Mit der Serie „Zu Besuch bei . . .“ stellen wir Menschen vor, die in Lörrach einer wichtigen Arbeit nachgehen, öffentlich aber kaum oder gar nicht wahrgenommen werden.

Von Nele Höfler

Lörrach. Hinter schweren Vorhängen verbirgt sich ein großer, abgedunkelter Raum. Ausgestattet mit alten Sesseln, Sofas und einer Bar, die hohen Wände sind mit Gemälden behängt. Es ist das Foyer des Bühneli Theaters. Wöchentlich treffen sich hier vor der Premiere die Theatergruppen zum Proben für die Stücke.

Mit Schauspielern allein entsteht jedoch noch lange kein Theater. Auch hinter der Bühne gibt es wichtige Rollen. Für das richtige Kostüm und die  Frisuren im Bühneli sorgen Elke Schneider und Uschi Maiß. Ihre ehrenamtliche Arbeit für das Theater ist für sie mehr Vergnügen als Arbeit. Denn in einem sind sich die beiden einig: Mit den Schauspielern tauschen möchten sie nicht. 

Auf der Bühne im Rampenlicht zu stehen, wäre für sie beide nichts: „Ich habe zwar sonst eine große Klappe, würde aber auf der Bühne trotzdem kein Wort herausbringen“, sagt Maiß. Elke Schneider stimmt ihrer Kollegin zu: „Ich halte mich lieber im Hintergrund und sorge dafür, dass auf der Bühne alles klappt.“

Schon ihre Eltern kümmerten sich  um das Haarstyling

Uschi Maiß ist gelernte Friseurmeisterin. In diesen Beruf sei sie mehr oder weniger „reingerutscht“ – ihre  Eltern besaßen einen Friseursalon. Auch die Rolle der Haarstylistin im Bühneli  hat Uschi Maiß von ihren Eltern geerbt. Bis um die Jahrtausendwende waren sie diejenigen, die für die passenden Frisuren der Schauspieler gesorgt haben. Als junges Mädchen unterstützte Maiß ihre Eltern schon damals gelegentlich. 2003 trat sie schließlich komplett in die Fußstapfen ihrer Eltern.

Einige Monate vor Start der Theatersaison beginnt Maiß mit den Vorbereitungen. Über mehrere Generationen und Jahre hat die Familie Maiß eine beachtliche Menge an Perücken  gesammelt. Einige von ihnen haben  sie  selbst gemacht, andere sind gekauft.

Neben dem Herrichten, Aufsetzen und Befestigen der Perücken, ist Maiß auch für deren Pflege  zuständig. „Wie auch unser Haar, muss das Haar der Echthaarperücken regelmäßig gewaschen werden“, erklärt Maiß. Nach jeder Probe legt die Friseurmeisterin die Haare deswegen über Nacht in Wasser und Shampoo ein.

Für die Kostüme der Theaterdarsteller ist ihre Kollegin Elke Schneider zuständig. Gelernte Schneiderin ist die Kostümbildnerin – anders als ihr Nachname vermuten lässt – aber nicht. In ihrer Freizeit gerne und viel genäht hat Schneider allerdings schon immer. Durch die Tochter des Theaterleiters Günther Geiser kam ihr 2002  die Idee, dem Bühneli bei den Änderungen der Kostüme unter die Arme zu greifen. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung von Kostümen. Ich habe es einfach ausprobiert. Ich würde sagen, es hat funktioniert. Seither  darf ich jedes Jahr kommen“, berichtet Schneider.

Doppelbesetzungen für die meisten Rollen bedeuten auch doppelte Anzahl an Kostümen

Auch sie liest bereits Monate vor der Premiere   die Rollenbücher und beginnt die passenden Kostüme, Schmuck und Schuhe für die Schauspieler zusammenzustellen. „Die Teile des Bühnenoutfits müssen miteinander harmonieren“, erklärt Schneider. Erst wenn Günther Geiser sein „Okay“ gegeben hat, wird das Kostüm von den Darstellern anprobiert.

 Die Vorbereitung der Kostüme beanspruchen mehr Zeit als die der Frisuren. „Jeder Schauspieler braucht ein Kostüm, nicht alle von ihnen aber eine Perücke oder eine besondere Frisur“, erklärt Maiß. Zudem gibt es meistens Doppelbesetzungen einer Rolle. Deshalb können für neun Rollen zum Beispiel bis zu18 Kostüme gebraucht werden.

Da jeder Schauspieler eine andere Kleidergröße hat, müssen alle Kostüme der theatereigenen Sammlung anprobiert und von Schneider abgesteckt sowie angepasst werden. „Ganz neue Kostüme werden für die Stücke selten genäht, das wäre zu aufwendig und auch zu teuer“, erklärt Schneider.

Für die beiden Mitarbeiterinnen im Hintergrund ist es am wichtigsten, dass sich die Schauspieler in ihrem Kostüm wohlfühlen: „Wenn sich jemand in den geplanten Klamotten oder mit der Frisur nicht wohl fühlt, müssen wir das ändern und unsere Vorstellungen an die Darstellerwünsche anpassen.“

Nicht nur für die Vorbereitung der Stücke sind Maiß und Schneider zuständig, auch bei den Auftritten selbst werden sie hinter der Bühne gebraucht. Sie helfen zwischen den Szenen beim Absetzen der Perücken und Umziehen der Kostüme.

„Natürlich sind die Theaterstücke sehr arbeits-  und zeitintensiv. Trotzdem gehe ich jedes Wochenende gerne ins Bühneli“, sagt Schneider. Das Gefühl, nach mehreren Monaten harter Arbeit des ganzen Teams das fertige Stück zu sehen, beschreibt Schneider als „unglaublich. Und das ist die viele  Arbeit auf jeden Fall wert.“
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