Der Trauermonat November lässt uns den Toten gedenken. Anlässlich des morgigen Ewigkeitssonntags erklärt die Trauerrednerin Birgit Proske ihre Arbeit und Aufgaben bei Bestattungen und Trauerfeiern.

Von Elena Polnau

Lörrach. Die aus Lörrach stammende ehemalige Pfarrerin hat sich vor drei Jahren als Freie Theologin selbstständig gemacht. „Als Pfarrerin liegt ein gewaltiger Druck auf einem. Es gibt viele Verwaltungsarbeiten, die immer mehr Gewicht in der Arbeit als Pfarrer bekommen. Außerdem belastete mich der straffe Zeitplan, der oft kein Raum für kreatives Denken lässt“, erzählt Proske.

Das Feld des Freien Theologen war für die 46-Jährige schließlich die richtige Wahl: „Den Umgang mit Menschen habe ich schon in der Gemeinde geliebt. Also habe ich den Schritt gewagt. Innerhalb der drei Jahre, hat sich mein kleines Unternehmen gut entwickelt, da der Wunsch nach Freien Theologen bei Beerdigungen oder Hochzeiten stetig wächst.“

Teils melden sich die Angehörigen direkt bei ihr, teils wird sie von Bestattungsunternehmern empfohlen. „Hier in der Region gibt es wenige Trauerredner, manche Bestattungsunternehmen haben selbst eine Ausbildung hinter sich und gestalten Trauerfeiern. Jedoch gibt es gerade in ländlichen Gebieten wenige ausgebildete freie Trauerredner. In großen Städten ist dieser Bereich allerdings schon ausgeprägter.“

Sie mag vor allem die freie Arbeit, die dem Arbeitsfeld des Pfarrers trotzdem ähnlich ist: „Ich brauche die Freiheit im Beruf, andere brauchen die Sicherheit.“

Die ruhige, aber herzliche Theologin schätzt ihren Beruf als Trauerrednerin sehr: „Es ist eine schöne Arbeit, bei der man immer in engem Kontakt mit Menschen steht. Für mich ist es wichtig, die Angehörigen in ihrem Ausnahmezustand an die Hand zu nehmen, ihnen aber trotz allem nichts aufzuzwingen.“ Dabei sei das individuelle Gespräch sehr wichtig, erläutert sie.

Zusammen mit den Angehörigen muss entschieden werden, ob die Bestattung weltlich oder religiös gestaltet werden soll. Auch Musik für die Beerdigung werde gemeinsam ausgesucht, „das kann auch Volksmusik sein, es wird ganz im Sinne des Verstorbenen gestaltet“.

Bedeutend sei auch, dass man Gedenkmomente in die Feier einfließen lässt, um ein persönliches Abschiednehmen zu ermöglichen. Proske ergänzt: „Mir ist wichtig, dem zu Ende gegangenen Leben noch einmal Ausdruck zu verleihen und es zu würdigen. Den Angehörigen soll in diesem Rahmen der Raum gegeben werden, Abschied zu nehmen.“

Für die individuell gestalteten Feiern bekommt Proske viel positive Rückmeldung und Wertschätzung: „Sie haben bei mir und allen anderen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Sie haben die richtigen Worte gewählt und stellenweise bei der Erinnerung an ihn und seine Art statt Tränen ein Lächeln auf unser Gesicht gezaubert“, schreibt beispielsweise eine Angehörige eines Verstorbenen.

Trauerfeiern haben keinen festen Ablauf, aber es können verschiedene Elemente zusammengestellt werden: Musik, Gedenken, eine Ansprache, der Auszug sowie Worte und Gesten am Grab.

„Es ist ein wichtiger Dienst am Menschen, und ich habe ein gutes Gefühl dabei. Es ist schön, die Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, trotz der Tragik, die zuweilen mitschwingt. Ich denke, das macht meine 20-jährige Erfahrung und Professionalität, dass ich mich selbst nicht runterziehen lasse und eine gewisse Distanz wahre, aber trotzdem mit dem Herzen dabei bin.“

Weitere Informationen: www.freietheologie-proske.de