen zählen auch die generelle Reduzierung der Bestattungstiefe auf 130 Zentimeter bei einer Überdeckung von 70 Zentimetern auf allen Lörracher Friedhöfen, neue Regeln für Grababdeckungen im Hinblick auf die Begünstigung von Verwesungsstörungen. Außerdem soll die Verwendung verschiedener Materialien künftig nicht mehr erlaubt sein. Dazu gehören Sargfolien, Matratzen, Pietätswäsche. Diese Materialien könnten Verwesungsstörungen hervorrufen oder zumindest begünstigen.

Für die Umsetzung dieser neuen Regeln ist die Änderung der Friedhofsordnung notwendig.

Eine weitere Maßnahme ist die Verwendung von biologisch abbaubaren Aschekapseln anstelle der klassischen Aschekapseln aus Weißblech im Lörracher Krematorium.

Zudem wird die Anlage eines Bestattungswaldes in städtischer Regie auf Lörrache Stadtgebiet sowie die Neuanlage attraktiver und möglichst pflegearmer Grabangebote innerhalb der Friedhöfe geprüft.

 
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