Lörrach Trink den Regenbogen

Twist in my Sobriety: Tanita Tikaram im Burghof. Foto: Veronika Zettler Foto: Die Oberbadische

Von Veronika Zettler

Lörrach. Als die damals 19-jährige Tanita Tikaram 1988 ihren Superhit „Twist In My Sobriety“ veröffentlichte, gab es wohl kaum einen Teenager, der sich die depressive Nummer mit dem kryptischen Songtext nicht entweder direkt vom Radio, das ihn später totnudelte, auf Kassette aufnahm, oder aber sein Taschengeld für die dazugehörige LP zusammenkratzte. „Ancient Heart“ hieß das Album, auf dessen Cover Tanita Tikaram wie zur Illustration des düsteren Sounds mit langem schwarzen Mantel irgendwo inmitten karger Hügel abgebildet ist. Aus damaliger Sicht sprach alles dafür, dass Tanita Tikaram eine Karriere wie Madonna hinlegen würde.

Seither sind 25 Jahr vergangen. Tanita Tikaram hat zwar noch weitere Platten veröffentlicht, an den Erfolg aus den späten 80ern konnte sie aber nicht mehr anknüpfen. Im gut besuchten Burghof, wo die inzwischen 44-jährige Britin am Mittwoch die neue Saison eröffnete, fand sich folglich auch überwiegend die Generation plus-minus 40 ein, um eine Ikone früherer Tage zu erleben. Und sich schon beim kurzen, aber beachtlichen Support der deutschen Newcomerin Stephanie Neigel zu fragen: Wird sie es spielen oder wird sie es nicht spielen, das Stück, von dem so viele völlig widersprüchliche Übersetzungen vorliegen, weil es schlichtweg nicht übersetzbar ist?

Sie spielt es – und bekommt dafür schon während der ersten drei Takte Beifall. Überhaupt lässt es Tanita Tikaram nicht an Reminiszenzen an damals fehlen. Einen „Mischmasch aus alten und neuen Liedern“ kündigt sie eingangs an und legt los mit „Good Tradition“, ebenfalls ein Hit vom Debütalbum.

Spätestens aber bei der zweiten und dritten Nummer („All Things To You“, „Dust On My Shoes“), beide von der neuen CD „Can’t Go Back“, muss der noch skeptischste Konzertbesucher mindestens dreierlei einräumen. Erstens: Tanita Tikaram besitzt eine phänomenale Stimme. Sie hat zweitens eine großartige Band um sich geschart. Und: Ihre neueren Stücke bestechen allesamt durch die Eleganz der Komposition. Neben Gitarrist Bryan Day, Bassist Matt Radford und Schlagzeuger Robert Treherne ist es vor allem Martin Winning (er spielte auch schon mit Ray Charles und Van Morrison), der mit dem ein oder anderen Solo an Saxofon, Querflöte und Klarinette dem Sound den letzten brillanten Schliff verleiht. Kritisch anmerken ließe sich allenfalls, dass die gleichwohl unverwechselbar samtig-tiefe Stimme hier und da einen Hauch zu dominant über die hörenswerte Instrumentation gelegt wird.

Vergnügen bereitet jedoch die stilistische Vielfalt, die sich mal beim Swing Manouche, dann wieder bei Salsa, Jazz, Soul, Country und Rock bedient. Bleiben die Texte, die wie früher überwiegend aus der Sprache poetischer Unergründlichkeit schöpfen und etwa vom Trinken des Regenbogens erzählen. So wächst die Begeisterung im Burghof von Stück zu Stück.

Am Schluss gibt es kräftigen Applaus wie auch die gewünschten Zugaben. Tanita Tikaram verbeugt sich und merkt an, dass ihr der Auftritt in Lörrach ebenfalls Spaß gemacht habe. Die Sängerin verbrachte übrigens ein paar Kindheitsjahre in Deutschland. Wie sie in einem Interview verriet, sind ihr vor allem Fernsehkommissar Stephan Derrick und Schlagersänger Costa Cordalis in guter Erinnerung geblieben.

Umfrage

reg_0210_Impfung_dpa_Christoph_Soeder

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hal vorgeschlagen, die „epidemische Notlage von nationaler Tragweite“ Ende November zu beenden. Was halten Sie davon? 

Ergebnis anzeigen
loading