Von Markus Greiß

Lörrach. Zu Beginn der „Magica Notte della Taranta“ am Samstagabend reihten sich alle Künstler schweigend auf der Bühne des Burghofs auf. Teresa Munitello-De Mauro, die Initiatorin des Musik- und Tanzabends, rief das Publikum zu einer Gedenkminute für die Opfer der Terroranschläge in der französischen Hauptstadt auf. Den Akteuren fiel es sichtbar schwer, keine 24 Stunden nach der Katastrophe umzuschalten und Musik zu machen.

Dass dies gelang, hängt mit der Art der Kunst zusammen, welche die Basler Tanzlehrer Teresa und Manù Munitello-De Mauro, die Sängerin Maria Mazzotta, die Gruppe Pizzicati int’allù Core sowie der Sänger Antonio Castrignanò mit Band ihrem italienischen und italophilen Publikum darboten. An diesem Abend drehte sich viel um den aus Apulien stammenden Volkstanz „Tarantella“, der in früheren Zeiten zur Heilung von Spinnenbissen eingesetzt wurde. Musiker spielten damals für die Gebissenen auf, und zu den schnellen Rhythmen tanzten die Patienten bis zur Erschöpfung, um – so die Hoffnung – das Gift aus ihrem Körper zu vertreiben.

Das Grauen von der Seele getanzt

Auch ohne Spinnenbiss ging das Publikum gerne auf die Tanzaufforderung der Gruppe Pizzicati int’allù Core ein – wohl auch, um sich das Grauen von der Seele zu tanzen. Sänger Valerio Manisi und seine mit Rahmentrommeln, Mundharmonika, Gitarre, Akkordeon, Violine und Bass aufspielende Band stachelten die Tänzer mit schnellen, lebensfrohen Rhythmen an.

Zuvor hatte Sängerin Maria Mazzotta das Konzert mit einem Repertoire aus teils melancholischen, teils kraftvollen Liedern eröffnet. Dann tanzten Teresa und Manù Munitello-De Mauro auf der Bühne den „Pizzica“: Geheimnisvoll eingehüllt in tiefrotes Licht und halb verborgen hinter einem transparenten Tuch umgarnte Teresa ihren Partner Manù und lud ihn damit ein, in den Umwerbungstanz einzusteigen.

Viele tanzgeübte Paare setzten den Tanz auf dem Parkett des Burghofs fort. Anders als beim mitteleuropäischen Paartanz täuscht der Herr beim „Pizzica“ eine Umarmung der Dame nur vor, berührt sie aber nicht und zollt ihr so Respekt.

Den Schlusspunkt der langen Magica Notte setzte der charismatische Sänger und Tamburinspieler Antonio Castrignanò mit seinen im salentinischen Dialekt gesungenen Liedern, die seine Band aus Akkordeon-, Gitarren- und Dudelsackspielern begleitete.