Lörrach „s’läuft“ beim Nellie Nashorn

Ein „Urgestein“ der Lörracher Kulturszene durfte nicht fehlen: Volkmar Staub präsentierte sich gewohnt kernig. Foto: Ursula König Foto: Die Oberbadische

Die Benefizveranstaltung zum Erhalt des Nellie Nashorn war bereits im Vorfeld restlos ausverkauft. Das zeigt die starke Verbundenheit mit dem soziokulturellen Zentrum, das in der Kulturstadt Lörrach eine wichtige Nische besetzt.

Von Ursula König

Lörrach. Zum 29. Geburtstag der „Grande Dame Nellie“ trugen treue Wegbegleiter auf der Bühne ein Mosaik zusammen, das mit leisen tiefgründigen Klängen und temperamentvoller Dynamik für die Vielseitigkeit der Einrichtung steht.

Dass die fünf Geburtshelferinnen, allesamt aus dem pädagogischen Bereich, sich fast für den Namen „Zum rollenden Rubel“ entschieden hätten, erzählte Nellie-Leiter Tim Krause, der mit unterhaltsamen Anekdoten durch das reich gefülltes Programm „s’lauft“ führte. Gemeinsam mit dem Herausgeber des Markgräfler Kulturführers Peter Martens reifte die Idee für diesen Abend, an dem auch der neu erschienene Kulturführer gefeiert wurde. Und so hoffen Nellie-Team und Freunde, dass es weiter läuft und auch die nächsten 30 Jahre gefeiert werden.

Kulturführer und Kulturkneipe; das scheint eine fruchtbare Allianz zu sein, von der Veranstaltungen wie die „Kleinkunstgala“ nur profitieren können, auch wenn nicht alles nach Plan verlief. So musste die regional bestens bekannte Sängerin Steffi Lais krankheitsbedingt absagen, und auch der Mundartdichter Markus Manfred Jung konnte leider nicht das Programm bereichern. Auf Mundart musste ein begeistertes Publikum trotzdem nicht verzichten: Mit einem „Urgestein“ der Lörracher Kulturszene, Volkmar Staub, war kerniger Klartext angesagt. Der aus Brombach stammende Kabarettist ist dafür bekannt, dass er auf „Weichspülgänge“ verzichtet. Lieber hält er eine klaren Spiegel vor, der politische und gesellschaftliche Missstände zeigt und keineswegs immer zum Lachen animiert.

Vielseitig, sensibel und etwas trutzig

Auf die Kunst, sein Publikum einzubeziehen und eine mitreißende Dynamik zu schaffen versteht sich der Überraschungsgast Badou Sene. Wenn die Zuhörer plötzlich „textsicher“ in afrikanische Trommelkünste einfallen, dann schafft er eine verbindende Atmosphäre, die humorvoll geprägt ist.

Auf leisere Klänge mit Tiefgang setzt ein regionaler Musiker, der im Nellie fast von Beginn an mit wechselnden Formationen seinen Stammplatz hat: Walti Huber, der vor allem mit der Formation „Jetsam“ verbunden wird, zeigt im Duo mit seiner Tochter Céline eine starke Bühnenpräsenz, die von vertrauten Klängen ebenso lebt wie vom Aufbruch in neue Ausdrucksformen.

Als Solokünstlerin überrascht Celine mit entwaffnender Offenheit; berichtet im Lied „Teile“ davon, wie es sich anfühlt, ihren Platz im Leben wieder zu finden, und sie überzeugt mit einer enorm jazzig angehauchten stimmlichen Bandbreite. Gemeinsam mit dem Hang-Spieler Tilo Wachter schaffen beide eine reiche Klangwelt, die davon lebt, offen für Neues zu sein. Geheimnisvoll, elektrisierend und vielfarbig: So klingt es, wenn Wachter sich solo mit den Klangfarben seines Instrumentes verbindet. Und so wurde es ein Abend ganz im Zeichen des Wappentieres „Nashorn“: Vielseitig und sensibel, aber auch ein bisschen „trutzig“.

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