Lörrach Seniorenkino schreibt eine „Erfolgsgeschichte“

Marco Fraune
Blicken auf eine erfolgreiche Idee: Oberbürgermeister Jörg Lutz (hintere Reihe v.l.), Seniorenbeauftragte Ute Hammler, Theaterleiter Victor Lazuk sowie die Mitglieder des Seniorenbeirats (v.l.) Thomas und Anja Knüpfer, Heidi Merle und Gabi Schupp. Foto: Marco Fraune

Oberbürgermeister, Seniorenbeauftragte, Seniorenbeirat und der Kinobetreiber loben die Zusammenarbeit und das Angebot. Nicht nur über volle Kinosäle freuen sich die Verantwortlichen.

Als eine „richtige Erfolgsgeschichte“ hat Oberbürgermeister Jörg Lutz vor den Kinosaalreihen sitzend am Dienstag das Seniorenkino bezeichnet, das jeden ersten Dienstag im Monat ab 14.30 Uhr stattfindet. Drei Grundpfeiler des Erfolgs benannte das Stadtoberhaupt dabei. Erstens habe die Seniorenbeauftragte Ute Hammler im Jahr 2017 die Idee gehabt, mit der sie überall offene Türen eingerannt habe. Hinzu kam Kinoleiter Viktor Lazuk, den Lutz als „super kooperativen Partner“ bezeichnete. Und der dritte Pfeiler sei der Seniorenbeirat, der vielfältig unterstützend wirkt. Lutz: „Dass das Seniorenkino so gut laufen wird, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt.“

Filme und Gemeinschaft

Zwei Bedürfnisse sollen mit dem Seniorenkino befriedigt werden. Einerseits geht es um sehenswerte Filme, die ansonsten nicht über die große Leinwand flimmern. Andererseits geht es den Senioren auch um die Gemeinschaft, in welcher der Film und der spätere Austausch im Foyer bei Sekt und Brezel erfolgt. Dass nicht Kaffee und Kuchen serviert wird, war der Ideengeberin des Seniorenkinos, der Seniorenbeauftragten Ute Hammler, von Beginn an wichtig. Mittlerweile werde dieses Konzept auch von anderen Kommunen ähnlich gehandhabt. Sie hatte ihre Idee aus Balingen importiert. Seniorenbeirats-Mitglied Heidi Merle lobte zugleich das Zusammenspiel mit Lazuk, der ein Gespür für Filme habe. Außerdem laufe der Verkauf über das Online-Verfahren oder auch vor Ort gut. „Es gibt auch eine problemlose Karten-Rückgabe vor Ort, falls nötig.“

Bis zu 460 Besucher

Zu Beginn der Aktion kamen etwa 130 Senioren, mittlerweile erreichen die Kinotage im Schnitt 300 bis 400 Gäste. Der Top-Wert liegt bei 460 Besuchern mit dem Film „Maria träumt“, was angesichts der vollen Kinosäle auch kaum noch zu toppen sei, weiß Lazuk. Besonders auf eine Mischung aus Anspruch und Komödien setzt er.

Die Altersspanne der Besucher reicht dabei von 60 Jahren bis zu Hochaltrigen. Damit auch Senioren mit Mobilitätseinschränkung in den Kinosaal kommen, unterstützen Aktive aus dem Seniorenbeirat. An der Eingangstür steht häufig schon Anja Knüpfer vom Seniorenbeirat bereit, um gegebenenfalls den Älteren zu helfen. Thomas Knüpfer berichtet zugleich davon, dass sich viele Senioren schon verabreden und ganze Gruppen Tickets kaufen – einige kommen auch aus Basel oder Weil am Rhein zum Lörracher Seniorenkino, da dieses einen sehr guten Ruf genieße.

Neue Zielgruppe

In der online oder auch vor Ort erhältlichen Kinokarte für acht Euro sind auch der Sekt und eine Brezel enthalten.

Eigentlich finden Über-70-Jährige fast überhaupt nicht den Weg ins Lörracher Kino, berichtet der Theaterchef im Gespräch. Mit dem Seniorenkino werde daher eine neue Zielgruppe fürs Kino erreicht. Dass es Sekt am Nachmittag gibt, hatte ihn zu Beginn auch verwundert. „Das war aber eine sehr gute Idee.“ Und über die Seniorenbeirat-Unterstützung ist er so froh, da so die Besucher beispielsweise den Weg in den Saal und auch zu dem passenden Platz finden. Seniorenbeirats-Mitglied Gabi Schupp quittierte dies mit einem Augenzwinkern: „Es macht uns allen sehr viel Spaß und wir können uns dann kostenlos den Film anschauen.“ Weniger glücklich ist Schupp darüber, dass seit Corona kaum Rollstuhlfahrer mehr unter den Zuschauern sind. Diese würden keinen passenden Parkplatz in der Nähe finden.

Innenstadt belebt

Über die Jahre hinweg habe es auch einige Verbesserungen gegeben, bilanziert Hammler. Angesichts der geringeren Helligkeit im Kinosaal kommen bei der Sitzplatzzuweisung nun Taschenlampen zum Einsatz. Auch wird als Trailer schon der nächste Film beworben, der im Seniorenkino gezeigt wird. Und was sich auch laut Lazuk zeigt: „Die ganze Innenstadt wird vom Seniorenkino belebt.“ Weil aber nicht alle Besucher gleichzeitig nach dem Film ins Foyer strömen sollen, werden diese leicht zeitversetzt in den maximal fünf Sälen gezeigt.

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