Lörrach Sängerin bringt „Saudade“ in Burghof

Willi Vogl
Gisela João war mit ihrem neuen Programm zu Gast im Burghof. Foto: Willi Vogl

Mit ihrem zwischen Lissabon und Barcelona aufgenommenen dritten Album „Aurora“ gibt Gisela João ihr Debüt als Songwriterin. Auf ihrer aktuellen Tournee gastierte sie mit den teilweise sehr persönlichen Liedern daraus auch im Burghof.

Von Willi Vogl

Lörrach. Unter den rund 100 Konzertbesuchern waren auch einige Portugiesen. Wer der portugiesischen Sprache nicht mächtig war, bekam von der Fadista João in der englischsprachigen Moderation einige inhaltliche Hörhilfen geliefert.

Lieder handeln von Weltschmerz und sanfter Melancholie

Um den kreativen Umgang Joãos mit dem traditionellen Musikstil abgleichen zu können, muss man sich die Elemente des klassischen Fados vor Augen und Ohren führen. Agogisch fein geführte Gitarrenklänge, in der Regel in Kombination mit der portugiesischen Gitarre, einem Lauteninstrument mit zwölf Stahlsaiten, bilden die harmonische Basis. Vor diesem Hintergrund handelt der moll-dominierte und dynamisch vordergründige Gesang der Fadista von „Saudade“. Diesen stilspezifischen Begriff kann man mit „Traurigkeit“, „Wehmut“, „Sehnsucht“, „Weltschmerz“ oder „sanfter Melancholie“ übersetzen.

Die Sängerin bewegt sich beim Vortrag kaum, hält die Augen oft geschlossen und vermittelt mit ihrer stolzen Haltung hohe Konzentration auf die Liedaussage. Gleichzeitig lässt der Gesang mit seiner beiläufig und gleichmäßig dosierten Expressivität an eine Hausfrau denken, die das Kochen einer Suppe als meditativen Akt auffasst und vor dem Leid der Welt in Schwermut verfällt.

Die meisten dieser Elemente waren auch beim Auftritt Joãos wahrzunehmen. Eine Band mit portugiesischer Gitarre, klassischer Gitarre und Bassgitarre gaben dem Konzert die traditionelle Grundfärbung. Ein Pianist erweiterte die Farbpalette mit Jazz-inspirierten Mustern und sphärischen Keyboardklängen.

Gesangsqualitäten werden dem hohen Anspruch gerecht

Schloss man die Augen, konnte man sich in Joãos Stimme sowohl in den rezitativisch langsamen als auch in den freundlich bewegten Titeln der allgegenwärtigen „Saudade“ hingeben. Dies funktionierte auch in einem neuen Song wie „Louca“, der von einer verrückten Frau handelt, die selbstbewusst ihren eigenen Weg geht.

Verfolgte man jedoch das Bühnengeschehen mit den Augen, so stellten das schleifendominierte weiße Kleid und die tänzelnden Bewegungen der Fadista einen bisweilen irritierenden Kontrast zum eher dezent dunkel und zurückhaltend gestalteten Outfit und der konzentriert statischen Haltung einer traditionellen Fadista dar.

Zur Kleidung gab João in ihrer Moderation preis, dass sie die Bühnenkleider selbst schneidere und ihre Mutter gelegentlich Bedenken zum sicheren Sitz äußere.

Möglicherweise sind das extrovertierte Outfit sowie der voluminösere Gesamtklang der Band mit sonoren Bässen einer international orientierten Popästhetik für größere Bühnen geschuldet. Die Gesangsqualitäten Joãos werden unbestritten dem hohen Anspruch des klassischen Fados gerecht. Schloss man die Augen, so konnte man bisweilen die „Saudade“ wie in der Intimität einer portugiesischen Kneipe wahrnehmen.

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