Lörrach Schön – aber nicht ungefährlich

Lörrach - Egal ob unter der Woche oder am Sonntagvormittag, der neue Spielplatz im Rosenfelspark wird sehr gut angenommen. Indes gibt es gut sechs Wochen nach der Eröffnung auch kritische Stimmen und Verbesserungsvorschläge. Insbesondere zum Kletterturm mit Rutsche, an dem sich schon mehrere Unfälle ereignet haben – dreimal wurde sogar der Rettungswagen gerufen.

Konzentriert klettert das Mädchen im Grundschulalter die etwa drei Meter hohe Leiter nach oben, verschwindet im Kletterturm und schießt nach wenigen Sekunden mit hoher Geschwindigkeit aus der geschlossenen, steilen Rutsche heraus. Sie hat das Tempo unterschätzt, kann sich nicht auf den Beinen halten und stürzt der Länge nach auf den Gummibelag. Schnell rennt der Vater zum weinenden Mädchen. Bis auf ein paar Schürfwunden ist nichts passiert. Dennoch kein Einzelfall, wenn man sich vor Ort umhört. Natürlich gibt es auch Nutzer, die großen Spaß an der schnellen Rutsche haben, aber selbst Erwachsene berichten von Verletzungen, nachdem sie die anspruchsvolle Rutsche getestet haben.

"Es ist zu steil"

„Sie ist einfach zu steil und es fehlt ein längerer Auslauf“, sagt Caren Ollek, die mit ihren beiden Söhnen gerne auf den Spielplatz kommt und sich im Vorfeld für den möglichst schnellen Neubau eingesetzt hat. „Natürlich kann auf einem Spielplatz immer etwas passieren und wir Eltern haben die Aufsichtspflicht, aber dieser Turm ist einfach prädestiniert für Verletztungen“, kritisiert Ollek. Sie möchte aber nicht falsch verstanden werden: „Wir sind alle froh, dass der neue Spielplatz da ist. Er ist sehr schön geworden, insbesondere der Sandel- und Wasserbereich, aber wir denken, beim Turm muss nachgebessert werden.“

Denn neben der steilen Rutsche ist es vor allem der Aufstieg, der von Ollek kritisch gesehen wird. Der Turm sei vor allem für ältere Kinder konzipiert, wurde bei der Vorstellung der Anlage erklärt, aber: „Mein Kleiner ist gerade zwei Jahre alt und kommt da schon hoch“, sagt Ollek. Sie konnte ihren Sohn noch rechtzeitig zurückholen, ein anderes Kind sei hingegen schon „durch das Loch am oberen Ende der Strickleiter rausgestürzt und auf den Brustkorb gefallen“. Der alarmierte Notarzt teilte den Eltern mit, dass das Kind großes Glück gehabt habe, weil es nicht mit dem Rücken aufgekommen sei.

„Aufstiegshindernisse“ für kleine Kinder

Ollek hat diesen Fall und ihre Nachbesserungsvorschläge – beispielsweise die untersten Sprossen der Strickleiter zu entfernen – schon an die Stadtverwaltung weitergeben. Der zuständige Mitarbeiter habe ihre Anregungen notiert und im Gespräch bereits von insgesamt drei Unfällen gesprochen, bei denen ein Rettungswagen gerufen wurde.

„Grundsätzlich gibt es keine genaue Altersvorgabe für die Spielgeräte, entscheidend sind vielmehr die Fähigkeiten der Kinder“, erklärte Annette Buchauer, Fachbereichsleiterin Grundstücks- und Gebäudemanagement, am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung. Moderne Spielplätze seien grundsätzlich aber so gebaut, dass es vor schwierigen Passagen oder Geräten ein „Aufstiegshindernis“ gebe, damit kleinere Kinder, die motorisch noch nicht so fit sind, gar nicht erst bis zu den anspruchsvollen Stellen gelangen können. „Dass ein zweijähriges Kind da hoch kommt, darf natürlich nicht sein“, sagte Buchauer.

Der Stadtverwaltung habe aber schon reagiert und nach Rücksprache mit dem Hersteller ein zusätzliches Holzstück am oberen Ende der Strickleiter anbringen lassen, damit die großen Kinder leichter durch das Loch auf die Plattform gelangen, so Buchauer. Zudem werde aktuell abgestimmt, die unteren Sprossen zu entfernen, damit Kleinkinder gar nicht erst die Strickleiter nach oben klettern können. Buchauer betonte aber auch: „Die Eltern müssen darauf achten, ob ihr Kind bereits über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt, um das Spielgerät zu nutzen.“

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