Lörrach Umsteigen erwünscht!

Die Oberbadische, 13.03.2018 20:42 Uhr

Nach den positiven Vorberatungen in den Ortschaftsräten und dem Ausschuss für Umwelt, Technik, Bildung und Soziales (AUT) wird morgen im Hauptausschuss endgültig über neue Park&Ride-Stellflächen entlang der S-Bahn abgestimmt.

Von Kristoff Meller

Lörrach. Das ambitionierte Ziel der Stadt, so Monika Neuhöfer-Avdic, Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung und Stadtplanung, in der jüngsten AUT-Sitzung: „Wenn das Conrad-Areal nicht mehr als Parkfläche zur Verfügung steht, sollen Ersatzparkplätze bereit stehen.“ Allerdings werden sich diese wohl überwiegend nicht mehr in unmittelbarer Nähe der Innenstadt befinden und auch nicht so zahlreich sein.

Kinderspielplatz, Niederfeldplatz und bald das Conrad-Areal: „In den letzten Jahren sind auf jeden Fall Stellplätze weggefallen“, bestätigte Neuhöfer-Avdic. Besonders betroffen davon seien Pendler. Aus Sicht des Handels sei die Parkraumversorgung noch immer sehr gut, doch Parkhäuser wie am Alten Markt, am Bahnhof und Burghof aber auch im künftigen „Lö“, wo 140 neue öffentliche Stellplätze entstehen, sind für viele Pendler beziehungsweise Ganztagsnutzer zu teuer und hauptsächlich für Kunden der Innenstadt gedacht, wie Neuhöfer-Avdic erklärte.

Sie sprach von einer „zunehmenden Konkurrenz um Flächen“ und hat auch eine „Verdrängung“ der Pendler ausgemacht, die auch durch eine Erhöhung der Gebühren in der Parkzone 4 (wir berichteten) erfolgt sei. Der Parkplatz an der Bergstraße sei seither deutlich weniger ausgelastet. Nach der Beobachtung der Stadtverwaltung finde eine Verschiebung hin zum öffentlichen Straßenraum oder privaten nicht bewirtschafteten Parkplätzen des Einzelhandels statt.

Mit den geplanten Park&Ride-Stellplätzen beim Füssler-Areal wolle man versuchen, „den Individualverkehr vor der Innenstadt abzufangen“ und zur Nutzung der S-Bahn zu bewegen. Die entsprechenden Parkfläche für Pendler am Bahnhof Brombach/Hauingen werden laut Neuhöfer-Avdic bereits gut angenommen.

Verkehr rechtzeitig vor der Innenstadt abfangen

Für Heinz-Peter Oehler (SPD) ist es darum „absolut notwendig“ ein dreistöckiges Parkhaus neben die neue Brombacher Halle am S-Bahn-Halt zu bauen, da es sich spätestens seit der neuen Busverbindung aus Kandern um einen „zentralen Umsteigepunkt“ handle. „Dort müssen zwingend Verbesserungen geschaffen werden“, so Oehler.

Auch Leonie Wiesiollek (Grüne) hält die Pläne der Stadt für die Bahnhöfe Haagen und Brombach-Hauingen für „sehr sinnvoll“. Eher kritisch sieht sie hingegen die Idee, auch am Haltepunkt Schwarzwaldstraße weitere Stellplätze anzubieten. „Das ist schon sehr innenstadtnah – wir sollten versuchen, den Verkehr rechtzeitig vor der Innenstadt abzufangen.“ Außerdem müsse nach dem Vorbild in anderen Städten das Parkticket auch gleichzeitg ein Zugticket sein, um eine S-Bahn-Nutzung attraktiv zu machen.

„Die Hürden zum Umsteigen sollten möglichst gering sein“, befand auch Matthias Lindemer (Freie Wähler). Außerdem wäre es wünschenswert, „wenn die Haltestelle Zentralklinikum und der dortige Park&Ride-Parkplatz eher 2025 als 2030 fertig wird“.

Lindemers Fraktionskollege Thomas Vogel schlug als Sofortmaßnahme vor, den Zaun bei den aktuellen Stellplätzen am Bahnhof Brombach-Hauingen zu versetzen, um so relativ unkompliziert zusätzliche Parkplätze zu generieren. „Wenn das so einfach wäre, hätten wir es schon längst gemacht“, erklärte dazu Bürgermeister Michael Wilke und verwies auf die umliegenden Grundstückseigentümer.

„Wir brauchen eine ehrliche Debatte darüber, wer die Parkplätze nutzt“, forderte hingegen Christa Rufer (SPD). „In Haagen wird kaum jemand umsteigen, der sich auf dem Weg in die Innenstad befindet.“ Die Plätze seien vor allem für Grenzgänger interessant. „Sie bringen aber keinen Nutzen für die Innenstadt“, so Rufer.

Darüber hinaus erinnerte Rufer an das Thema „Kurzstreckentarif“. Denn ebenso wie die Zahl der Parkplatznutzer auf dem Areal Conrad durch die Gebührenerhöhung gesenkt wurde, lasse sich „in umgekehrte Richtung“ durch ein günstiges Ticket die Zahl der ÖPNV-Nutzer erhöhen.