Eine Investorengruppe will das Stoffdruckunternehmens KBC übernehmen und den Betrieb in Lörrach mit 200 Mitarbeitern weiterführen. Dieses Angebot ging an den KBC-Betriebsrat und liegt dem italienischen KBC-Eigentümer Imprima inzwischen vor. Imprima will in Lörrach bekanntlich maximal 120 der 380 Arbeitsplätze erhalten.

Von Guido Neidinger

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Lörrach. Der erst vor wenigen Tagen gewählte KBC-Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Fuhl sprach gegenüber unserer Zeitung von einem „seriösen Angebot“. Um welche Investorengruppe es sich handelt, wollte Fuhl noch nicht sagen. Im ersten Sondierungsgespräch zur Zukunft der KBC Ende der vergangenen Woche hat Fuhl die Arbeitgeberseite über das Angebot der Investorengruppe informiert. „Sie haben das zur Kenntnis genommen und sich nicht weiter dazu geäußert“, betonte Fuhl.

Der oberste Vertreter der Arbeitnehmer von KBC verhehlt nicht, dass ihm das Angebot gefällt, zumal nach seinen Worten Zweifel an den Aussagen von Imprima angebracht sind, 120 Arbeitsplätzen dauerhaft in Lörrach zu erhalten.

Die Befürchtungen sind nicht unbegründet, zumal die Mietverträge für das KBC-Gelände offenbar nur noch bis Oktober 2019 laufen.

Um Sicherheit bei den Arbeitsplätzen zu erhalten, fordert die Arbeitnehmerseite einen Standortsicherungsvertrag und Arbeitsplatzgarantien von Imprima. Laut Fuhl wurde auch diese Forderung von der Arbeitgeberseite zur Kenntnis genommen, mehr nicht.

Ohnehin kann Fuhl die Verlagerung der KBC-Produktion nach Norditalien nicht verstehen, weil dort das Lohnniveau mit dem hierzulande vergleichbar sei. Die von Imprima ins Feld geführten Synergieeffekte sind für Fuhl ebenfalls fraglich. Das zeige seine Erfahrung aus der Vergangenheit. „Was auf dem Papier gut aussieht, trifft später in der Wirklichkeit häufig nicht ein.“

Das Angebot von Imprima, bis zu 68 Arbeitnehmer aus de KBC-Belegschaft in Italien weiterbeschäftigen zu wollen zeigt für Fuhl, „dass auch in Norditalien ein Fachkräftemangel herrscht“. In der Belegschaft sei das Interesse allerdings „äußerst bescheiden“.

Von Arbeitnehmerseite habe man im ersten Sondierungsgespräch gut argumentiert, betonte Fuhl. Klar aber sei, dass es zwischen beiden Partieien „Interessenkollisionen“ gebe. Die Angebote der Arbeitgeberseite werde ein Wirtschaftssachverständiger prüfen, dann werde am 30. Mai weiterverhandelt.

Für die Arbeitnehmer verhandeln der KBC-Betriebsausschuss, bestehend aus fünf Betriebsräten, Thomas Bittner von der IG Metall und dem Fachanwalt Thomas Gnann. Auf der Gegenseite sitzen der Imprima-Finanzchef Moroni, KBC-Geschäftsführer Henri Rowienski und ein Anwalt.