Von Veronika Zettler

Zum 20-jährigen Bestehen zeigt das Theater Bühneli Carlo Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ aus dem Jahr 1745. Ein Glanzstück für Günther Geiser und sein Ensemble, wie die Probe am Dienstag zeigte.

Lörrach. „Goldoni hat mich schon lange gereizt“, sagt Regisseur Günther Geiser. Bei vielen Begegnungen mit dem Stück im Laufe der Jahre habe er überlegt, wer im Bühneli welchen Charakter spielen könnte. Jetzt ist alles im Kasten: Die Rollen sind treffend verteilt, die Kostüme auf Maß gebracht, die Texte sitzen.

Die Vorfreude ist Günther Geiser und den über 30 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne anzumerken. Ebenso der hohe Anspruch, mit dem dieser Klassiker der Commedia dell’arte angepackt wird.

Geiser, für seine Detailversessenheit bekannt, macht das Werk zum lustvoll inszenierten Augenschmaus mit barockem Anstrich. Das Bühnenbild (Steinbodenoptik, Marmorsäulen, Brunnen) versetzt die Zuschauer in das reiche Venedig des 18. Jahrhunderts. Die opulent verspielten Kostüme tun ihr Übriges. Bei der Schließung des Scala-Kostümverleihs in der Wiesentalstraße hat das Bühneli etliches aufgekauft, was neue Möglichkeiten eröffnet. Während der offenen Umbaupausen kann das Publikum zum Beispiel vorbeidefilierende venezianische Karnevalsmasken bewundern.

Indes wirken die männlichen Darsteller mit ihren Perücken und Schläfenlöckchen, mit knielangen Pluderhosen, Rüschenhemden, Wamsen und Schnallenschuhen wie historischen Gemälden entsprungen. Vor allem Peter Stölzer in der Rolle des Dottore Lombardi verströmt mit seinen roten Flügelschuhen einen herrlich angestaubten Prunk. Wenn er gelehrtenhaft-kauzig die Arme hinter dem Rücken verschränkt und mit lateinischen Sprüchen um sich wirft, erinnert er nicht nur optisch an Peter Ustinov.

Auch die übrigen Darsteller erwecken ihre Figuren zu glaubhaften Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Die meisten Rollen sind wieder doppelt besetzt. Je nachdem, wer gerade spielt, hat zum Beispiel die Hosenrolle der Beatrice (Katja Schmuck/Petra Glienke) mal mehr kecke, mal mehr raffinierte Züge.

Schauspielerisch brillant ist Felix Ebner. Er gehört mit Franz Hartmann zu den Neuzugängen, die das Bühneli bei zwei Castings im Frühjahr dazugewonnen hat. Den Florindo gibt er als selbstbewussten Jüngling, der zwischen aristokratischer Arroganz und heilloser Verliebtheit hin- und hergerissen ist.

Nicht zuletzt Günther Geiser hat im Truffaldino eine Paraderolle gefunden, in der er die ganze Bandbreite seines schauspielerischen Talents zeigt. Mit herzigem Schalk und viel Spielfreude entwirft er seinen Truffaldino, der aus seinem buchstäblich unersättlichen Appetit heraus zum Diener zweier Herren wird und sich im selbstgeschaffenen Tohuwabohu immer wieder aufs Vergnüglichste verwickelt.