Lörrach Stilsichere Experimentalmusik

Die Saxofonistin Alexandra Lehmler überrascht mit einem persönlichen Stil. Foto: Ursula König Foto: Die Oberbadische

Von Ursula König

Lörrach. Ohne Worte – „sans mots“ – so will sich die Saxofonistin Alexandra Lehmler auf den Bühnen mitteilen. Und so heißt auch ihre aktuelle Platte. Am Freitagabend war das Alexandra Lehmler Quartett auf der Bühne des Lörracher Jazztone mit Kostproben ihres Albums zu hören; zwar nicht in der angekündigten Besetzung, doch Freunde zeitgenössischer Jazzmusik kamen ganz auf ihre Kosten.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Sets lief die Musikerin zu Höchstform auf, entlockte Sopran- und Baritonsaxofon geschmeidige melodische Klänge und stand in harmonischer Interaktion mit ihren Mitstreitern.

Sie habe schon viel vom Jazztone gehört. Jetzt sei sie endlich auch mal da, erklärte Lehmler zu Beginn, bevor sie die aktuelle Besetzung vorstellte: Matthias Debus am Bass, Dominik Fürstberger am Schlagzeug sowie den Pianisten Apollonio Maiello. Allesamt sind, so wie Lehmler auch, renommierte Größen in der Jazzszene; ausgezeichnet mit einigen hochkarätigen Preisen. Das Quartett steht für frischen modernen Jazz, der viele Anleihen aus der Weltmusik einbezieht und sich zu einem eigenen Stil formt, der die Persönlichkeit der Musiker gut zur Geltung bringt.

„Sans mots“ steht für das Pendeln zwischen Welten; oft dynamisch und tempotreibend, aber auch mit sanfteren Anklängen.

So zeigt der Anfang des Konzerts mehr die brillante Technik des Quartetts. Die elegant geprägten Ausdruckslinien des Sopransaxofons geben das Motto vor, das mit klarem, stellenweise kühl wirkendem Spiel von Piano und Bass aufgegriffen wird. Fürstberger hält sich zunächst am Schlagzeug zurück, untermalt eher sparsam aber mit feinem Gespür für die Atmosphäre, die Lehmler vielseitig wandelt. Klare Formen und Motive verbinden sich mit groovender Virtuosität, um kaum merklich zu verspielteren, harmonischeren Stücken überzuleiten.

Hier zeigt sich deutlich Lehmlers Vorliebe, sich in der französischen Jazzszene umzusehen, die durch traditionelle Musikformen aus den Zuwanderungsländern geprägt ist.

Mit Alt- und Baritonsaxofon verleiht sie ihren Stücken eine warme, gefühlsbetonte Färbung, die sie fein nuanciert auf ihre Themen abstimmt. So ist das zweite Stück, „Route du soleil“, dem Süden Frankreichs gewidmet und lässt bereits zu Beginn des Abends die farbige Klangpalette des Quartetts erahnen, die sich nach und nach entfalten wird.

Ein besonderes Klangerlebnis bietet das Stück „Choral“, das zweifellos zu einem der glanzvollsten Höhepunkte des Abends zählt. Beeinflusst vom Nachhall der Töne in einer Kathedrale, steigt Debus am Bass mit einer eigenwilligen Klanggestaltung ein. Diese schafft einen spannungsgeladenen Bogen zum dynamischen Spiel der Musiker, die einen höchst eindrucksvollen Aufbau des Stückes kreieren, das bis zum Ende mit einer raffinierten Ausdruckskraft begeistert: sakral anmutend und mystisch.

So wird der Abend mit dem Quartett zu einer abwechslungsreich gestalteten Reise durch experimentelle Jazzformen, die seltsam vertraut wirken können. Feinsinnig aufeinander abgestimmt und aufmerksam miteinander agierend steigerte das Quartett viele Stücke zu einer Intensität, welche die Kunst der leisen Klänge stilsicher mit rockigeren Elementen verband.

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