Lörrach Spielobjekt in Haveners Händen

„Bitte alle den rechten Fuß kreisen lassen“: Thorsten Havener gibt die Richtung vor. Foto: Meller Foto: Die Oberbadische

Von Kristoff Meller

Lörrach. Er errät das Lieblingsland eines Mannes, indem er dessen Hand berührt, deckt fast jede Lüge auf und findet sogar eine im Zuschauerraum versteckte Stecknadel – Thorsten Havener ist ein Phänomen. Der Experte für Körpersprache und nonverbale Kommunikation hat das Publikum im Burghof am Dienstag bereits nach seinem Einmarsch um den Finger gewickelt und lässt es bei seinen interaktiven Experimenten wie eine Armee von Theaterpuppen tanzen. Kommandos wie „Bitte alle einmal aufstehen und den rechten Fuß kreisen“ werden gehorsam ausgeführt.

Der Gedankenleser bringt dem Publikum in seinem Programm „Ich weiß, was du denkst“ nicht nur die Grundlagen der Körpersprache näher, sondern gibt auch Tipps für das erste Date. „Nicht der Kopf sondern die Füße sind entscheidend“, erklärt der 41-jährige Wahl-Münchner. Man sollte genau auf die Fußspitzen des Gegenübers achten. Zeigen diese in eine andere Richtung, wäre die Liebste lieber an einem anderen Ort. Denn während viele Menschen in der Lage sind, ein Pokerface aufzusetzen, könnten nur die wenigsten auch mit ihren Füßen bluffen.

Der diplomierte Übersetzer versetzt sein Publikum immer wieder ins Grübeln und Staunen, will vor allem aber unterhalten. Dass er dabei Ratschläge, wie dass man zwei Aufforderungen stets miteinander verbinden sollte, schon mal mit einem eher plumpen Beispiel serviert: „Geh nach draußen und bring den Müll raus“, oder den Tipp für eine Lügengeste – das Anfassen des Ohrläppchens – bis zum Showende als Dauerwitz durchexerziert, quittiert ein Großteil des Publikums dennoch stets mit einem Lachen.

Auf der Suche nach Versuchskaninchen für seine interaktiven Experimente schreitet der Entertainer immer wieder mit schnellem Schritt um die beinahe bis auf den letzten Platz gefüllten Stuhlreihen. „Hoffentlich nimmt er nicht mich“, denkt wohl ein Großteil der Besucher. Erst sein Vorbeischreiten sorgt für kollektive Entspannung der Reihe. Einmal ruft Haveners Marsch sogar einen spitzen Angstschrei bei einer Zuschauerin hervor. Das ist selbst der Gedankenleser für einen Moment überrascht.

Der Autor dieser Zeilen sitzt hingegen ganz entspannt direkt am Gang und hält demonstrativ Block und Kugelschreiber in der Hand – bis zu dem Satz „Bitte stehen Sie auf und kommen Sie auf die Bühne.“ Doch auch mir geht es nicht anders als den anderen Opfern im Rampenlicht. Gemeinsam mit meiner Frau werde ich zum Spielobjekt in Haveners Händen. Meine Frau sucht scheinbar ohne seine Beeinflussung exakt das zuvor von mir geschossene Polaroid-Foto aus einem Bilderstapel heraus, obwohl keiner von uns Dreien wissen kann, an welcher Stelle der rund 60 Bilder sich mein Exemplar befindet, nachdem ich diese gründlich durchgemischt habe.

Neben solchen Zaubertricks stellt Deutschlands derzeit wohl populärster Gehirnakrobat allerdings auch seine Konzentrationsfähigkeit unter Beweis. In der Schlussnummer gestaltet Havener ein in der mathematischen Fachwelt als „Magisches Quadrat“ bekanntes Objekt aus 16 Zahlen, deren gemeinsame Zeilen-, Spalten- und Diagonalensumme die selbe Zahl ergeben. Diese gesuchte Ziffer zwischen zehn und 100 wurde zuvor von einem weiteren Freiwilligen auf einen kleinen grünen Zettel geschrieben, den Havener nicht zu Gesicht bekommt. Dennoch wählt er die Zahlen in den 16 Kästchen so aus, dass alle Summen 56 ergeben – genau wie auf dem grünen Zettel. Das Publikum ist begeistert, Haveners Fähigkeiten bleiben aber ein Mysterium. Denn auch wenn nach zwei Stunden kein Vorhang fällt, sondern tosender Applaus ertönt, bleiben fast alle Fragen offen.

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