Lörrach Steine der Erinnerung und Mahnung

 Foto: Karin Richtert/zVg     

Lörrach  - Im Herbst sollen in Lörrach die ersten Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Lars Frick, Leiter des Fachbereichs Kultur und Tourismus im Rathaus, ist zuversichtlich, dass dies trotz Corona-Pandemie klappt.

Stolpersteine sind Gedenktafeln aus Messing, die an Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus verfolgt, deportiert, umgebracht oder in die Flucht getrieben wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat seit 1992 rund 75 000 Stolpersteine in Deutschland und 21 europäischen Ländern verlegt. Die Steine werden vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz der Opfer in den Gehweg eingelassen.

Teil der Erinnerungskultur

In Lörrach sollen die Stolpersteine Teil der Erinnerungskultur werden. Eine offene Arbeitsgruppe hat seit Juni 2018 im Auftrag des Gemeinderats ein Konzept erarbeitet.

Die gesamte Geschichte der Stadt soll mit folgenden Schwerpunkten dargestellt werden: „Demokratiegeschichte in Lörrach“, NS-Zeit, Lörrach als politisches Zentrum der Region, Industriegeschichte, Grenze, Flucht und Migration in der Stadt, jüdisches Leben sowie Kunst und Künstler in Lörrach. Themenwege sollen entstehen und ein zentraler Ort der Erinnerung, der auf dem Marktplatz denkbar wäre. Einbezogen werden sollen Lörrachs Menschen- und der Kinderrechtsweg sowie die Stolpersteine.

Bei der Aufarbeitung der NS-Zeit spielen die Forschungen des Historikers Robert Neisen zum Nationalsozialismus in Lörrach sowie in Brombach, Haagen und Hauingen, die damals selbständig waren, eine große Rolle. Das Dreiländermuseum will die Forschungsergebnisse zur NS-Zeit in den Ortsteilen mit der Ausstellung „Kunst und Nationalsozialismus“ ab August zeigen. Stadtrat und Historiker Hubert Bernnat stellte der Arbeitsgruppe „Erinnerungskultur“ einen Vorschlag für einen Rundweg zur NS-Zeit vor.

Außerdem soll dargestellt werden, wie Juden seit 350 Jahren die Stadtgeschichte von Lörrach mitprägen. Jürgen Schaser von Stadtarchiv und der Regionalhistoriker Ulrich Tromm machten der Arbeitsgruppe „Erinnerungskultur“ daher einen Vorschlag für einen Rundweg „Jüdisches Leben“. Der Weg soll am Marktplatz, wo die alte Synagoge 1938 zerstört wurde, und an der 2008 neu eingeweihten Synagoge vorbeiführen. Außerdem soll er an Geschäfte erinnern, die bis zur Vertreibung ihrer jüdischen Besitzer im Nationalsozialismus zu Lörrach gehörten, etwa das Schuhhaus Bodenheimer oder das Kaufhaus Knopf.

Erinnerung an Schicksale

Markus Hofmann, der seit 2017 in Lörrach lebt, setzt sich für Stolpersteine als Form der Erinnerung ein. „Aus anonymen Opfern sollen wieder Nachbarn werden“, sagt er. Vor allem für die junge Generation müssten die Schicksale von Lörrachern, die Opfer der Nationalsozialisten wurden, als Mahnung in Erinnerung bleiben. Wichtig ist ihm dabei, die Schicksale von Menschen darzustellen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, neben jüdischen Bürgern auch politische Gegner des Regimes, Zeugen Jehovas, behinderte oder homosexuelle Menschen.

In Lörrach wurde immer wieder über Stolpersteine diskutiert. Bedenken kamen aus der jüdischen Gemeinde, weil Passanten die Namen der Opfer auf den Steinen erneut mit Füßen treten oder weil Hunde dort ihr Geschäft verrichten könnten. Bei einer Gemeindeversammlung im Dezember 2018 sprachen sich jedoch die meisten Mitglieder für Stolpersteine aus. „Jetzt wo die Zeitzeugen weniger und weniger werden, ist es wichtig, die Erinnerungskultur zu pflegen. Stolpersteine sind ein Teil davon“, betont Rabbiner Mosche Flomenmann.

Markus Hofmann hat nicht als Einziger bei der Stadt Vorschläge gemacht, für wen im Herbst Stolpersteine verlegt werden sollten. „Drei Initiativen haben Vorschläge eingereicht“, sagt Lars Frick: für jüdische Opfer des Nationalsozialismus, für ein homosexuelles Opfer und für eine Familie, die sich zu den Bibelforschern – heute Zeugen Jehovas – bekannte.

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