Lörrach Seine Figuren erzählen Geschichten

Lörrach/Hausen - Seine Begeisterung für das Figurentheater hält seit fast 60 Jahren bis heute an: Karl-Hans Bachmann hat 1962 mit dem Puppenspiel begonnen – er leitete die Marionettenbühne Lörrach. Einige seiner selbst gebauten Marionetten und Stabpuppen haben nun eine „Bühne auf Zeit“ gefunden: im Literaturmuseum Hebelhaus in Hausen im Wiesental.

Hier sieht man nicht nur eine schöne Auswahl dieser Spielfiguren, sondern Szenenentwürfe, Standbilder aus den Inszenierungen, Bühnenbilder und Bilderbücher aus der großen Schatzkiste Bachmanns, die er für diese Werkschau öffnete. Man kann sich bezaubern lassen von literarischen Figuren wie Faust und Mephisto, Kasperle und Petruschka, Don Quijote und Sancho Pansa, dem Till Eulenspiegel oder dem Trompeter von Säckingen.

Die Gliederpuppen und Stabfiguren, die hier im Raum hängen oder stehen, würde man nur allzu gern für eine neue Aufführung zum Leben erwecken! Komplette Figurensätze wie die aus Strawinskys Petruschka-Ballett stammen als Leihgaben aus dem Lörracher Dreiländermuseum. Andere, wie die Szenen aus Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ mit der Reiterfigur aus dem Satz „Das große Tor von Kiew“ sowie „Samuel Goldenberg und Schmuyle“, sind im Theater Tempus Fugit untergebracht.

Da sich in Lörrach kein adäquater Ort finden ließ, wurde 1995 nahezu der gesamte Fundus der Lörracher Marionettenbühne, inklusive Requisiten und Bühnenbilder, dem renommierten Theaterfigurenmuseum in Lübeck als Dauerleihgaben überlassen.

Wie kam es denn zu dieser Liebe Bachmanns zu den hölzernen Gestalten aus Mythen und Märchen? Als damaliger Konrektor der Theodor-Heuss-Realschule hat er sich im Rahmen schulischer Möglichkeiten mit Puppenspiel und Figurentheater beschäftigt. Es folgte jahrzehntelange Arbeit mit Gestaltung von Marionetten und Stabpuppen, dem Entwerfen von Bühnenbildern und Kulissen und der Inszenierung der Stücke, darunter Puppenkomödien mit Musik und Tanz.

Unterstützt wurde der 1925 geborene Karl-Hans Bachmann von seiner Ehefrau Anne-Rose, mit der er größtenteils gemeinsam die Marionettenbühne leitete; sie schneiderte die Kostüme und spielte selber mit. Bis zu seiner Pensionierung 1985 ist der Lehrer im Figurentheater aktiv, gestaltet und inszeniert Stücke mit Schulklassen, anschließend mit gemischten AGs von Schülern, aber auch als Leiter des Lehrerensembles der Theodor-Heuss-Realschule. Zudem ist er Kursleiter für Figurenbau und Puppenspielregie.

Unter seiner Leitung wird die Lörracher Marionettenbühne überregional bekannt und bekommt viele Auszeichnungen für die Inszenierungen: allein vier Mal den „Preis der Stadt Bochum für Laienpuppenspiel“ für die Inszenierungen des rumänischen Märchens „Iwan mit dem Ranzen“ (1963), für das mit der Klasse selbst geschriebene Stück „Die abenteuerliche Reise des kleinen Jo“ (1965), „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ (1969) und „Im Reiche des Mescal“, ein Stück über einen jungen Indianer, der über das Leben philosophiert (1970).

Dazu gibt es einen Förderpreis der Stadt Bochum (1972) für „Petruschka“ und gleich zwei Mal Mitte der 1960er Jahre eine Bronzemedaille der Union Internationale de la Marionette (UNIMA) aus Ungarn. Besonders stolz ist Karl-Hans Bachmann auf einen Preis der Stiftung zur Förderung der geistigen und kulturellen Arbeit in Baden-Württemberg. 1979 wurde dieser wichtige Landespreis im Neuen Schloss in Stuttgart vom damaligen Kultusminister Roman Herzog überreicht. Bachmann erinnert sich: „Ein unglaubliches Gefühl, so ein Feedback zu kriegen“.

Als Repräsentant des deutschen Laienpuppenspiels war er mit seiner Truppe auch mehrfach zu Gastspielen, Wettbewerben, Festspielen und Figurentheatertagen in Ungarn, Italien, der Schweiz, Frankreich und Rumänien. Als künstlerische Höhepunkte kann man die Stabfiguren für die dritte Petruschka-Inszenierung 1998 bezeichnen, aber auch die Figuren der „Bilder einer Ausstellung“ sind markant geschnitzt.

Im Laufe der Jahre wurden mehr als 500 Aufführungen im Kreis Lörrach und an vielen anderen Orten gemacht, die die künstlerische und handwerklich hochstehende Arbeit Karl-Hans Bachmanns und seiner Bühne dokumentieren. Dazu kommen mehrere Fernsehfilmproduktionen und ein Live-Auftritt in der ZDF-Sendung „Räuber und Gendarm“.

Wie schön, dass man jetzt aus diesen weit über 30 Jahren Arbeit mit Figurentheater einige Beispiele sieht, die Hansjürg Baumgartner „mit viel Liebe und Sachverstand“ (so Bachmann über seinen ehemaligen Schüler und Marionettenmitspieler) für die Werkschau zusammengestellt und kuratiert hat.

Der Besucher lernt Bachmann aber nicht allein als Erschaffer von Figurensätzen kennen, sondern auch als Textgestalter und Illustrator von Geschichten und Gedichten. Darunter sind – wie könnte es an dieser Hebelstätte anders sein – neben vielen Bilderbüchern für Menschen allen Alters mit Texten von Goethe bis Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“ und Andersen-Märchen, einige in kalligrafischer Schönschrift erstellte Skripte zu Johann Peter Hebels Kalendergeschichten. Und eine Fotodokumentation veranschaulicht, wie man die Distanz der Spieler und Figuren zum Publikum aufheben kann.   Bis 3. Juli. Das Hebelhaus in Hausen ist Mi., Sa. und So. von 13.30 - 17 Uhr geöffnet. Kurator Hansjürg Baumgartner steht für Führungen zur Verfügung (Anfragen über das Museum).

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