Lörrach Sozial engagiert im Alter

Der Sport hält ihn fit: Hans-Joachim Kiessler. Foto: Gottfried Driesch

Lörrach - Während sich andere Menschen nach einem arbeitsreichen Leben zur Ruhe setzen, startete Hans-Joachim Kiessler zusammen mit seiner Ehefrau Renate mit einem eigenen Hilfsverein voll durch. Heute vollendet er sein 85. Lebensjahr.

Der Jubilar wurde am 11. Januar 1934 in Barcelona geboren. Beide Eltern waren Deutsche. Sein Vater besaß als Chemiker und Biologe ein eigenes Institut. In den Wirren des Spanischen Bürgerkriegs 1938 kam Hans-Joachim Kiessler nach Dessau, wo er einige Zeit bei Pflegeeltern lebte. Dort besuchte er auch die zwei ersten Klassen der Schule. Anschließend verschlug es ihn nach Hildesheim. Nach dem Krieg besuchte er das Gymnasium in Goslar und machte dort sein Abitur.

1968 bei den ersten Burgfestspielen auf der Bühne

Fast 20 Jahre verbrachte er beim Zoll in Süddeutschland. Doch das Leben als Zollbeamter brachte immer wieder Versetzungen mit sich. Schließlich hatte Kiessler die häufigen Umzüge satt, und er trat 1976 eine Stelle im Landratsamt Lörrach an, die er bis zur Rente im Jahre 1997 inne hatte.

Seine Frau Renate, geborene Sahner, lernte er während des Theaterspielens bei den ersten Burgfestspielen Rötteln im Jahr 1968 kennen. „Markgraf Ernst und der Bauernaufstand“ hieß das Stück. Der Jubilar spielte den Amtmann Hans von Lichtenfels, seine heutige Frau eine Bäuerin. Bis zur Hochzeit dauerte es aber noch bis 1975. Aus der Ehe ging eine gemeinsame Tochter hervor.

Für beide ist es die zweite Ehe. Hans-Joachim Kiessler brachte vier Söhne mit, Renate Kiessler zwei Kinder. Alle zusammen führen heute ein großes Familienleben mit 16 Enkeln und zwei Urenkeln.

Ein Aufruf unserer Zeitung sollte das Leben des Ehepaares im Jahre 1993 völlig umkrempeln: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte Die Oberbadische gebeten, bedürftigen Familien in Russland Pakete zu schicken. Nach einer Reise nach Moskau, bei der sich das Ehepaar von den prekären Verhältnissen vor Ort selbst ein Bild machen konnte, gründete der Jubilar mit 20 Gleichgesinnten den Verein „Familien helfen Familien“.

„Unser erster Transport startete mit 1000 Paketen“, erinnerte sich der Jubilar. Schon der dritte Transport sei mit drei großen Lastwagen durchgeführt worden. Alle Adressaten wohnten im Großraum Moskau. Unterstützung habe man von der Firma Suchard und den Christlichen Kirchen in Lörrach erfahren.

Im Laufe der Zeit seien die Transporte durch aufkommende Korruption schwieriger geworden. Eine Zeit lang habe man darum die Hilfslieferungen in die Ukraine geleitet. 2014 hat der Verein seine Arbeit beendet.

Hans-Joachim Kiessler ist begeisterter Turner und noch immer in zwei Vereinen aktiv. Mit seiner Frau auf dem Sozius unternahm er außerdem große Reisen mit dem Motorrad. 20 Jahre war er als Erster Bass im Männerchor Tumringen aktiv. Lange betreute er als Imker acht Bienenvölker. Und bei schlechtem Wetter widmet er sich leidenschaftlich dem Puzzeln.

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