Lörrach Stimmlich stark und einfühlsam

Neben der charismatischen Sängerin glänzen aber auch ihre Mitmusiker mit beeindruckenden Solopassagen Foto: Beatrice Ehrlich Foto: Die Oberbadische

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Kaum ist der Herbst da, macht auch das Jazztone, Clublokal des Lörracher Jazzclubs 56, wieder von sich hören. Ein Saisonauftakt nach Maß war das Konzert der niederländischen Jazz-Sängerin Masha Bijlsma mit ihrer Band.

Ursprünglich Sängerin einer Hardrock-Band gehört die 48-Jährige aus Utrecht heute zur ersten Garde europäischer Jazz-Sängerinnen. Von laut zu sanft: Mit ihrer betörend tiefen, facettenreichen Stimme ließ sie die Zuhörer oftmals in eine Klangwelt wie aus weicher Watte eintauchen – ein Abend ohne Stress und für Genießer.

Doch die mit allen Wassern gewaschene Vollblut-Musikerin kann auch anders: Mit Einsprengseln afrikanischer und orientalischer Klangwelten entführten sie und ihre Mitmusiker –­ neben ihrem Ehemann Dreis Bijlsma am Schlagzeug waren das Bart van Lier an der Posaune, Martin Sasse am Piano und Ruud Ouwehand am Kontrabass – ihr Publikum teils auch in reizvolle, exotische Gefilde. Zu verdanken ist dies Abbey Lincoln (1930 bis 2010), Sängerin, Komponistin, Texterin und politische Aktivistin des Black Power Movements in den USA, der Bijlsma dieses Konzert gewidmet hat. Intensiv hat sie sich mit dem Repertoire und insbesondere den politischen Anliegen der bewunderten Kollegin auseinandergesetzt.

Ein Fest der tiefen Töne: Was sofort auffällt, ist der ausgefeilte und harmonische Zusammenklang von Stimme und Posaune, den die Frontfrau mit Bart van Lier an ihrer Seite zu einem echten, sehens- und hörenswerten Markenzeichen ihrer Band weiterentwickelt hat. Teilweise verfließen die beiden zu einem gemeinsamen Klang, Stimme und Instrument werden eins. In dem Stück „African Roots in Jazz“ wird diese Kunst unter anderem in Vollendung vorgeführt. Temperament und unbändiger Gestaltungswille prägen die beiden Stücke „Up Jumped Spring“ und „Night in Tunesia“ – verheißungsvoll wechselt Bijlsma zwischen einschmeichelnden Melodiebögen und erregtem Staccato, hier zeigt sich exemplarisch die ganze Klangvielfalt einer über viele Jahre geübten Jazz-Stimme.

Ein beeindruckendes Solo nur mit Schlagzeugbegleitung eröffnet die zweite Konzerthälfte („Tender Rose“). Stimmlich stark und einfühlsam zeichnet Masha Bijlsma das eindrucksvolle Bild einer jungen Frau. In „Africa“, ebenfalls mit Text von Abbey Lincoln, zitiert sie John Coltrane.

Neben der charismatischen Sängerin glänzen aber auch ihre Mitmusiker mit beeindruckenden Solopassagen, allen voran Bart van Lier mit seinem schier unerschöpflichen Klangspektrum an der Posaune, aber auch der fabelhafte Pianist Martin Sasse, der an seinem Instrument in dieser Konstellation oft für die helleren Klänge zuständig ist und mit seinem souveränen, glasklaren Spiel nachhaltige Akzente setzte.

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