Lörrach-Haagen. „Was soll ich denn nun Brisantes schreiben, ohne zu spalten?“, fragt der Texter des Zweimann-Ensembles „Duale Satire Deutschland“, Ulrich Eißner, seinen Kompagnon Arnd Stephan verzweifelt. An diesem Samstagabend bestreiten die beiden Dresdner Kabarettisten in der Alten Halle Haagen den zweiten Teil des „Satire-Gipfelis“.

Eigentlich sind sie noch immer mit ihrem Programm „Rechne sich wer kann“ von 2014 auf Tour. Und so besingen und besprechen sie den deutschen „Wirtschaftsstandort in Ekstase“, unter dem Pflegenotstand leidende, atemlos durch die Nacht irrende Altenheimbewohner und die Griechenland-Finanzkrise. Und bieten eine fetzige Show mit mitreißender Klavier- und Gitarrenbegleitung.

Immer wieder feilt Bildhauer Eißner an der „Venus Insolvenza“, die einmal die Akropolis schmücken soll. Doch eigentlich hat die Flüchtlingskrise ihr schönes Wirtschaftsthema zerhauen, wie sich Stephan beschwert. Gut, wenn man da auf einen reichen Fundus zurückgreifen kann – etwa auf das Lied „Unterschätzen Sie die Rechte nicht“. 2005 hätten sie das bereits gesungen. Heute ist die Performance aktueller denn je: Militärisch zackig mit geschulterter Gitarre betrommelt Stephan bedrückende Texte wie „es gibt wieder eine Bewegung, eine Fahne und ein Ziel“. Pegida lässt grüßen.

Mit bitterbösem Humor ist zuvor das Hochrhein-Kabarett „RestRisiko“ in den Abend gestartet. Es hat die Alte Halle flugs zum VHS-Kursraum verwandelt – und die Zuschauer zu Teilnehmern am „Schlepper-Schnupper-Kurs“. Begleitet von Esther Deiss am Keyboard besingen Tina Zimm, Roland Degen und Ronald Kaminsky die Vorzüge des Schlepperberufs: „Selbst in schweren Wirtschaftskrisen komme ich nicht in die Miesen.“

Einen zertifizierten Parallelkurs gibt’s fürs Publikum als Zugabe dazu. „Mit dem Schlepper nach Süden“ lautet die Geschäftsidee: Die Nussschalen, die zuvor mit 100 Flüchtlingen an Bord in Europa anlanden, werden mit zahlungskräftigen Edel-Passagieren zum „Elend-Watching“ an die afrikanische Küste zurückgeschippert.

Schrecklich, diese Bilder von Kriegsflüchtlingen im Meer, findet der von Roland Degen gespielte Rüstungsmanager. Aber er habe ja eine Verantwortung für Mitarbeiter und Wirtschaft. „Und die ganzen Migranten müssen doch bezahlt werden.“ Dazwischen kommt der Cut: Das Thema sei eigentlich zu bitter, um darüber Witze zu machen, so die Kabarettisten vom Hochrhein. Stimmt. Es ist derzeit wirklich nicht einfach, Kabarett zu machen.