Lörrach Steiniger Weg zur Nachhaltigkeit

Willi Vogl
Bestsellerautor und früherer Greenpeace-Leiter Thilo Bode im Gespräch mit Maria Exner Foto: Willi Vogl

Die Schöpflin-Stiftung hat am Samstag aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehen ihre Türen geöffnet und gewährte zahlreichen Bürgern einen vielfältigen Einblick in ihre sozialen, pädagogischen und gesellschaftspolitischen Arbeitsfelder.

Von Willi Vogl

Lörrach-Brombach. So gab es am Samstag Workshops mit Förderpartnern zu Themen wie „Menschen willkommen – freiwillige kommunale Aufnahme von Geflüchteten“ oder „Hass im Netz – wie er unsere Debatte verändert und sich Betroffene dagegen wehren können“. Kreative Mitmachangebote wie „Graffiti, Linoldruck, interaktives Aufklapptheater für Kinder; Lieblingsgeschichten in Musik“, der Workshop „Zukunftsbrillen“ oder die interaktive Ausstellung „Das Brombachische Ohr“ lockten vor allem Kinder und ihre Eltern an.

Führungen

Führungen gab es in der neuen Schule, dem Kinderhaus, dem Fabric/Schöpflin-Quartier, dem Quartierentwicklungsprojekt und der Villa Schöpflin, dem Zentrum für Suchtprävention. Im bunten Wechsel klang Musik auf der extra aufgebauten großen Bühne.

Dabei präsentierten sich der Kinderchor Lörrach, Julian Joist, der Chor Brombach, Pop- und Rocksongs auf dem Cello, die Fabric-Jam-Band und eine Tanzperformance mit Mentor Shalijani. Der Eintritt war frei. Kostenlose Speisen und Getränke von regionalen Anbietern zauberten auch am regnerischen Samstag ein Lächeln auf die Gesichter der jungen und älteren Besucher.

Gespräche

Podiumsgespräche im Werkraum und der Schulaula beleuchteten vor allem gesellschaftspolitische Themen. So nahm der Soziologe und Publizist Harald Welzer mit „Darf man das noch sagen?“ zum Thema Meinungsfreiheit und Demokratie Stellung. Die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters Berlin Shermin Langhoff äußerte sich mit „Wie systemrelevant ist Kultur“ über politisches Theater, Kunst und Aktivismus.

Zum Jubiläumsanlass „20 Jahre Schöpflin Stiftung“ konnte man mit der Familie Schöpflin ins Gespräch kommen, und mit Staatssekretär Volker Schebesta hatte man zum Thema „Zukunft der Bildung – Bildung der Zukunft“ einen administrativ und politisch gestaltenden Ansprechpartner aus dem baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport auf dem Podium.

Traditionell hat die Stiftung nicht nur regionale Projekte und Themen auf der Agenda, sondern auch nationale und international brisante Themen im Blick. Somit verwundert es nicht, dass man sich auf dem Podium Spitzenvertretern ihres Metiers gegenüber sah.

Autor und Aktivist

Maria Exner, ehemalige Chefredakteurin des ZEITMagazins und Gründungsintendantin von „Publix“, sprach mit Thilo Bode über zivilgesellschaftliches Engagement und die Frage, wie wir als Bürger unsere Souveränität zurückerobern können.

Der Bestsellerautor und Aktivist  Bode war Leiter von Greenpeace Deutschland und Greenpeace International, bevor er 2002 die Verbraucherschutzorganisation „foodwatch“ gründete. In seinem aktuellen Buch „Die Diktatur der Konzerne“ beschreibt er, wie internationale Konzerne politische Entscheidungen beeinflussen und ihre Macht ausnutzen.

Bereits als Mitglied der Jusos in einer Ortsgruppe am Ammersee entwickelte sich bei Bode die Motivation, „in den gesellschaftlichen Untergrund“ zu gehen. Nach einer Ankettungsaktion an einen Baum in Kanada musste er ins Gefängnis.

Ruf nach radikalen Schritten

„Wir kämpfen für eine Welt, in der wir leben können“, ist das Motto von Greenpeace. Bode sah seine Aufgabe darin, diese Welt und die Voraussetzungen hierfür konkret zu definieren. Die Probleme und ihre Lösungen seien inzwischen bekannt, und er frage sich, warum sie nicht umgesetzt würden.

„Wenn wir die Klimaerwärmung bekämpfen wollen, müssen wir auf fossile Energieträger verzichten“, forderte er mit Blick auf die derzeit 85-prozentige Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

Dabei sehe er Lösungen nicht in kurzfristigem populären Aktivismus und sei sich bewusst: „Wenn wir eine nachhaltige Gesellschaft haben wollen, wird alles teurer. Ich muss die Leute mitnehmen, die am Ende des Monats kein Geld mehr haben, sonst haben wir gegen die Konzerne keine Chance.“

Um „ein anderes Verständnis für soziale Sicherheit“ zu schaffen, sei eine Reihe von Voraussetzungen notwendig. So müssten etwa die Subventionen für fossile Energieträger gestrichen werden; Sozialabgaben dürften bei höheren Einkommen nicht gekappt werden.

Weitere Situationsbeschreibungen und Impulse gab Bode zu den Bereichen Ernährungsgewohnheiten, CO 2-Ausstoß in der Landwirtschaft im Verhältnis zum Verkehr, zu den Vorteilen aber auch zur vehementen Abwehrstrategie der Konzerne in Bezug auf den Nutri-Score oder die begrenzte Macht der Verbraucherverbände.

Heute, fern des operativen Geschäfts von Non-Profit-Organisationen, sei er davon überzeugt, dass der Weg auf der sozialen Schiene die Menschen weiterbringe: „Wenn wir eine kritische Masse erzeugen, wird sich auch etwas ändern.“

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