Lörrach Um über 65 000 Euro gebracht

Der 38-jährige Angkelagte soll den Lörracher Geschädigten um über 65 000 Euro gebracht haben. Foto: Archiv

Lörrach - Ermittlern sind sie bestens bekannt: „Gewinnanrufe“, welche die Leichtgläubigkeit kranker oder alter Menschen ausnutzen, um ihnen erhebliche Mengen Geld abzuknöpfen. Ein 38-jähriger Mann, der dieses Spiel über Jahre hinweg mit einem Lörracher getrieben und diesen um über 65 000 Euro gebracht haben soll, stand am Donnerstag vor dem Amtsgericht Lörrach.

Die ihm zur Last gelegten Taten liegen lange zurück: Im Oktober 2010 erfolgte laut Anklageschrift der erste von vielen Anrufen bei dem gesundheitlich eingeschränkten Mann, in denen unter anderem Forderungen aus Gewinnspielteilnahmen geltend gemacht wurden. In der Folge überwies dieser, damals selbst wegen Geldwäsche im Visier der Justiz, wiederholt Geldbeträge an den Beschuldigten und weitere Empfänger in der Türkei.

Damit nicht genug: Mal als Polizist aus Hamburg, mal als Hamburger Staatsanwalt „Lord Kuhn“ meldete sich ein Unbekannter später per E-Mail beim Geschädigten, mit der Begründung, einem Betrug auf die Spur gekommen zu sein und ihm Geld zurücküberweisen zu wollen – nach finanzieller Vorleistung. Der Geschädigte kam auch dieser Aufforderung nach und überwies weitere Summen auf verschiedene Konten.

Gezeichnet von einer schweren Krankheit, kann sich der Geschädigte, der von Grundsicherung lebt und im Rollstuhl sitzt, an vieles nicht mehr genau erinnern. Er wisse selbst nicht, wie er auf die Masche habe so lange hereinfallen können, sagte er im Zeugenstand. Er habe immer wieder gedacht, dass Geld zurückkomme. Um den Zahlungsaufforderungen nachzukommen, habe er eine kurz zuvor erworbene Wohnung verkauft und seine Lebensversicherung geplündert.

Den schon im April 2011 erfolgten Warnungen des ermittelnden Polizeibeamten sowie von seiner Bank scheint er allenfalls vorübergehend Glauben geschenkt zu haben. Allerdings vergingen einige Monate, bevor der Geschädigte Anfang 2012 erneut kontaktiert wurde, dieses Mal mit der Aufforderung zum Erwerb und Weitersendung elektronischer Geräte. Laptops und Smartphones im Gesamtwert von über 12 000 Euro schickte er an Empfänger in Norddeutschland, darunter der Angeklagte, ein als Zeuge befragter „guter Bekannter“, aber auch seine heutige Ehefrau.

Vermeintlicher Entlastungszeuge

Die Vorladung eines vermeintlichen Entlastungszeugen lief ins Leere: Der ominöse Hintermann aus der Türkei, den der Angeklagte 2012 kennengelernt hatte und der ihn demnach zur Entgegennahme der Zahlungen aufgefordert hatte, konnte nicht ausfindig gemacht und daher auch nicht als Zeuge verhört werden. Auf ein Rechtshilfeersuchen an die Türkei sei keinerlei Reaktion erfolgt, erklärte Richter Bezzel.

In seinem Schlussvortrag wies Staatsanwalt Thomas Müller die Vorstellung eines Täters, der bloß die ausführende Hand gewesen sei, entschieden zurück. Die ersten Taten seien 2010 erfolgt, lange vor dem ersten Kontakt mit dem vermeintlichen Auftraggeber. Über Jahre seien Gelder direkt an den Angeklagten und ihm nahe stehende Personen überwiesen worden.

Tatsächlich hielt sich der Angeklagte, ein in Oldenburg geborener und aufgewachsener türkischer Staatsbürger, nach wegen diverser Straftaten erfolgter Abschiebung in jener Zeit in der Türkei auf. Für das Gericht ist die Tatsache, dass er dort über keinerlei Einkommen verfügte, ein Hinweis auf ein wie auch immer geartetes gewerbsmäßiges Vorgehen.

Mit drei Jahren Haft wegen Beihilfe zum erwerbsmäßigen Betrug in 34 Fällen, dies unter Einbeziehung einer weiteren Strafe aus einem anderen Verfahren, blieb das Schöffengericht unter der Forderung des Staatsanwaltes, der drei Jahre und neun Monate gefordert hatte. Abzüglich elf Monate Untersuchungshaft und weiterer drei Monate, die aufgrund der Länge des Verfahrens nicht vollstreckt werden, würden dem Verurteilten, Vater von zwei, bald drei Kindern, damit noch ein Jahr und zehn Monate zu verbüßen bleiben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    1

Newsticker

blank

Umfrage

Sommerurlaub

Die Sommerferien werfen ihren Schatten voraus. Werden Sie dieses Jahr den Urlaub in Deutschland verbringen oder ins Ausland reisen?

Ergebnis anzeigen
loading