Lörrach Schaulauf der Kandidaten

Anja Bertsch

Zehn Tage vor der Wahl eines neuen Oberbürgermeisters hatten die Lörracher am Dienstag die Gelegenheit, die drei Kandidaten Jörg Lutz, Klaus Springer und Claus Seibt mit ihren Programmen und in ihren Persönlichkeiten im direkten Vergleich zu erleben. Das Interesse war mäßig: Etwa 80 Bürger verteilten sich in den Weiten des Burghofsaals.

Von Anja Bertsch

Lörrach. Sowohl für die Vorstellung der Kandidaten selbst als auch für die Fragerunden gab es ein klares zeitliches Reglement, das von Versammlungsleiterin Monika Neuhöfer-Avdic im Team mit der aus den Gemeinderatssitzungen bewährten Stoppuhr denn auch freundlich-resolut durchgesetzt wurde: 15 Minuten hatte jeder Kandidat für sein Solo, anschließend war je 15 Minuten Zeit für den Dialog mit den Bürgern. Die Kandidaten enterten die Bühne in der Reihenfolge ihrer Bewerbungen; während der Auftritte ihrer Mitbewerber mussten sie den Saal verlassen.

Jörg Lutz

Wohl präpariert und routiniert präsentierte sich der amtierende OB Jörg Lutz. Seine Bewerbungsrede bewegte sich entlang der zu „Fixsternen“ erhobenen Schlagwort-Trias „sozial, grün, innovativ“ durch aktuelle Themenfelder der Stadt und beleuchtete bisherige Erfolge und künftige Herausforderungen: Bildung, bezahlbarer Wohnraum und Quartiersarbeit, Energiewende, Stärkung des sozialen Zusammenhangs oder Mobilität. „Lörrach ist eine tolle Stadt. Damit das so bleibt, muss sie sich weiterentwickeln. Gemeinsam mit ihnen möchte ich diese Entwicklung gestalten“, so Lutz zum Ende seiner Rede.

Die Fragen der Zuhörer drehten sich um Inklusion, Bürgerbeteiligung und vor allem um Energiewende und Klimaschutz.

Klaus Springer

Der zweite Kandidaten Klaus Springer legte gleich zum Einstieg erfrischend unverblümt die Motivation für seine Bewerbung aufs Lörracher OB-Amt dar: Das Angebot, „eine mit monatlich etwa 15 000 Euro alimentierte Arbeitsstelle anzugehen“ und die spätere Rente ein wenig aufzustocken, sei doch sehr verlockend.

Im Folgenden sprang der Kandidat munter zwischen diversen Facetten seiner Vita und seiner politischen Ansichten hin und her, erwähnte ein Handwerker-Dasein als Polsterer ebenso wie seine parteipolische Ungebundenheit als langjähriger SPD-Wähler, ebenso langjähriges CDU- und Nicht-AfD-Mitglied. Er kritisierte das Beamtentum und lobte „den sehr geschätzten OB Lutz“.

Springers großes Argument in eigener OB-Sache: „Der andere Blick auf die Dinge“ und „ein Wechsel von guter Beamtenwirtschaft zur leistungsorientierten Marktwirtschaft.“

Daneben gab es Visionäres für Lörrachs Zukunft – etwa die Tieferlegung der Bahn. Finanzierungstipp? „Freundlich sein zu den Schweizern“ – die hätten schließlich auch die Tram in Weil finanziert.

Springers Ausführungen animierten die Zuhörer nicht zum Nach- und Einhaken: Die Fragerunde blieb ungenutzt.

Claus Seibt

Der dritte Bewerber Claus Seibt hatte sich bislang bedeckt gehalten, was seine Ideen für Lörrach und für seine Arbeit als potenzieller OB betrifft – und tat das auch an diesem Abend: So recht greifbar wurden seine Vorstellungen nicht, wie sich in den Reaktionen aus dem Zuhörerraum zeigte.

Mit Blick auf seine private Eignung fürs OB-Amt in Lörrach stellte Seibt auf die familiäre Verwurzelung im Wiesental ab. Mit Blick auf die fachliche Eignung führt er eine offenbar vielgestaltige Erfahrung als Politikberater, Projektmanager oder Programmdirektor in Bereichen wie Mobilität, Nachhaltigkeit und Kommunalberatung ins Feld. In Seibts Ausführungen fielen zahllose Expertise insinuierende Stichworte, Institutionen und Referenzen.

Deren Bedeutung für Lörrach freilich blieb schemenhaft. Auch auf hartnäckiges Nachhaken aus dem Publikum hin („Nun werden sie doch mal konkret!“) konnte Seibt sich nicht zu klaren Aussagen zu konkreten Lörracher Themen durchringen und verlegte sich statt dessen auf allgemeine Erkenntnisse: „Mit dem Haushalt muss man umgehen“, und „die Klimaziele müssen erreicht werden“ – näheres dann lieber im direkten Dialog.

Ein Ziel immerhin formulierte Seibt wiederholt, wenngleich auch hier wieder eher als Konzept denn als konkreten Plan: Nachdem Lörrach bisher aus den höheren Etagen des Rathauses heraus regiert werde, müsse künftig mehr von der Stadt heraus ins Rathaus hineinregiert werden. Dabei seien die „Stadtmitmacherinnen“ gefragt. Näheres dann wohl im direkten Dialog.

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