Lörrach Stimmgewaltig und berührend

Der Chor 72 begeistert in der TonArt Aula des Hebelgymnasiums. Foto: Willi Vogl

Lörrach - Der Chor 72 präsentierte sich in der TonArt Aula des Hebelgymnasiums mit einem Frühlingskonzert unter dem Motto „Frisch auf drum, frisch auf drum im hellen Sonnenstrahl!“, dem Anfang der dritten Strophe des wohl bekanntesten Maienliedes „Der Mai ist gekommen“. Dabei begeisterte der Chor mit zur Jahreszeit passenden Männerchören, Folksongs aus England, Schottland und Irland sowie Spirituals und Gospels das Publikum in der voll besetzten Aula.

Moderator Bernd Vollmer freute sich über die Rückkehr des langjährigen Chorleiters Herbert Kaiser. Er sei mit seiner mitreißenden Leidenschaft und Begeisterung der Garant für eine zeitgemäße Entwicklung des Chores.

Wenngleich das Ensemble seit seiner Gründung 1972 und Kaisers Dirigat seit 1976 in die Jahre gekommen ist, hat es nichts von seinen ursprünglichen konzertanten Qualitäten eingebüßt. Die Entdeckerfreude von Chorleiter und Chor in traditionellen Repertoirebereichen und die allseitig spürbare Intensität und Lust in der Präsentation übertrugen sich auch auf das Publikum.

So sang der Chor etwa zum ersten Mal mit „Schpaate Früelig“ ein Lied in Schweizerdeutsch oder stellte eine Männerchorbearbeitung von Franz Schuberts „Im Abendrot“ dem Original mit der Solistin Marga Lederle gegenüber. Lederle ist dem Männerchor langjährig verbunden und lockerte die chorische Präsentation mit Mozarts volksliedhaften „Komm lieber Mai“ und englischsprachigen Beiträgen auf. Dabei geriet ihr etwa mit Rolf Løvlands Gospel „You raise me up“ eine besonders gefühlvolle Interpretation.

Nicht minder berührend präsentierte sie sich im Duett mit dem Solisten Reiner Faller im Gospel „Loch Lomond“. Mit Blick auf die eigene Chorgeschichte und die Endlichkeit irdischen Lebens hinterließen Lederle und die geschmeidige Baritonstimme Fallers mit „Auld Lang Syne“ einen besonders innigen Eindruck.

Mit Bernhard Jehle, Edward Adelmann, Ralf Hess und Werner Turowski warteten vier weitere choreigene Solisten mit respektablen Beiträgen auf. In Bruce Trinkleys Ballade „Brennan on the moor“ sangen sie die Geschichte des irischen Räubers und Volkshelden. Kaisers Probenanweisung „grimmig und laut“ zu singen führte beim Konzert zu einer kurzweiligen wie stimmgewaltigen Präsentation, bei der man sich gleichsam in ein irisches Pub versetzt fühlte.

Moderator Bernd Vollmer fragte sich angesichts des drohenden Klimawandels, ob man noch Sehnsucht nach dem Frühling haben dürfe. Vielleicht könne man sich auf den Planeten Cybertron, der Heimat intelligenter Maschinen aus dem Film „Transformers“, retten. Justin Förster musizierte eine vollgriffige Klavierbearbeitung des Soundtracks und lotete die melancholischen bis düsteren Farben dieses Poptitels aus.

Der „unersetzliche“ Florian Metz war ein kompetenter wie vielfältig gestaltender Partner am Klavier. Kaiser setzte auf stimmliche Intensität, und die Sänger folgten seiner plastischen Animation. Darüber hinaus überzeugte der Chor mit erstaunlich differenzierter Dynamik und flexibler Tempoführung. Begeisterung.

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