Vom Dreiländereck in die weite Welt: Neun Schnitzelbängg durchstreiften am Samstag lokale Themen und die große Politik. Dabei gab es keine Tabuthemen – sehr zur Freude der Besucher der „Fasnachts-Kommeedi“ im vollbesetzten Gemeindehaus von St. Fridolin.

Von Ursula König

Lörrach. Schräger Humor, kernige Themen und spritzige Unterhaltungsmusik prägten einen Vorfasnachtsabend, der so kurzweilig wie amüsant war. Die „Zündkerze“, Gastgeber des Abends, hatten ein ausgefeiltes Programm auf die Beine gestellt, um die „Vielfalt der Schnitzelbängg aus der Region“ zu zeigen, wie Joachim Gottschalk einführte.

Basler Bängg sind in der Mehrheit

Fast hätten es die „Schnapsbagge“ aus Basel nicht rechtzeitig geschafft. Sie waren in der Stadt einkaufen, und die Mehrwertsteuer wollen sie sich auf der Heimfahrt zurückholen. Die Basler Bängg sind in der Mehrheit. Und wie die Weiler „Quärulante“, „Die Letschte vo Röttle“, „D’Märtwiiber“ aus Tumringen, nehmen sie das nachbarschaftliche Verhältnis unter die Lupe.

Während gewisse Animositäten zwischen Weil am Rhein und Lörrach nicht erstaunen, scheinen die Basler eher die Weiler im Visier zu haben. Spitze, nachbarschaftliche Hiebe, süffisant verpackt, das amüsiert den Abend über. Vor allem „die kulturelle Abordnung aus Weil“ freut sich über die Gelegenheit, den Lörrachern kräftig etwas heimzahlen zu können. Mit Ritter, Burgfräulein und Edelmann starten „die Letschte vo Röttle“ zu neuem Funkenschlag und greifen das Thema Fasnachtsfeuer auf: Sie sind überzeugt davon, dass die Basler morgens um vier Uhr das Licht löschen, damit sie von den glühenden Scheiben nicht getroffen werden. Und dieses „Angstgehabe“ solle nun zum Weltkulturerbe ernannt werden. Auch der „neue Markgräfler“ scheint in dieser Situation wenig Trost zu bieten: Schließlich könne man ab 22 Uhr nichts mehr zu trinken bekommen.

„D’Märtwiiber“ allerdings beschwören die „ewigi Liebi“ zwischen der Schweiz und Weil, ziehe es doch auch den in Weil am Rhein lebenden Lörracher „Burgi“ Michael Wilke unwiderstehlich nach Basel. Ob man Oberbürgermeister Jörg Lutz bei seiner Suche nach einem Haus in Tumringen Asyl gewähren wolle, steht noch offen. Denn die Gleichung sei wenig erfreulich: knappe Kassen – wasserlose Brunnen.

Auch Schweizer Politiker werden ins rechte fasnächtliche Licht gerückt: So setzt sich der Basler „Pierrot“ für den früheren Nationalrat Christoph Blocher ein: „Er behandelt alle gleich; ob vermögend oder reich.“ Dass sich die Welt dem Untergang zuneige, haben „D’Gryysel“ aus Basel erkannt: Der Teufel zeige sein Gesicht, und seine Propheten seien Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong.

Kunstreiche Wortgefechte

Auch der Basler „Spitzbueb“ hat sich spezialisiert auf ironisch sarkastische Anspielungen. Man solle Merkel doch ein altes Velo schenken. Dann könne sie lernen, wie ein Rücktritt funktioniere. Bei Edogans Geiß ist er dagegen vorsichtig. Viel wolle er dazu nicht sagen, sonst würde ihn die Geiß noch vor’s Gericht ziehen.

Auch die Basler „Giftspritzi“ verdankt ihren Aufstieg einer scharfen Beobachtung, die bissig verpackt wird. Die Gastgeber runden einen mit kunstreichen Wortgefechten vollgespickten Abend gewitzt ab. Eben vom „Lädele in Paris“ zurück, greifen sie aktuelle Reisewarnungen auf und schlagen vor, diese explizit auf Weil auszudehnen.

Für beste musikalische Unterhaltung sorgten „Geifersepp & thä Schtuehlgang Stompers“ sowie Dieter Philipp mit Tochter Sabrina. Der Erlös der Benefizveranstaltung kommt sozialen Institutionen zu Gute, die Kinder unterstützen.