Lörrach Stimmen-Genies schaffen Karibik-Flair

 Foto: Dorothee Philipp

Lörrach - Was für ein Auftakt! Sechs Stimmen-Genies aus Kuba, karibische Rhythmen, Musik mit Temperament, Poesie und Leichtigkeit – besser hätte das 26. Lörracher Stimmen-Festival nicht starten können. Das Publikum war locker und strömte erwartungsfreudig in den Burghof. Das für den Anlass eher strenge Gegenüber von Bühne und Stuhlreihen ist im Nu vergessen, als das Sextett Vocal Sampling die ersten Paukenschläge und Trompetenstöße in den Saal schickt.

Dieser etwas andere Männerchor bringt es mit reiner Vokalartistik fertig, ein ganzes Orchester aufmarschieren zu lassen, sogar ein Didgeridoo wird im Lauf des Abends sein magisches Röhren ertönen lassen.

Und singen können die sechs natürlich auch noch exzellent. Mit Banjo-Klängen und dem lustvollen Jaulen gestopfter Trompeten untermalt entfaltet der Ohrwurm „Guantanamera“ seine wiegenden Rhythmen, die sofort auf das Publikum übergreifen.

Eine besondere Rolle spielt „Schlagzeuger“ Pedro Guillermo, der gegen Ende des Konzerts ein opulentes Solo hinlegt: mit zischenden Jazzbesen, hart klackernden Trommelwirbeln, dem dumpfen Pochen der großen Pauke und atemberaubenden Accelerandi. Dafür erhält er frenetischen Beifall.

Die Hommage an die Großväter der kubanischen Musik vom Buena Vista Social Club gelingt als herrlich nostalgisches Mundkunst-Klanggemälde, in dem auch eine „Piccoloflöte“ mitmischt. Man glaubt, die legendären Alten selbst zu hören, sprühend vor Lebenslust und tausend musikalischen Einfällen.

Immer wieder bricht lauter Szenenbeifall aus, der die Künstler auf der Bühne anfeuert. Bob Dylans „Blowing in the wind“ kommt mit einem leicht ironischen Touch herüber, das sentimentale Pathos hat karibischem Lebensmut Platz gemacht, die Musik ist leichtfüßig, agil, aber nirgends oberflächlich.

Auch die karibische Version von „Every breath you take“ von Police ist in ihrer genussvollen Länge ein echtes Hörvergnügen mit sanfter Motorik im Hintergrund und einer fast magischen Präsenz der Singstimmen. Beide Coverversionen stammen von der neuen, inzwischen siebten CD „Así de Sampling“ der Truppe, die schon seit den frühen 1990er Jahren zusammen spielt.

Eine witzige, lässige Choreografie sorgt für gute Laune und Bewegung auf der Bühne, die Lichtshow ist nur angedeutet, auch bei den Kostümen der Musiker scheint das Zufallsprinzip, was gerade vorne im Kleiderschrank hängt, zu regieren. Sympathisch, wie alles auf die Musik und ihre erstaunliche Vielfalt fokussiert ist.

Frenetisch bejubelt wird das „Kontrabass“-Solo von Oscar Porro Jimenez, zuerst im sanft-samtigen Jazzkeller-Modus, dann mit dem imaginären Bogen gestrichen. René kann auch Frank Sinatra, er kommt mit Hut und diesem verführerischen Bariton auf die Bühne, während die anderen mit Sonnenbrillen geschmückt die sinnlich-laszive Begleitmusik zu „Give me five minutes more“ herbeizaubern.

Ein Höhepunkt in diesem beflügelnden Konzert ist „Hotel California“ von den Eagles mit satten Gitarrenriffs und hypnotisierender Melancholie. Auch das Publikum hat reichlich zu tun und ahmt vergnügt die Melodiestücke nach, die Rene Banos Pascal vorgibt. Da kommt sogar so etwas wie Zweistimmigkeit heraus, wenn die „Trompeten“ gegen die „Posaunen“ antreten. Man steht auf, wiegt sich in den Hüfen, klatscht in die Hände, der Burghof wird zum karibischen Strand.

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