Lörrach Sicher unterwegs auch ohne Sehkraft

Lörrach - Es gibt sie an Bahnsteigen, Fußgängerampeln und an der neu gestalteten Basler Straße: Die Rede ist von auffälligen weißen Bodenplatten mit Linien und Punkten. Doch nur die wenigsten kennen ihre Bedeutung. Es ist ein Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen.

„Die Rillen funktionieren als Leitstreifen und sollen blinde Menschen zu einer Straßenüberquerung oder zu einem Einstiegsfeld in Bus, Zug oder Straßenbahn führen“, erklärt Mischa Knebel, Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Südbaden, in einer Mitteilung. Die Leitstreifen werden auch als Führung zu wichtigen Zielen, wie Aus-und Eingänge, Treppen oder Aufzügen verwendet und helfen dabei, Hindernisse zu umgehen. „Das Blindenleitsystem dient zu einer sicheren Zielführung für blinde Menschen durch so genannte Bodenindikatoren“, schreibt Knebel.

In Lörrach ist das Leitsystem bislang vor allem an Ampeln in der Innenstadt sowie an Bahnhöfen verbaut. „Es wäre wünschenswert, wenn es mehr davon gibt“, sagt Dirk Furtwängler, Vorsitzender des Behindertenbeirats Lörrach, im Gespräch mit unserer Zeitung. Besonders an Ampeln, Zebrastreifen und Gleisen seien die besonderen Bodenplatten wichtig. Denn durch die sogenannten Noppenfelder werden blinde Menschen auf eine Abzweigung oder einen Richtungswechsel aufmerksam gemacht. Die Noppen dienen laut Knebel als so genannte „Aufmerksamkeitsfelder“. Vor einer Überquerung beispielsweise bei der Fußgängerampel zwischen Bahnhof und Agentur für Arbeit werden die Noppen als Aufmerksamkeitsgeber verwendet, um anzuzeigen, dass an dieser Stelle Vorsicht geboten ist, weil nach dem Aufmerksamkeitsfeld eine Fahrbahn zu überqueren ist. „Es ist überall dort sinnvoll, wo sich die verschiedenen Verkehrsträger treffen“, erklärt Furtwängler.

Die Stadtverwaltung hat das Thema laut Stephan Meier, Stellvertretender Fachbereichsleiter Straßen, Verkehr und Sicherheit, „bei Neu- und Umbauten immer auf dem Schirm“. Auch bei kleineren Erneuerungen des Belags an entsprechenden Stellen – vornehmlich im Innenstadtbereich wo es mehr Fußgängerverkehr gibt – werden die nicht ganz günstigen Bodenplatten eingebaut.

Hoher Kontrast zum übrigen Straßenbelag

„Das läuft automatisch und klappt gut“, lobt auch Dirk Furtwängler. Nach und nach werde so die Unterstützung für blinde und sehbehinderte Menschen im Stadtgebiet verbessert. Ein großer Wunsch für Furtwängler wäre der Einbau des Systems auf dem Marktplatz: „Das wäre aber Luxus.“ In weiten Teilen der übrigen Fußgängerzone sei es hingegen nicht erforderlich: „Da gibt es andere Orientierungshilfen.“

Für Personen mit Sehbehinderung, also für Menschen, die sich zwar ohne den weißen Blindenlangstock bewegen, aber trotzdem sehr schlecht sehen, ist ein Blindenleitsystem laut der Mitteilung des Vereins in Weiß gehalten, damit ein möglichst hoher Kontrast zum übrigen Straßenbelag entsteht. Ist der Belag hell, muss das Leitsystem in Anthrazit oder schwarz ausgeführt werden, denn Kontraste helfen schwachen Augen.

„Für blinde und stark sehbehinderte Personen, aber auch für ältere Menschen, die schlecht sehen, ist es sehr wichtig, durch ein Leitsystem in der täglichen Hektik beim Ein-und Aussteigen in ein Verkehrsmittel oder bei der Überquerung großer Kreuzungen eine sicher geführte Strecke vorgegeben zu bekommen“, schreibt Knebel. Allerdings komme es „immer häufiger vor, dass Leitlinien und Noppenplatten mit parkenden Autos, Fahrrädern, Werbeständern oder Tischen und Stühlen der Außengastronomie zugestellt und zugeparkt werden“. Das Leitsystem könne nur richtig angewendet werden, wenn die Leitlinien frei von Hindernissen seien. Diesen Vorwurf des Vereins mit Sitz in Freiburg kann Dirk Furtwängler für die Stadt Lörrach nicht bestätigen: „Das ist hier zum Glück nicht so ein Thema.“

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