Lörrach Schutz für die Mitmenschen

Lörrach - Derzeit ist bei uns trotz Corona-Krise keine Mundschutz-Pflicht geplant, dennoch wird von Experten empfohlen, zumindest eine Stoffmaske oder einen Schal beim Einkaufen und in ähnlichen Situationen zu tragen – entsprechend steigt die Nachfrage. Um diese zu befriedigen, nähen auch in Lörrach immer mehr Ehrenamtliche und Initiativen Stoffmasken für Senioren und Berufstätige, die Kontakte nicht vermeiden können, aber auch für Kinder.

„Als Mundschutz oder Atemschutzmaske dürfen wir unsere Masken aber nicht bezeichnen, da man durch den Stoff Viren einatmen kann. Da könnten wir sogar rechtliche Probleme bekommen“, erzählt Jessy Krauth vom kürzlich auf Facebook gegründeten Lörracher Netzwerk „Corona Nachbarschaftshilfe – Daas mache ma gärn“.

Tröpfchenflug in der Ausatemluft wird verringert

Dieses organisiert die Produktion und Verteilung von selbstgenähten Masken, welche die Gruppe als „Nasen-Mund-Abdeckungen“ bezeichnet. „Dennoch sind sie sehr nützlich, da sie den Tröpfchenflug in der Ausatemluft des Maskenträgers deutlich verringern“, betont Krauth. „Sie dienen also mehr zum Schutz der Mitmenschen als dem eigenen.“

Etwa 20 über die Facebook-Gruppe vernetzte Näherinnen aus Lörrach und Umgebung sowie weitere Helfer, fertigen und liefern die Masken auf Anfrage von Pflegeheimen, Krankenhäusern und Privatpersonen, erzählt Krauth. Die Pflegeheime hätten außerdem darum gebeten, eine Tasche auf der Innenseite der Masken einzunähen, um dort als weitere Schutzmaßnahme ein medizinisches Vlies, Kaffeefilter oder ähnlich einzulegen, berichtet Gruppenmitglied Mandy Gräfer, die sich vorrangig um die Stoffmasken kümmert.

Auf Materialspenden angewiesen

Die Aktion ist ehrenamtlich, deshalb seien sie auf Materialspenden angewiesen, um die Produktion weiter zu ermöglichen. Es gebe bereits eine großzügige Stoffspende des Unternehmens Technische Textilien Lörrach, das Gartencenter Schmitt habe Draht für Nasenbügel zur Verfügung gestellt und Spielwaren Zumkeller in Steinen habe die Gruppe mit Gummibändern und Heftklammern unterstützt, sagt Gräfer.

Zusätzlich bitte man um Spenden von Privatpersonen in der Facebook-Gruppe, denn die Nachfrage ist groß: „Ein Pflegeheim wollte zum Beispiel gleich 300 Masken in der ersten Lieferung, aber dafür haben wir nicht genug Material“, erzählt Gräfer.

Masken für Therapeuten, Tankstellen-Mitarbeiter, Senioren und Hebammen

Steigende Anfragen erhält derzeit auch das Familienzentrum Lörrach (FAZ). Seit 24. März schneiden die Mitarbeiter – von der Erzieherin bis zum Koch des Kinderlands – in Heimarbeit Stoff zu und nähen Masken. Mehr als 300 Stück mit einer Innentasche für einen Filter sowie einem Metallstreifen als Verstärkung an der Nase haben sie bereits produziert, Tendenz steigend: „Es melden sich auch immer mehr Ehrenamtliche, die uns unterstützen möchten, die Bereitschaft ist echt groß“, sagt Geschäftsführerin Angelika Mauch im Gespräch mit unserer Zeitung. Zudem gebe es auch viele Materialspenden.

Zu den Abnehmern gehören bislang neben dem Lörracher Verein „Zeitbank Plus“, der vor allem seine älteren Mitglieder mit Masken versorgt, Pfleger, Therapeuten, aber auch Tankstellen-Mitarbeiter, eine Heizölfirma und Hebammen. Also Personengruppen, die beruflich den Kontakt zu Menschen nicht komplett einstellen können.

Dennoch wird laut Mauch bei der Übergabe der kostenlos zur Verfügung gestellten Masken stets betont: „Es sind keine medizinischen Spezialmasken und sie können das Virus nicht abhalten, sondern schützen vor allem mein Gegenüber, falls ich selbst unwissend erkrankt bin, und sie sorgen dafür, dass man sich nicht unbewusst an den Mund oder die Nase fasst.“ Darum hat das FAZ auch seine Kinder in der Notbetreuung mit den Stoffmasken ausgestattet. „Die Kleinen haben sonst permanent die Hände im Gesicht“, erklärt Mauch.

Verwendung im medizinischen Bereich problematisch

Während die selbstgenähten Masken also durchaus sinnvoll für den privaten Einsatz sind, sehen die Kreiskliniken Lörrach deren Verwendung im medizinischen Bereich laut Pressesprecherin Marion Steger als problematisch an: „Die Qualität dieser Masken kann stark schwanken, weil sie abhängig vom Material und den Aufbereitungsmöglichkeiten ist. So lange für den klinischen Einsatz Materialien zur Verfügung stehen, die für den medizinischen Gebrauch zugelassen sind, greifen wir darauf zurück.“ Es habe auch schon mehrere Angebote von Privatpersonen gegeben, Masken für die Kliniken des Landkreises herzustellen, allerdings fokussiere man sich „auf gewerbliche und original verpackte Produkte“, sagt Steger.

Grundsätzlich ist laut der Pressesprecherin beim Mundschutz auf folgende Details zu achten: „Er muss dicht anliegen und aus einem geeigneten, dicht gewebten Material bestehen, welches gleichzeitig die Atmung gut zulässt. Ist dies nicht gegeben, besteht die erhöhte Gefahr, dass man sich ins Gesicht fasst, um den Mund-Nasen-Schutz zur besseren Atmung wegzunehmen.“ So könnten Keime, welche an den Händen haften, ins Gesicht und damit in den Körper gelangen und zu einer Infektion führen, so Steger. Zur Aufbereitung sollte der Mund-Nasen-Schutz mit 90-Grad-Wäsche gereinigt werden.

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