Von Walter Bronner

Weil am Rhein. Zu den vielfältigen Bemühungen, das schon lange aus dem Gleichgewicht geratene Verhältnis zwischen Schriftsprache und Mundart zu verbessern und vor allem letzterer mehr zu ihrer urigen Redensart zu verhelfen, gehört die von Manfred Markus Jung initiierte Internationale Mund-Art Literatur-Werkstatt. Alljährlich treffen sich da kreative Dialektautoren vor Publikum, um Neues aus ihrer Poesie- und Prosawerkstatt zu präsentieren.

Dass die Auslese sich dabei nicht auf den alemannischen Sprachraum beschränkt, macht diese Begegnung umso spannender. Bei deren 26. Auflage in der städtischen Galerie Stapflehus Weil am Rhein (Wiederholung tags darauf in Schopfheim) kamen mit Gerlinde Altmeyer und Karin Amfelder denn auch zwei von weither angereiste Autorinnen zu Wort.

Erstere ist im österreichischen Pinzgau zu Hause, wo „d‘ Leut hoam kema“ und den Rucksack „auslaarn“, wie das in einem ihrer knapp formulierten Gedichte anklingt. Die Autorin mit Gespür für das Groteske im Alltäglichen brillierte unter anderem mithilfe des Weiler Kulturamtsleiters Tonio Passlick (in treudeutscher Beamtenrolle) als Behördengängerin mit totem Vogel.

Das Erzgebirge ist die angestammte Heimat der Lehrerin Amfelder, deren lyrische „Bergkristallspitzen“ sich in Sentenzen wie „wurzeln möchte iech net hobn – su verwurzelt sei wie du“ manifestierten.

Gast aus dem nordbadischen Pfinzgau, wo man Südpfälzisch spricht, war Wolfgang Müller. Er erfreute mit seinen lyrischen und prosaischen „Gutsele“, die auch so bedenkenswerte Erkenntnisse enthalten wie „“S’isch schnell bassiert, dass ma – obwohl ma d’Kälte scho spiert – de letschte Funke Hoffnung verschwitzt“.

Markus Manfred Jung beeindruckte unter anderen mit seinen auf Aphorismus-Format reduzierten „Liebegedichten“ und bot mit der alemannischen Umdichtung der „Häschenschule“ von Fritz Koch-Gotha eine höchst vergnügliche, wenngleich pädagogisch nicht mehr zeitgemäße Kinderbuchlektüre.

Zu Wort kam schließlich noch der oberelsässische Sprachjongleur Edgar Zeidler, der das Weltgeschehen aus einer speziellen Warte betrachtet und seine Beziehungskisten als „Wackelkontakte“ apostrophiert. Sein Verhältnis zur „Weltkültür“ kulminiert in Sätzen wie „Ohre süge Krachmüsik üf, s’Trommelfell plátzt!“. Zwar keine leise, aber keineswegs Krachmusik steuerten die beiden Schopfheimer „Knaschtbrüder“ Jeannot und Christian Weißenberger mit ihren witzgetränkten deftigen Mundartgesängen wie „s‘ Dreiländerck“, „de chleine Unterschied“, „Doddelwetter“ und „d‘ Berta“ (Text: Otto Bürgelin) bei.

Als fleißig schwäbelnder Moderator des Abends profilierte sich Hebelbund-Vizepräsident Volker Habermeier, unter anderem mit der Einsicht Thaddäus Trolls, der in seiner „Ortsbestimmung“ den „Dialekt als Dialektik“ ins rechte Licht setzte.