Lörrach Sehnsucht nach Kunstgenuss

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach - Es ist viel los in Lörrach am Samstagabend. Zum gewohnten Trubel in der Innenstadt kommen an diesem Abend noch die Kunstspaziergänger dazu: Zu Fuß oder mit dem Rad, mit einem Atelier-Flyer in der Hand und dem Eintrittsbändchen am Arm. Der warme Abend ist wie geschaffen für eine lange Nacht der offenen Ateliers.

Manche der Gastgeber haben ihre Präsentationen ins Freie verlegt, bei anderen stehen die Atelier-Türen weit offen. Es sind Details, die jede Ausgabe der Offenen Ateliers zu einer spannenden Entdeckungstour werden lassen, von der großflächig wirkenden Videoprojektion bis zur handgezeichneten Preisliste.

Trotzdem sind strenge Corona-Auflagen einzuhalten, neben einem 3G-Nachweis müssen in jedem Atelier die Kontaktdaten hinterlassen und Masken getragen werden. Die Besucherzahl pro Raum ist limitiert, so dass am frühen Abend an einigen Orten die Menschen sogar Schlange stehen.

Atelier im Hinterhof

Irene Pacha hat ihr Atelier in einem kleinen Hinterhof. Ihr Hauptmotiv – Blumen – zeigt sie in vielen Variationen: mit Alkoholstiften als naturalistische Solitäre oder aber in Öl, dann auch eingebettet in einen farbigen Hintergrund mit unterschiedlichen Strukturelementen. „Die Sehnsucht nach Kulturgenuss“ hat Familie Westiner aus Lörrach in Pachas Atelier gelockt. Für das Paar und die 14-jährige Tochter sind die Offenen Ateliers ein fester Termin im Lörracher Herbst. Es könne auch gut passieren, dass sie sich heute ein Bild kaufen, sagen sie: „Wir lassen uns inspirieren“.

Vor dem Atelier von Eloisa Florido Navarro warten Menschen, um einzutreten. Drinnen drängen sich schon andere, wobei die Künstlerin streng darauf achtet, dass es nicht zu viele werden und die Anwesenden immer wieder durchzählt. Mit dem Eintritt in ihre Atelier gewähren Künstler Einblicke in ihren Schaffensprozess: Hier verraten Farbspritzer an den Wänden und auf den Arbeitsflächen und große Pinsel, die in einer Ecke stehen, wie die Künstlerin arbeitet. Zur Farbe kommen Naturmaterialien wie Sand, um Dreidimensionalität herzustellen.

Die Auswahl ist groß

Viele kommen mit der Absicht, etwas zu kaufen. Die Auswahl ist groß: Wie in Mappen angeordnet stehen ihre Bilder im Raum, andere sind gehängt oder stehen auf dem Boden. Aber auch die plastischen Arbeiten ziehen Aufmerksamkeit auf sich, besonders die ausdrucksvollen Tänzerinnenfiguren der „Danzas Invisibles“.

In einem Hinterhaus, einer früheren Werkstatt, haben sich drei Künstler zu einer Ateliergemeinschaft zusammengetan: Antje Gärtner mit ihren Arbeiten in Tusche und Öl, Helmut Vogt mit Druckgrafik und Walter Schmitt mit Fotografie. Eine Besucherin lässt sich von Vogt die Technik des verlorenen Drucks erklären, bei der eine Linol- oder Holzplatte Schicht für Schicht abgetragen und immer wieder mit neuem Farbauftrag versehen wird. Dem entstehenden Bild verleiht diese Technik räumliche Tiefe. Durch die ständige Veränderung der Druckplatte wird jeder Druck zum Unikat.

Auf großes Interesse stößt auch die Arbeitsweise der Origami-Künstlerin Elke Muche. Ein ums andere Mal erläutert sie ihr Vorgehen beim Falten des Papiers, das sie in faszinierende, immer wieder neue Formen verwandelt.

Ein richtiges kleines Kunstfest – mit Absperrung und kontrolliertem Eintritt – findet vor den Ateliergebäuden im Aichelepark statt. Scheinwerfer beleuchten Arbeiten mitten auf der Wiese, hier im Freien ist es auch möglich, ohne Maske ein Gespräch zu führen und dabei ein Glas Bier oder Sekt zu trinken.

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